Lazarette · Forschungsfrage – noch zu prüfen
Kolonnenhaus der Sanitätskolonne – Hilfe hinter der Front
Ein historischer Ort der Fürther Gesundheitsgeschichte: Seine Nutzung, die beteiligten Menschen und seine Entwicklung werden anhand überlieferter Quellen rekonstruiert.
Geschichte und Nutzung
Die Fürther Sanitätskolonne organisierte Hilfe, Transport und Bereitschaft weit außerhalb der eigentlichen Krankenhäuser. Im Forschungsregister erscheint ein Kolonnenhaus an der historischen Birkenstraße – heute im Bereich der Otto-Seeling-Promenade. Der Bau erzählt von der Logistik der Notfallversorgung: Helfer, Material und Fahrzeuge mussten an einer bestimmten Adresse zusammenkommen.
Die exakte Hausnummer und der Zeitpunkt des Wechsels zwischen früheren Unterkünften und dem Kolonnenhaus sind noch nicht hinreichend belegt. Eine belastbare Biografie ist daher vorerst eine Standortskizze.
Vertiefung v199: Das Kolonnenhaus erzählt die Geschichte der medizinischen Bereitschaft statt der eigentlichen Behandlung: Auf einem solchen Stützpunkt konnten Helfer, Material und Transport organisiert werden. Die historischen Fürther Sanitätskolonnen gingen aus Vereins- und Feuerwehrzusammenhängen hervor, doch die genaue bauliche Nutzung des Hauses an der Birkenstraße ist noch zu datieren. Eine spätere Straßenbezeichnung als Otto-Seeling-Promenade darf nicht unkontrolliert auf die frühe Hausnummer rückgerechnet werden. Eine Gebäudezuordnung braucht Lagepläne und Fahrzeug-/Materialrechnungen.
Quellenbasierter Nachtrag v200
Ein Beitrag zur Fürther Lazarettlandschaft nennt Albert Rosenfelder als örtlichen Delegierten des Roten Kreuzes und das städtische Siechhaus in der Würzburger Straße 108 sowie die Turnhalle des TV 1860 als zwei Vereinslazarette. Das macht das Hilfsnetz räumlich konkreter, ohne die betreffenden Gebäude mit dem ungenau lokalisierten Kolonnenhaus in der früheren Birkenstraße gleichzusetzen. Es fehlen nach wie vor eine exakte Hausnummer des Kolonnenhauses und datierte Gebäudedienstpläne.
Vertiefung v201 — Der 1912er Sanitätskolonnen-Bericht eröffnet einen ungewöhnlich genauen Blick ins Innere: Hinter dem Wachzimmer lag ein Schlafraum mit vier Eisenbetten. Im Verbandzimmer standen Instrumenten- und Verbandsschrank sowie Instrumentenkocher; Warm- und Kaltwasser waren vorhanden. Eine eigene Wagenhalle fasste Elektromobil, bespannte Wagen und Fahrbahren. Besonders fortschrittlich war der getrennte Weg nach Infektionstransporten: Auskleidezelle, Dusche und anschließender Ausgang sollten eine Verschleppung von Krankheitserregern verhindern. Damit war dieses Gebäude mehr als eine Wagenremise: Es vereinte Erste Hilfe, Ruhebereitschaft, Ausbildung und Hygienetechnik.
Vom Rathaushof in ein Haus für die Rettung (1910–1912)
Am 20. Oktober 1910 schrieb der aus Fürth stammende Luis Alfred Nathan aus Meran an die Stadt. Für den Bau einer Station zur ersten Hilfe bei Unglück und Krankheit stellte er 70.000 Mark zur Verfügung und verlangte zugleich, seinen Namen bei der Bekanntgabe zu verschweigen. Die Chronik des Deutschen Roten Kreuzes überliefert den Wortlaut dieses Stiftungsvorgangs. Auf städtischem Grund am damals als Nordstraße bezeichneten Rand des neu gestalteten Friedhofs- und Parkgeländes entstand anschließend ein echtes Rettungsgebäude. Ein Fotodatensatz des Stadtarchivs Fürth nennt Josef Zizler als Planer 1911; die amtliche Denkmalliste beschreibt den Heimatstilbau an der heutigen Otto-Seeling-Promenade 7 mit Sandsteinsockel, Satteldach, Eingangsnische, Pavillon und Treppenturm. Fertigstellung und feierlicher Einzug erfolgten laut DRK im März 1912.
Wie stark die Architektur auf praktischen Sanitätsdienst zugeschnitten war, zeigt der im DRK-Beitrag ausgewertete Jahresbericht von 1912: im Erdgeschoss Wachzimmer und vier Schlafplätze sowie ein verfliester Verbandsraum mit Instrumentenkocher, in den Hallen Platz für Elektromobil und Pferdewagen. Besonders modern war die eigene Route zur Desinfektion infektiöser Transporte mit Auskleide-, Brause- und Umkleidezone. Im Obergeschoss wurde unterrichtet und geübt, im Dachgeschoss wohnten Hausmeister und lagerten Verbandsmaterial, im Keller standen Hilfsmittel bereit. Das Gebäude zeigt, wie medizinische Infrastruktur damals Personal, Ausbildung, Technik und Infektionsschutz in einem Haus verband.
Die Sanitätskolonne blieb bis 1976, anschließend zog sie in die Henri-Dunant-Straße 11. Das ursprüngliche Mosaik des Eingangs, von Hermann Schwabe entworfen und durch das Atelier Rauecker ausgeführt, wurde dabei versetzt. Nach dem Umbau 1981/82 dient der Altbau kirchlichen Zwecken. Die älteren Projektangaben „Birkenstraße“ sind mit der belegten Nordstraße beziehungsweise heutigen Otto-Seeling-Promenade noch als Adresskonflikt zu prüfen; es wird deshalb keine ungesicherte Straßenalias-Identität behauptet.
Vom Rathaus-Hof zu einem Haus für sofortige Hilfe
Der Deutsche Rote Kreuz-Verband hat einen eigenen Erinnerungsort-Bericht zur früheren Fürther Sanitätswache publiziert: Alfred Nathan sagte der Sanitätskolonne am 20. Oktober 1910 eine Stiftung von 70.000 Mark für ein eigenes Haus zu. Im März 1912 wurde der Neubau an der damaligen Nordstraße fertig. Die Sanitätskolonne zog aus ihrem alten Quartier im Rathaushof aus – begleitet vom Musikkorps des 21. Infanterieregiments. Das ist eine konkrete Geschichte ehrenamtlicher Rettungshilfe, keine allgemein bleibende militärische Nutzung.
Wachstube, vier Betten und ein besonderes Mosaik
Der im Rotkreuz-Beitrag ausgewertete Jahresbericht von 1912 nennt ein Wachzimmer, einen anschließenden Schlafraum mit vier eisernen Betten, Bade- und Toilettenräume, Fahrzeug- und Arbeitsbereiche sowie einen Werkstattraum im Keller. Der Maler Hermann Schwabe entwarf ein Mosaik mit einer helfenden Schwester und einem alten Wanderer; ausgeführt wurde es vom Atelier Rauecker. Die Kolonne blieb bis 1976 am Ort, der 1981/82 zum Gemeindehaus umgestaltet wurde. Das Mosaik gelangte in das neue Rotkreuzhaus an der Henri-Dunant-Straße 11. Bau- und Funktionsgeschichte lassen sich so über einen Ausstattungsgegenstand mit dem heutigen Rettungswesen verbinden.
Eine weitere, verlorene Erinnerungsschicht
Nach der Fürther Stadtheimatpflege wurde am 11. Juli 1920 im Saal des Kolonnenhauses eine Gedenktafel für die Toten des Ersten Weltkriegs enthüllt. Ihr Verbleib ist nicht geklärt. Dies ist ein eigener erinnerungsgeschichtlicher Befund – keine Aussage über dauerhaft einquartierte Soldaten oder über vollständige Listen der im Haus behandelten Verletzten.
Neue Quellenperspektive v207
Eine Darstellung des Deutschen Roten Kreuzes macht das Sanitätskolonnenhaus im Querschnitt erzählbar: Das 1912 fertiggestellte Haus besaß ein Wachzimmer mit Schreibplatz und Gaskocher, ein unmittelbar zugängliches Schlafquartier mit vier eisernen Betten, sanitäre Räume und einen repräsentativen Eingang mit einem Mosaik von Hermann Schwabe. Es war eine konkrete Rettungs- und Ausbildungsinfrastruktur, nicht lediglich ein allgemeines Lazarettgebäude. Die Stiftung Alfred Nathans und der Bezug zum ehemaligen Friedhof an der Nordstraße gehören zur eigenständigen Entstehungsgeschichte.
Quellenvertiefung v209 — Entwässerung, Rettungsdienstverträge und archivalische Fotos
Das Stadtarchiv Fürth führt eine eigenständige Akte „Sanitätskolonnenhaus und Bedürfnisanstalt an der Nordstraße – Entwässerungsanlage“ mit der Signatur AGr. 9/3967 und Laufzeit 1911–1928. Daneben ist das Rettungsdienst-Übereinkommen mit der freiwilligen Rotkreuz-Sanitätskolonne als AGr. 5/1051 (1898–1931) erschlossen. Beide Findbucheinträge sind konkrete Wege zu technischen Fragen und zum Verhältnis von Gemeinde und Rettungsdienst; die Akten wurden noch nicht inhaltlich eingesehen. Die jeweilige Laufzeit ist weder die Bauzeit des gesamten Hauses noch die ununterbrochene Beschäftigung einzelner Sanitäter.
Erinnerung an die Sanitäter des Weltkriegs
Das 1912 bezogene Kolonnenhaus war nicht nur ein technischer Rettungsstandort. Im Saal wurde nach dem Ersten Weltkrieg auch der Toten der Sanitätskolonne gedacht. Die Fürther Stadtheimatpflege verzeichnet eine am 11. Juli 1920 enthüllte Gedenktafel für die Gefallenen von 1914 bis 1918 und bemerkt, dass diese heute nicht mehr vorhanden ist. Damit erhält die Innenraumgeschichte eine weitere soziale Schicht: Der Ort, an dem Helfer ausgebildet, Bereitschaften organisiert und Verwundete versorgt wurden, diente später auch als Gedenkort für Kollegen, die nicht zurückkehrten.
Ein gesonderter Eintrag des Stadtarchivs erschließt Entwässerungsunterlagen zum Kolonnenhaus und einer Bedürfnisanstalt an der damaligen Nordstraße (AGr. 9/3967, Laufzeit 1911–1928). Das ist zunächst ein Aktennachweis, keine ausgewertete Bauzeichnung. Gerade Entwässerungs- und Hygienetechnik kann aber helfen, die 1912 beschriebene Desinfektionszone räumlich und baulich zu überprüfen.
Der Stifter wollte unerkannt bleiben – und ein Mosaik wandert durch Fürth
Als Alfred Nathan am 20. Oktober 1910 aus Meran seine Stiftung für die Fürther Sanitätskolonne zusagte, verband er die 70.000 Mark mit einer ungewöhnlichen Bitte: Sein Name solle bei der öffentlichen Bekanntmachung nicht genannt werden. Die im Deutschen Roten Kreuz wiedergegebene Stiftungsurkunde beschreibt nicht nur ein einmaliges Baugeschenk, sondern auch einen Fonds, aus dessen Zinsen das Haus künftig unterhalten werden sollte. Der Entwurf der Sanitätswache wird in einer vom Stadtarchiv erschlossenen Fotoüberlieferung dem Stadtbaurat Josef Zizler im Jahr 1911 zugeschrieben; der DRK-Bericht datiert die Fertigstellung auf März 1912.
Ein Kunstwerk wanderte später mit der Einrichtung: Das neben dem Hauseingang angebrachte Mosaik mit der barmherzigen Schwester und dem erschöpften Wanderer war nach dem DRK-Text von Hermann Schwabe entworfen und vom Atelier Rauecker ausgeführt worden. Als die Sanitätskolonne 1976 in die Henri-Dunant-Straße umzog, erhielt es dort einen neuen Platz. Wer heute nur am früheren Gebäude in der Otto-Seeling-Promenade steht, kann dessen originale Bildausstattung deshalb nicht vollständig vorfinden. Die konkrete Raumgeschichte des Kolonnenhauses wird in der Quelle bis zu Verbandzimmer, Elektromobilhalle und Desinfektionsgang nachvollziehbar, ohne dass wir einzelne Sanitäter bei fehlenden Dienstlisten erfinden.
Weitere historische Quellen und Verbindungen
Die folgenden Hinweise stammen aus den zusammengeführten FürthWiki-Forschungsblöcken v232 bis v242. Ortsbezug bedeutet keine automatische Gleichsetzung benachbarter oder mehrfach beschriebener Gebäude.
1976-1982
Spaetere Nutzungs- und Objektgeschichte
Nach DRK-Schilderung erfolgte 1976 der Umzug in die Henri-Dunant-Strasse 11; das Mosaik zog mit. Das alte Kolonnenhaus wurde 1981/82 zu einem Gemeindehaus umgebaut.
Zu prüfen: Kein Beleg fuer Vorkriegsnutzungen; als spaeterer Objektkontext kennzeichnen.
1911-heute
Historische und heutige Adresse
DRK nennt die heutige Adresse Otto-Seeling-Promenade 7; historische Quellen nennen Nordstrasse. Die vorhandenen Master-Dossiers medbau-047/064 vermerken Birkenstrasse. Das genaue historische Strassen- und Parzellenverhaeltnis ist zu belegen.
Zu prüfen: Nordstrasse, Birkenstrasse und Otto-Seeling-Promenade nicht ohne amtliche Konkordanz gleichsetzen; nicht medbau-047 und -064 fusionieren.
1904 versus 1911/12
Baudatum des Kolonnenhauses widerspruechlich
Die Jubilaeumschronik vom August 1936 schreibt dem Kolonnenhaus einen Bau 1904 zu, obwohl Stadtarchiv einen Zizler-Entwurf 1911 und DRK die Fertigstellung im Maerz 1912 nennt.
Zu prüfen: 1904 nicht als gesichertes Gebaeudebaujahr veroeffentlichen. Moegliche Verwechslung mit Beginn der staendigen Wache ist Vermutung.
1936
Mitgliedschaft im Jubilaeumsjahr
Fuer das 50-jaehrige Bestehen werden im Februar 1936 160 aktive und 23 passive Mitglieder genannt.
Zu prüfen: Mitgliederzahlen sind Momentaufnahme des Berichts, nicht automatisch Bestand am 17. August.
Offene Fragen und Quellenkritik
Hausnummer, Bauakt, Vereinseigentum, Gerätegeschichte.
Das Dossier dokumentiert den jeweiligen Forschungsstand und kann bei neuen Originalfunden ergänzt oder korrigiert werden.
Quellen und Nachweise
- https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/
- https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/CWHBHBQUTG56CUIFRTDQHOCQDZHTBPB3
- https://geschichtsverein-fuerth.de/index.php/menuetitel2/fgb-download/category/13-fgb-jahrgang-2004?download=43%3Afgb-heft-4-2004
- https://www.stadtheimatpflege-fuerth.de/wp-content/uploads/2017/04/Fiorda-14-18.pdf
- https://www.drk.de/das-drk/schauplaetze-der-rotkreuzgeschichte/fuerth/
- https://geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_563000.pdf
- https://www.stadtheimatpflege-fuerth.de/kriegerdenkmaeler-fuerth/
- https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/BCEC2G4DDKIWK6DAWVZJQMA5XDZ2IIRA
- https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/JXNCCC4KT2XE23NWFEA45XNWTOL3SICY
Die Nachweise sind Forschungsquellen. Ihre Aufnahme bedeutet keine pauschale Zustimmung zu allen Einzelangaben.