Fürther Stadtgeschichte · Politik und Verwaltung

Franz Xaver Jakob

Stadtrat; Oberbürgermeister; Politiker/Bahnbeamter

Lebensgeschichte

Franz Xaver Jakob wurde 1891 geboren und arbeitete vor seiner nationalsozialistischen Karriere als Bahnbeamter. In der NSDAP und SA engagierte er sich bereits ab 1925. Es folgten Parteifunktionen als Ortsgruppenleiter in Fürth, Bezirksleiter und Kreisleiter. Seit 1929 saß er für die NSDAP im Fürther Stadtrat. Sein Aufstieg war damit sowohl kommunal als auch parteipolitisch vorbereitet, als 1933 die demokratische Stadtverwaltung unter Druck geriet.

Am 16. März 1933 nutzten Nationalsozialisten die Einschüchterung von Oberbürgermeister Robert Wild, um Jakob kommissarisch an die Stadtspitze zu bringen. Über die nächste förmliche Wahl bestehen widersprüchliche Datierungen: Die Historikerin Barbara Ohm nennt in ihrem Fachaufsatz den 27. März für eine ehrenamtliche Wahl, während Archivbeschreibungen Vorgänge vom 27. April verzeichnen. An diesem Apriltermin ist zudem die Wahl eines zweiten berufsmäßigen Bürgermeisters überliefert. Ein weiterer eigenständiger Vorgang betrifft Jakobs Berufung zum ersten berufsmäßigen Bürgermeister am 19. Oktober 1933. Diese Etappen sind nicht als demokratische Legitimation darzustellen.

Jakobs Stadtleitung beteiligte sich an nationalsozialistischer Verfolgungs- und Ausgrenzungspolitik. Die Ausschaltung sozialdemokratischer Mandate und die Ausplünderung jüdischer Eigentümer gehörten zum politischen Umfeld seiner Amtsführung; individuelle Maßnahmen und Verantwortlichkeiten sind quellenbezogen zu konkretisieren. Ende 1939 verlagerte Jakob seine Tätigkeit nach Thorn im besetzten Polen, während Fürth unter Vertretung durch Karl Häupler weitergeführt wurde. Die formale Beendigung von Jakobs Fürther Amtsstellung fällt in den September 1940. Er starb 1965. Eine kritische Biografie muss die Mitwirkung an der Diktatur und die Nachkriegsverfahren ebenso behandeln wie die genaue Abfolge der kommunalen Amtsakte.

Zur Person

Historische Namensformen
Franz Jakob
Geburt
1891-11-17
Politischer Zusammenhang
NSDAP

Historische Hausnummern und politische Organisationsbezeichnungen gelten nur für den genannten Zeitrahmen. Eine Namensgleichheit wird nicht als Personenidentität behandelt.

Funktionen und Amtsstationen

  1. 1930–1933
    Stadtrat

    gewählt bei der Gemeindewahl 08.12.1929; Mandat ab 1930

  2. 1933-10-19–1940-09-21
    1. berufsmäßiger Oberbürgermeister

    Stadt Fürth

    Wahl des 1. berufsmäßigen Bürgermeisters am 19.10.1933 (Fach 130/61)

  3. 1933-03-17–1933-10-18
    kommissarischer / ehrenamtlicher Oberbürgermeister – Übergangsphase

    Stadt Fürth

    Kommissarische Leitung ab17.03.; Wahl zum1.ehrenamtlichen Bürgermeister27.04.1933 (AGr0/413); gesondertes Wahlereignis KOM-A-KM122-001

  4. 1933-04-27
    Wahl zum1.ehrenamtlichen Bürgermeister; Amtsbezeichnung Oberbürgermeister

    Stadt Fürth

    Wahlereignis AGr0/413

Wahl, Ernennung, Einführung, kommissarische Vertretung und tatsächlicher Amtsbeginn sind nicht automatisch identisch. Datierte Nennungen ergeben noch keine ununterbrochene Amtszeit.

Politischer und institutioneller Zusammenhang

Stadtoberhäupter, Magistrat und Distrikte im historischen Überblick →

Wahl-, Verwaltungs- und Ratsakten im Quellenverzeichnis →

Quellen und weitere Nachprüfung

Noch zu prüfen: Originalniederschriften AGr0/413 und Fach130/61; konkrete Amtsantritte; SPD-Mandatsentzug im Ratsprotokoll. | KM129: siehe Ergänzung zur Amts-/Statusfolge. 27.03/27.04.1933 nicht harmonisieren; originale Stadtratsakte und Verfolgungsakten fehlen. Aussagen zu persönlicher Verantwortung bei Einzelenteignungen benötigen konkrete Einzelfallquellen.

← Zum historischen Personenregister