Fürther Stadtgeschichte · Kommunalverwaltung
Die Menschen, die Fürth verwalteten
Von den ersten Bürgermeistern über die zwölf historischen Distrikte bis zur Stadtverwaltung im Jahr 1945: Entdecke Ämter, Personen und ihre Verbindungen zur Stadtgeschichte anhand datierter Quellen.
01 / Zeitstrahl
Bürgermeister und Oberbürgermeister
Von 1818 bis 1945 änderten sich Aufgaben, Titel und politische Rahmenbedingungen der Stadtspitze mehrfach. Gewählte Bürgermeister, Oberbürgermeister und kommissarische Stadtleitungen werden deshalb ausdrücklich unterschieden. Die folgenden Zeitangaben entsprechen den überlieferten Beleggrenzen.
- 1818–1857
Franz Joseph von Bäumen
1. Bürgermeister; Amtsjahresgrenzen nach der lokalhistorischen Übersicht, genaue Tagesdaten offen.
- 1857–1873
Adolph (Adolf) John
1. rechtskundiger Bürgermeister; Wahl 16. Juni 1857, Einführung im Sommer.
- 1873–15.10.1901
Johann Friedrich Karl Ritter von Langhans
1. rechtskundiger Bürgermeister; Ausscheiden zum 15. Oktober 1901 belegt.
- 10.12.1901–1913
Theodor Kutzer
1. Bürgermeister; seit 21. Dezember 1908 Oberbürgermeister.
- 13.03.1914–16.03.1933
Dr. Robert Wild
1. rechtskundiger Bürgermeister, ab 1919 Oberbürgermeister; Rücktritt unter NS-Druck.
- 17.03.1933–21.09.1940
Franz Xaver Jakob
Übernahme nach Wilds erzwungenem Rücktritt; die Bezeichnung und Rechtsform wechselten.
- 22.09.1940–06.1944
Stelle unbesetzt; Dr. Karl Häupler vertrat die Stadtleitung
Vertretung ist von einer kommissarischen Bestellung zum Oberbürgermeister zu unterscheiden.
- 07.1944–19.04.1945
Dr. Karl Häupler
Kommissarischer Oberbürgermeister bis zum Einmarsch der US-Truppen.
- 20.04.–06.08.1945
Adolf Schwiening
Durch die US-Militärregierung als kommissarischer Oberbürgermeister eingesetzt; Rücktritt am 6. August.
- ab 06.08.1945
Johann Schmidt
Kommissarische Amtsübernahme nach Schwienings Rücktritt; die Amtszeit reichte über 1945 hinaus.
02 / Historische Stadtgliederung
Zwölf Distrikte, zwei Jahrgänge
Das Adresshandbuch von 1819 und das Fürther Adressbuch von 1859 nennen Distriktsvorsteher, Berufe und damalige Hausnummern. Die Gegenüberstellung ist keine durchgehende Amtsliste und keine Karte gesicherter Distriktgrenzen.
Distrikt I
Drechslermeister
Hausnummer damals: 18Chatoullenfabrikant
Hausnummer damals: 18Distrikt II
Kaufmann
Hausnummer damals: 77Metallschlägermeister
Hausnummer damals: 114–116Distrikt III
Fabrikant und Ausschnittwarenhändler
Hausnummer damals: 137Gürtlermeister und Kinderuhrenfabrikant
Hausnummer damals: 123Distrikt IV
Spiegelfabrikant und Manufakturhändler
Hausnummer damals: 165Drechslermeister
Hausnummer damals: 214Distrikt V
Kaufmann
Hausnummer damals: 207Gürtlermeister und Kinderuhrenfabrikant
Hausnummer damals: 273Distrikt VI
Zuckerbäcker
Hausnummer damals: 246Spiegelfabrikant
Hausnummer damals: 312rDistrikt VII
Goldpapierfabrikant
Hausnummer damals: 295Kammfabrikant
Hausnummer damals: 398Distrikt VIII
Krämer
Hausnummer damals: 393Kupferschmiedmeister
Hausnummer damals: 55Distrikt IX
Tabakfabrikant
Hausnummer damals: 426Flaschnermeister
Hausnummer damals: 117dDistrikt X
Konditor
Hausnummer damals: 437Spiegelfabrikant
Hausnummer damals: 163Distrikt XI
Juwelier
Hausnummer damals: 488Flaschnermeister
Hausnummer damals: 207Distrikt XII
Schreinermeister
Hausnummer damals: 517Nachtlichterfabrikant
Hausnummer damals: 240Wichtig für die Häuserforschung: Die historischen Nummern beziehen sich auf den jeweiligen Quellenjahrgang. Ohne nachgewiesene Konkordanz darf daraus keine heutige Anschrift oder unveränderte Gebäudeidentität abgeleitet werden.
03 / Institutionen und Quellen
Ämter, Gremien und politische Veränderungen
Im 19. Jahrhundert prägten Magistrat und Gemeindekollegium neben der Stadtspitze das kommunale Leben. Nach 1918 änderten sich Wahlrecht und Stadtratsstruktur. 1933 endete die demokratische Selbstverwaltung; in der NS-Zeit wurden Ratsherren berufen statt gewählt. Die erhaltenen Wahl- und Ratsakten sind noch nicht durchgehend vollständig ausgewertet.
- Ämter und FunktionenDatierte Amts- und Funktionsbelege durchsuchen →
- Rats- und WahlaktenHistorische Nachweise im Quellenregister →
- Gemeindewahl 1919Stadtarchiv Fürth: Niederschriften ↗
- Wahlstatistik 1919Stadtarchiv Fürth: statistische Überlieferung ↗
- Geschichte des StadtratsStadt Fürth: historischer Überblick ↗
- Kommunale VerfassungHistorisches Lexikon Bayerns: Hintergrund ↗
04 / Querverbindungen
Stadtgeschichte übergreifend entdecken
Kommunalgeschichte begegnet uns auch in Firmen, Wirtshäusern, Schulen, Vereinen, Zeitungen und im Alltag. Diese Themen führen zu eigenen Forschungsbeständen – ein räumlicher oder zeitlicher Zusammenhang belegt noch keine persönliche Funktion oder Gebäudeeigentümerschaft.
- Politik und VerwaltungPersonen, Mandate und die Entwicklung der Gremien →
- Schulen und BildungEinrichtungen, Schulhäuser und Lehrkräfte →
- Hardenberg-GymnasiumDie ehemalige Oberrealschule Kaiserstraße 92 →
- GaststättenHistorische Wirte, Betriebe und Orte →
- Historische PresseZeitungen, Redaktionen und Quellenforschung →
- Ereignisse und KriegszeitPolitische Einschnitte und zeitgenössische Berichte →
- Fürth im Ersten WeltkriegEine quellengebundene Lazarettchronik von 1915 →
- Schicksale ehemaliger SchülerIsraelitische Realschule und Erster Weltkrieg →
- AlltagsgeschichteStadtleben, Wohnen und gesellschaftliche Veränderungen →
- Gesundheit und MedizinÄrzte, Krankenhäuser, Pflege und Stadtgesundheit →
- Häuser und AdressenBelegte Baugeschichte und historische Adressbeziehungen →
- Fürther VereineMitglieder, Organisationen und gesellschaftliche Netzwerke →
Wirt, Pächter, Konzessionsinhaber und Hauseigentümer sind historisch unterschiedliche Rollen. Auch Presseberichte und persönliche Erinnerungen werden nach Anlass, Perspektive und zeitlichem Abstand eingeordnet.
Bildquelle zur Vorgeschichte der Stadtverwaltung
Der Vetter-Plan von 1717 dokumentiert die Fürther Dreiherrschaft weit vor der städtischen Verwaltungsordnung von 1818. Kartierte Anwesen sind nicht ohne weiteres heutigen Hausnummern zuzuordnen.
Fürther Herrschaftsverhältnisse 1717
Aufnahmejahr, Bildquelle und Lizenz stehen direkt bei jedem Motiv. Das Aufnahmejahr ist nicht automatisch das Baujahr.
Quellen und Forschungsgrenzen
Die Stadtoberhäupterübersicht beruht auf der fortlaufenden kommunalhistorischen Quellenauswertung und lokalen Chroniken. Für 1819 wurde Johann Gottfried Egers Taschen- und Adreß-Handbuch (Scans 50–51), für 1859 das Fürther Adressbuch (Scans 60–61) herangezogen. Beginn und Ende einzelner Amtszeiten sind teilweise nur auf Jahr oder Monat genau überliefert. Besonders für die NS-Zeit und 1945 müssen Amtsniederlegung, Entlassung, Vertretung und kommissarische Bestellung getrennt belegt werden. Historische Hausnummern sind keine heutigen Gebäudezuordnungen.
