Bella Rosenkranz
Fürtherin, Überlebende von Verfolgung und sowjetischer Haft, Zeitzeugin und Namensgeberin einer Straße
16. Oktober 1921 – 11. April 2017
Bella Rosenkranz: Ein Fürther Lebensweg, der von Verfolgung und Rückkehr erzählt
Die Namensgeberin Bella Rosenkranz wurde am 16. Oktober 1921 in Fürth geboren. Sie verlor früh ihre Mutter; nach Aufenthalten beim Vater und den Großeltern wuchs sie ab 1929 im jüdischen Waisenhaus in Fürth auf. Diese Kindheit gehörte zu ihrer Stadtgeschichte, lange bevor sie die Erfahrung nationalsozialistischer Verfolgung machen musste. Die biografischen Stationen sind aus rückblickenden Lebensdarstellungen und Zeitzeugenmaterial bekannt; sie sind nicht mit einem in diesem Artikel neu eingesehenen Personenstandsregister gleichzusetzen. [1][2]
Die Zäsur kam 1938. Wegen der polnischen Staatsangehörigkeit ihres Vaters wurde sie von der Gestapo als jüdische Polin aus Fürth nach Polen deportiert. In den folgenden Jahren führte sie ihr Weg weiter in die Sowjetunion. Spätere Lebensberichte sprechen von Inhaftierung, schwerer Zwangsarbeit und dem mühsamen Überleben unter entwürdigenden Bedingungen. Die einzelnen Stationen verdienen eine Rekonstruktion aus ihren ausführlichen Erinnerungen; sie sollten nicht nachträglich zu einer scheinbar lückenlosen Reisechronologie verdichtet werden. Das Archiv der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur verzeichnet ein mehrstündiges Interview von 2006 und dazugehörige schriftliche Unterlagen. Dieses Findbuch weist die Überlieferung nach, ersetzt aber nicht ihre vollständige Auswertung. [1][2]
Erst 1961 gelang Bella Rosenkranz die Rückkehr nach Fürth, an der nach der biografischen Überlieferung auch die Suche des Roten Kreuzes Anteil hatte. Eine Rückkehr bedeutete nicht, dass die verlorenen Jahre ungeschehen geworden wären. Sie engagierte sich später im jüdischen Gemeindeleben, unterstützte zugewanderte Menschen beim Ankommen und sprach über das Erlebte. Ein Zeitzeugenfilm aus dem Jahr 1997, das Buch Bella – Odyssee einer Fürtherin in der Sowjetunion (2005) und weitere Gespräche bewahren Erinnerungen, die in keiner knappen Adresszeile aufgehen. Im Jahr 2011 erhielt sie den Ehrenbrief der Stadt Fürth; sie starb am 11. April 2017 in Fürth. [1][3]
Erinnerung und Nachleben
Die Stadt Fürth ehrte Bella Rosenkranz nach ihrem Tod mit der Benennung einer Straße. Der Ratsbeschluss vom 23. November 2017 und die Enthüllung des Straßenschildes am 20. Februar 2018 sind Teil ihrer öffentlichen Erinnerung, nicht Stationen ihres eigenen Lebens. Die Hintergründe der Umbenennung und die städtischen Quellen werden im eigenen Straßenartikel erklärt. [4][5]
Verbindungen in Fürth
Die Bella-Rosenkranz-Straße erinnert seit der Umbenennung der früheren Schwammbergerstraße an ihren Lebensweg. Der Straßenartikel erklärt die Ratsentscheidung, die öffentliche Enthüllung und die datierten amtlichen Nachweise.
Quellen und Nachweise
Vertiefende Quellen zum Straßennamen und zur Namensgeberin
- Südstädterin: Bella Rosenkranz – retrospektive, quellengestützte Biografie mit Hinweisen auf Interviews und autobiografische Literatur; Geburt, Waisenhaus, Verfolgung, Rückkehr und Engagement.
- Bundesstiftung Aufarbeitung: Findbuch zu Zeitzeugeninterviews, Karton 82, Bella Rosenkranz, Interview 2006 in Fürth und schriftliche Unterlagen. Der Interviewinhalt wurde hier nicht eigenständig angehört oder transkribiert.
- Medienpraxis: Fürth benennt eine Straße nach Bella Rosenkranz (2017), mit Verweis auf das Zeitzeugenfilmprojekt von 1997; ergänzend Bella Rosenkranz/Michael Kerstan, Bella – Odyssee einer Fürtherin in der Sowjetunion, Berlin 2005.
- Stadt Fürth, Stadtratssitzung 23. November 2017, Tagesordnungspunkte zur Distanzierung von Schwammberger und Straßenumbenennung, jeweils mit Abstimmungszahlen.
- Nürnberger Nachrichten/nordbayern, 20. Februar 2018, Bericht zur Enthüllung des neuen Straßenschildes; ergänzend Bericht vom 24. November 2017 zur Vorgeschichte der Entscheidung.
- Stadt Fürth, Beschlussvorlage TfA/237/2018, Änderung der Straßenreinigungssatzung zum 1. April 2018, Austausch Schwammbergerstraße gegen Bella-Rosenkranz-Straße.