Krankenhäuser · Quellengebundenes Forschungsdossier
Neues Städtisches Krankenhaus – der große Hauptbau auf der Schwand
Ein historischer Ort der Fürther Gesundheitsgeschichte: Seine Nutzung, die beteiligten Menschen und seine Entwicklung werden anhand überlieferter Quellen rekonstruiert.
Geschichte und Nutzung
Mit dem Krankenhaus auf der Schwand veränderte Fürth 1931 nicht nur die Adresse seiner medizinischen Versorgung, sondern deren räumliches Selbstverständnis. Statt eines weitläufigen Pavillonbetriebs entstand unter Hermann Herrenberger ein weitgehend geschlossener, funktional zusammenhängender Klinikkomplex der Neuen Sachlichkeit. Der Hauptbau wird amtlich als symmetrischer, sechsgeschossiger Putzbau mit Flachdach, kubischen Vorsprüngen und markantem Eingangsrisalit beschrieben. Lichtdurchflutete Gänge, großzügigere Krankenzimmer sowie Sonnen- und Ruheterrassen standen für den Anspruch einer modernen Medizin.
Am 31. Juli 1931 öffnete das Städtische Krankenhaus; die Patientinnen und Patienten zogen vom alten Haus in der Schwabacher Straße um. Jakob Frank war der erste ärztliche Direktor. Mit seiner Entlassung 1933 und der nationalsozialistischen Umgestaltung des Gesundheitswesens begann eine neue, widersprüchliche Phase, deren Personal- und Abteilungsgeschichte differenziert zu rekonstruieren ist. Der Hauptbau überstand den Krieg nach späteren Darstellungen weitgehend und wurde im Laufe des späten 20. Jahrhunderts grundlegend modernisiert. Die historische Fassade erzählt also nicht unverändert von 1931: Erhaltene Gestalt und erneuerte Innenräume müssen auseinandergehalten werden.
Das Krankenhaus gehört zu einem größeren Denkmalensemble mit Toranlagen und Infektionsbau. Für diese eigenen Baukörper werden separate Biografien geführt, damit sich der sechsgeschossige Hauptbau nicht mit jedem späteren oder räumlich getrennten Gebäude des Klinikums vermischt.
Menschen, Zeitspuren und Hausregister – Ergänzung v198
Die neue Anlage stellte ein anderes Ideal von Krankenhausarchitektur vor: Die Wege zwischen medizinischen Abteilungen sollten kürzer, die Räume heller und die Pflegeorganisation übersichtlicher sein. Nach der Selbstdarstellung des heutigen Klinikums galten die lichtdurchfluteten Gänge, Sonnen- und Ruheterrassen geradezu als Musterbeispiel moderner Versorgung. Das ist ein wertender Rückblick der Institution, aber die architektonischen Merkmale sind durch die amtliche Denkmalbeschreibung überprüfbar. Für die Gebäudebiografie ist ebenso wichtig, dass die benachbarten Torpavillons und das Infektionskrankenhaus eigene Baukörper darstellen: Ihre Geschichte wird nicht als ein einziger Flügel des Hauptgebäudes erzählt. Die weitere politische Geschichte, insbesondere die Entlassung von Jakob Frank nach 1933, muss anhand der konkreten Personalakten und Funktionswechsel gesondert rekonstruiert werden.
Abbildung und Bildnachweis
Aufnahmejahr, Bildquelle und Lizenz stehen direkt bei jedem Motiv. Das Aufnahmejahr ist nicht automatisch das Baujahr.
Ergänzungen aus dem FürthWiki-Abgleich
Diese Belege ergänzen das historische Standortdossier. Es handelt sich um quellenkritisch eingeordnete Hinweise des Forschungsmasters v230, nicht um neue Gebäudenachweise oder automatisch freigegebene Personenidentitäten.
- 1888–1936 – Walther Weigeldt – Lebensweg: FürthWiki nennt als Lebensdaten den 10. Oktober 1888 in Leipzig und den 16. Februar 1936 in Fürth. Promotion 1913, Habilitation 1923 und außerordentliche Professur 1928 verweisen auf seine Leipziger Laufbahn.
Weiter zu prüfen: Die Namensreihenfolge Rudolf Walther / Walther Rudolf wechselt in den Darstellungen. Nur eine historisch identifizierte Person; Registerakten bleiben zu prüfen.
- 1931–1933 – Weigeldt – Fürther Klinikfunktionen: Im Zusammenhang mit dem Neubau von 1931 übernahm Weigeldt die Innere Klinik. Die Nachfolge Jakob Franks in der ärztlichen Krankenhausleitung im März 1933 ist davon zu unterscheiden.
Weiter zu prüfen: Ein Dienstantritt am 23. Juli 1931 und eine Leipziger Beurlaubung ab September 1931 können verschiedene Vorgänge sein. Personalakten gegenlesen.
- 1816–1931 – Drei städtische Versorgungsstandorte: Das Spital beziehungsweise Armenhaus an der Pegnitzstraße 13/15, das Krankenhaus an der Schwabacher Straße 51 und der Neubau an der Jakob-Henle-Straße 1 gehören zu unterschiedlichen Standortphasen.
Weiter zu prüfen: Es handelt sich nicht um drei Namen desselben Baukörpers. Die historischen Adress- und Funktionsübergänge einzeln belegen.
FürthWiki-Autorengemeinschaft, CC BY-SA für Artikeltexte soweit nicht anders angegeben. Keine Übernahme ungeprüfter Bilddateien; Originalakten sind gesondert auszuwerten.
Weitere historische Quellen und Verbindungen
Die folgenden Hinweise stammen aus den zusammengeführten FürthWiki-Forschungsblöcken v232 bis v242. Ortsbezug bedeutet keine automatische Gleichsetzung benachbarter oder mehrfach beschriebener Gebäude.
1938-07-25 (Meldung 27.07.1938)
17 Verletzte nach Zugkollision im Fürther Krankenhaus
Laut Pressechronik waren bei der Kollision eines aus Erlangen kommenden Nahverkehrszugs mit einem KdF-Sonderzug am Fürther Hauptbahnhof etwa 25 Personen leichter verletzt; 17 Reisende mussten ins städtische Krankenhaus transportiert werden.
Zu prüfen: Unfalldatum aus Wochentagsbezug rekonstruiert. Die Kategorien 25 leicht verletzt und 17 hospitalisiert nicht ohne Originalmeldung addieren; keine Todesopfer behaupten.
1938 (Jahresrückblick)
Besuchszeit im Stadtkrankenhaus
Der Überblick zur Chronik 1938 erwähnt 14 bis 16 Uhr als eng begrenzte Besuchszeit an wenigen Wochentagen.
Zu prüfen: Genaue Wochentage und die Geltungsdauer sind im Überblick nicht genannt; keine ständige Hausordnung daraus konstruieren.
1938-05-17 / 1938-06-01
1938er 380 Betten: Ist-Zustand versus Planangabe
FürthWiki/Kuntermann zitiert Mitte Mai 1938 eine bereits erfolgte Erweiterung auf 380 Betten; das zeitgenössische Ärzteblatt vom 1. Juni 1938 bezeichnet 380 als für den Sommer angestrebtes Ziel.
Zu prüfen: Keine Glättung der Zeitungsberichte zu einem sicher vollendeten Bau. Originalzeitungen, Ärzteblatt und Bau-/Betriebsakten vergleichen.
1938-05-17
Erweiterung 320 auf 380 Betten
Der Bericht von Mai 1938 nennt anfänglich 320 Betten, plus 46 Betten insgesamt im Westflügel und im Q-Bau sowie weitere 14 Betten in einem Raum für Leichtkranke; als neue Gesamtsumme 380 Betten.
Zu prüfen: Die 46 Betten sind gemäß Detailpassage nicht alle dem Q-Bau zuzuordnen. Ausbauphasen und gebäudegenauer Bestand nur mit Bauplan/Belegungsbuch festlegen.
Ausbildung und Krankenpflege am neuen Krankenhaus ab 1931 →
Baugeschichte und historische Adressen
Überlieferte Bau- und Gestaltungspersonen: Hermann Herrenberger
Denkmal- bzw. Objektvermerk: D-5-63-000-489
Diese Angaben sind keine automatische Gleichsetzung mit heutigen Hausnummern oder benachbarten Gebäudeteilen. Baukörper und historische Nutzungszeiten werden getrennt geprüft.
Menschen im Zusammenhang mit diesem Ort
- Jakob Frank
Die namentliche Erwähnung bedeutet keine bereits nachgewiesene vollständige Personal- oder Gebäudebeziehung. Zum Personenregister →
Offene Fragen und Quellenkritik
Festschrift 1931 zu Abteilungen, Personal, Baukosten und Grundriss vollständig auswerten.
Das Dossier dokumentiert den jeweiligen Forschungsstand und kann bei neuen Originalfunden ergänzt oder korrigiert werden.
Quellen und Nachweise
- https://www.klinikum-fuerth.de/de/ueber_uns/geschichte.php
- https://geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_563000.pdf#page=86
- https://www.klinikum-fuerth.de/de/aktuelles/2024/10/neue-wahlleistungszimmer-eroeffnet.php
- https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/RNPZMPGTJBGKLZZU4VWKM2FJJAPFCTOM
- https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/AGXGBCELHBNHPTKY5MQN2QNW4HGGTPSQ
- https://www.fuerthwiki.de/wiki/images/a/a9/Kuntermann_1931.pdf
- https://www.bayerisches-aerzteblatt.de/fileadmin/aerzteblatt/ausgaben/1938/06/komplettpdf/06_1938.pdf
Die Nachweise sind Forschungsquellen. Ihre Aufnahme bedeutet keine pauschale Zustimmung zu allen Einzelangaben.
