Stadtgeschichte Fürth · Straßenporträt
Bella-Rosenkranz-Straße
Warum heißt die Straße so?
Warum heißt die Straße Bella-Rosenkranz-Straße? Mit diesem Namen erinnert die Stadt an die jüdische Fürtherin und Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgung Bella Rosenkranz. Die frühere Schwammbergerstraße wurde nach der kritischen Aufarbeitung von Adolf Schwammbergers NS-Vergangenheit am 23. November 2017 einstimmig mit 45 Ja-Stimmen umbenannt. Die Änderung des städtischen Straßenreinigungsverzeichnisses trat am 1. April 2018 in Kraft. Es handelt sich um zwei verschiedene rechtliche Stationen, nicht um zwei Benennungsbeschlüsse.
Historischer Zusammenhang: Schwammbergerstraße
Systematische A–Z-Prüfung: Einzelfall mit zusätzlichen Rats- oder Fachquellen geprüft · Stadtrat 23.11.2017 (45:0), Folgeanpassung des städtischen Verzeichnisses 01.04.2018
Quellenstatus (v404): Stadtrat 23.11.2017 (45:0), Folgeanpassung des städtischen Verzeichnisses 01.04.2018
Jahr der Umbenennung: 2018
Geschichte und Entwicklung
Die Straße hieß zuvor Schwammbergerstraße, nach dem früheren Fürther Stadtarchivar Adolf Schwammberger. Nach der Neubewertung seiner Tätigkeit während der NS-Herrschaft beschloss der Stadtrat die Umbenennung. Das Abstimmungsergebnis vom 23. November 2017 lautete 45 Ja-Stimmen und 0 Gegenstimmen.
Zwischen Beschluss und Umsetzung liegen mehrere Ereignisse: Die neue Straßenbeschilderung wurde am 20. Februar 2018 öffentlich enthüllt; am 1. April 2018 wurde auch das Verzeichnis der städtischen Straßenreinigung entsprechend angepasst. Diese Daten beschreiben unterschiedliche Verwaltungsschritte.
Die Namensgeberin
Bella Rosenkranz (1921–2017) war eine jüdische Fürtherin, die Deportation, Haft und Zwangsarbeit überlebte, 1961 zurückkehrte und ihre Erinnerungen öffentlich weitergab. Ausführliche Biografie von Bella Rosenkranz. [1][3]
Vom umstrittenen Straßennamen zum Gedenken an eine Überlebende
Die Straße zwischen dem Umfeld der Mohrenstraße und der Königstraße erinnerte zuvor an den früheren Stadtarchivar Adolf Schwammberger. Sein Nachkriegswirken als Lokalhistoriker hatte in Fürth lange Anerkennung gefunden. Neu ausgewertete Erkenntnisse über seine Tätigkeit im nationalsozialistisch besetzten Thorn (Toruń) sowie antisemitische Äußerungen führten jedoch zu einer Neubewertung dieser Ehrung. Die Stadt wollte seinen Namen nicht weiter als ungebrochene Auszeichnung im Straßenbild tragen. Damit trat zugleich die Frage auf, welcher Fürther Lebensweg stattdessen öffentlich erinnert werden sollte. [4][5]
Am 23. November 2017 beschloss der Fürther Stadtrat die Umbenennung der Schwammbergerstraße in Bella-Rosenkranz-Straße. In der amtlichen Sitzungsübersicht ist für diesen Beschluss ein Abstimmungsergebnis von 45 Ja-Stimmen und keiner Gegenstimme dokumentiert. Auch die förmliche Distanzierung von der Verleihung der Goldenen Bürgermedaille an Schwammberger wurde in derselben Sitzung einstimmig beschlossen. Diese beiden kommunalpolitischen Entscheidungen sind verbunden, aber nicht derselbe Beschluss. [4]
Zwischen Ratsentscheidung und administrativen Listen liegen unterschiedliche Datumsstufen. Die öffentliche Enthüllung des neuen Straßenschildes fand am 20. Februar 2018 statt; eine amtliche Änderung der Straßenreinigungssatzung zum 1. April 2018 nahm danach die Bella-Rosenkranz-Straße anstelle der Schwammbergerstraße in das Verzeichnis auf. Die Satzungsänderung ist ein amtlicher Nachweis für die Anpassung des Reinigungsgebiets und darf nicht fälschlich als erster Tag der Straßenschildenthüllung gelten. [5][6]
Wie ein Straßenname Geschichte sichtbar hält
Mit dieser Entscheidung rückte die Lebensgeschichte einer jüdischen Fürtherin in die alltägliche Stadtlandschaft. Bella Rosenkranz wird damit nicht nur als Verfolgte erinnert, sondern auch als Mensch, der nach der Rückkehr aktiv am Gemeindeleben teilnahm und seine Erfahrungen späteren Generationen vermittelte. Die öffentlichen Ratsakten dokumentieren, wann die Stadt ihren Namen wählte. Ihre eigenen Erinnerungen und die überlieferten Gespräche helfen zu verstehen, wen die Stadt damit ehrte. Beide Quellenarten sind notwendig, aber sie beantworten unterschiedliche historische Fragen. [1][3][4]
Quellen und weiterführende Nachweise
Stadtrat 23.11.2017, TOP 10.1 (45:0) · Straßenreinigungsverzeichnis, gültig ab 01.04.2018 · Quelle zum Forschungsstand (Beweiswert siehe Status) · Weitere historische Darstellung · Weitere Quelle zur Straßengeschichte · Städtisches Straßenverzeichnis 2019
Vertiefende Quellen zum Straßennamen und zur Namensgeberin
- Südstädterin: Bella Rosenkranz – retrospektive, quellengestützte Biografie mit Hinweisen auf Interviews und autobiografische Literatur; Geburt, Waisenhaus, Verfolgung, Rückkehr und Engagement.
- Bundesstiftung Aufarbeitung: Findbuch zu Zeitzeugeninterviews, Karton 82, Bella Rosenkranz, Interview 2006 in Fürth und schriftliche Unterlagen. Der Interviewinhalt wurde hier nicht eigenständig angehört oder transkribiert.
- Medienpraxis: Fürth benennt eine Straße nach Bella Rosenkranz (2017), mit Verweis auf das Zeitzeugenfilmprojekt von 1997; ergänzend Bella Rosenkranz/Michael Kerstan, Bella – Odyssee einer Fürtherin in der Sowjetunion, Berlin 2005.
- Stadt Fürth, Stadtratssitzung 23. November 2017, Tagesordnungspunkte zur Distanzierung von Schwammberger und Straßenumbenennung, jeweils mit Abstimmungszahlen.
- Nürnberger Nachrichten/nordbayern, 20. Februar 2018, Bericht zur Enthüllung des neuen Straßenschildes; ergänzend Bericht vom 24. November 2017 zur Vorgeschichte der Entscheidung.
- Stadt Fürth, Beschlussvorlage TfA/237/2018, Änderung der Straßenreinigungssatzung zum 1. April 2018, Austausch Schwammbergerstraße gegen Bella-Rosenkranz-Straße.
Weitere historische Belege und Forschungsdetails anzeigen
Einordnung der Namenserklärung: Stadtratsbeschluss 2017, kommunale Straßenreinigungsänderung 2018