Stadt Fürth

Fürther Stadtgeschichte · Kommunalverwaltung

Die Menschen, die Fürth verwalteten

Von den ersten Bürgermeistern über die zwölf historischen Distrikte bis zur Stadtverwaltung im Jahr 1945: Entdecke Ämter, Personen und ihre Verbindungen zur Stadtgeschichte anhand datierter Quellen.

1818–1945Zeitraum der Stadtoberhäupter
12historische Distrikte im Vergleich
1819 / 1859zwei dokumentierte Momentaufnahmen

01 / Zeitstrahl

Bürgermeister und Oberbürgermeister

Politische Personen und Funktionsdossiers →

Von 1818 bis 1945 änderten sich Aufgaben, Titel und politische Rahmenbedingungen der Stadtspitze mehrfach. Gewählte Bürgermeister, Oberbürgermeister und kommissarische Stadtleitungen werden deshalb ausdrücklich unterschieden. Die folgenden Zeitangaben entsprechen den überlieferten Beleggrenzen.

  1. 1818–1857

    Franz Joseph von Bäumen

    1. Bürgermeister; Amtsjahresgrenzen nach der lokalhistorischen Übersicht, genaue Tagesdaten offen.

  2. 1857–1873

    Adolph (Adolf) John

    1. rechtskundiger Bürgermeister; Wahl 16. Juni 1857, Einführung im Sommer.

  3. 1873–15.10.1901

    Johann Friedrich Karl Ritter von Langhans

    1. rechtskundiger Bürgermeister; Ausscheiden zum 15. Oktober 1901 belegt.

  4. 10.12.1901–1913

    Theodor Kutzer

    1. Bürgermeister; seit 21. Dezember 1908 Oberbürgermeister.

  5. 13.03.1914–16.03.1933

    Dr. Robert Wild

    1. rechtskundiger Bürgermeister, ab 1919 Oberbürgermeister; Rücktritt unter NS-Druck.

  6. 17.03.1933–21.09.1940

    Franz Xaver Jakob

    Übernahme nach Wilds erzwungenem Rücktritt; die Bezeichnung und Rechtsform wechselten.

  7. 22.09.1940–06.1944

    Stelle unbesetzt; Dr. Karl Häupler vertrat die Stadtleitung

    Vertretung ist von einer kommissarischen Bestellung zum Oberbürgermeister zu unterscheiden.

  8. 07.1944–19.04.1945

    Dr. Karl Häupler

    Kommissarischer Oberbürgermeister bis zum Einmarsch der US-Truppen.

  9. 20.04.–06.08.1945

    Adolf Schwiening

    Durch die US-Militärregierung als kommissarischer Oberbürgermeister eingesetzt; Rücktritt am 6. August.

  10. ab 06.08.1945

    Johann Schmidt

    Kommissarische Amtsübernahme nach Schwienings Rücktritt; die Amtszeit reichte über 1945 hinaus.

02 / Historische Stadtgliederung

Zwölf Distrikte, zwei Jahrgänge

Zur Häuser- und Adressgeschichte →

Das Adresshandbuch von 1819 und das Fürther Adressbuch von 1859 nennen Distriktsvorsteher, Berufe und damalige Hausnummern. Die Gegenüberstellung ist keine durchgehende Amtsliste und keine Karte gesicherter Distriktgrenzen.

Historischer Vergleich der zwölf Fürther Distrikte mit Vorstehern, Berufen und Hausnummern für 1819 und 1859
Vergleich nach Egers Adresshandbuch 1819 (Scans 50–51) und dem Fürther Adressbuch 1859 (Scans 60–61). Grafik vergrößern ↗

Distrikt I

1819Johann Vogel

Drechslermeister

Hausnummer damals: 18
1859J. P. Voit

Chatoullenfabrikant

Hausnummer damals: 18

Distrikt II

1819Hieronimus Beierlein

Kaufmann

Hausnummer damals: 77
1859Jos. Benz

Metallschlägermeister

Hausnummer damals: 114–116

Distrikt III

1819Johann Paul Zertahelli

Fabrikant und Ausschnittwarenhändler

Hausnummer damals: 137
1859Jac. Günthermann

Gürtlermeister und Kinderuhrenfabrikant

Hausnummer damals: 123

Distrikt IV

1819Daniel Winter

Spiegelfabrikant und Manufakturhändler

Hausnummer damals: 165
1859Ernst Schultheiss

Drechslermeister

Hausnummer damals: 214

Distrikt V

1819Heinrich Daniel Winter

Kaufmann

Hausnummer damals: 207
1859Heinr. Scheidig

Gürtlermeister und Kinderuhrenfabrikant

Hausnummer damals: 273

Distrikt VI

1819Conrad Loebelein

Zuckerbäcker

Hausnummer damals: 246
1859Joh. Schaller

Spiegelfabrikant

Hausnummer damals: 312r

Distrikt VII

1819Johann Lechner

Goldpapierfabrikant

Hausnummer damals: 295
1859Joh. Gabriel Reinhardt

Kammfabrikant

Hausnummer damals: 398

Distrikt VIII

1819Salomon Ludwig Fick

Krämer

Hausnummer damals: 393
1859Chr. Beyschlag

Kupferschmiedmeister

Hausnummer damals: 55

Distrikt IX

1819Johann Hieronimus Huber

Tabakfabrikant

Hausnummer damals: 426
1859Paul Würsching

Flaschnermeister

Hausnummer damals: 117d

Distrikt X

1819Johann Michael Steinhäuser

Konditor

Hausnummer damals: 437
1859Chr. Engelhardt

Spiegelfabrikant

Hausnummer damals: 163

Distrikt XI

1819Ernst Paul Eckart

Juwelier

Hausnummer damals: 488
1859Heinr. Dammüller

Flaschnermeister

Hausnummer damals: 207

Distrikt XII

1819Johann Lindner

Schreinermeister

Hausnummer damals: 517
1859Joh. Paul Rupprecht

Nachtlichterfabrikant

Hausnummer damals: 240

Wichtig für die Häuserforschung: Die historischen Nummern beziehen sich auf den jeweiligen Quellenjahrgang. Ohne nachgewiesene Konkordanz darf daraus keine heutige Anschrift oder unveränderte Gebäudeidentität abgeleitet werden.

03 / Institutionen und Quellen

Ämter, Gremien und politische Veränderungen

Im 19. Jahrhundert prägten Magistrat und Gemeindekollegium neben der Stadtspitze das kommunale Leben. Nach 1918 änderten sich Wahlrecht und Stadtratsstruktur. 1933 endete die demokratische Selbstverwaltung; in der NS-Zeit wurden Ratsherren berufen statt gewählt. Die erhaltenen Wahl- und Ratsakten sind noch nicht durchgehend vollständig ausgewertet.

04 / Querverbindungen

Stadtgeschichte übergreifend entdecken

Kommunalgeschichte begegnet uns auch in Firmen, Wirtshäusern, Schulen, Vereinen, Zeitungen und im Alltag. Diese Themen führen zu eigenen Forschungsbeständen – ein räumlicher oder zeitlicher Zusammenhang belegt noch keine persönliche Funktion oder Gebäudeeigentümerschaft.

Wirt, Pächter, Konzessionsinhaber und Hauseigentümer sind historisch unterschiedliche Rollen. Auch Presseberichte und persönliche Erinnerungen werden nach Anlass, Perspektive und zeitlichem Abstand eingeordnet.

Bildquelle zur Vorgeschichte der Stadtverwaltung

Der Vetter-Plan von 1717 dokumentiert die Fürther Dreiherrschaft weit vor der städtischen Verwaltungsordnung von 1818. Kartierte Anwesen sind nicht ohne weiteres heutigen Hausnummern zuzuordnen.

Quellen und Forschungsgrenzen

Die Stadtoberhäupterübersicht beruht auf der fortlaufenden kommunalhistorischen Quellenauswertung und lokalen Chroniken. Für 1819 wurde Johann Gottfried Egers Taschen- und Adreß-Handbuch (Scans 50–51), für 1859 das Fürther Adressbuch (Scans 60–61) herangezogen. Beginn und Ende einzelner Amtszeiten sind teilweise nur auf Jahr oder Monat genau überliefert. Besonders für die NS-Zeit und 1945 müssen Amtsniederlegung, Entlassung, Vertretung und kommissarische Bestellung getrennt belegt werden. Historische Hausnummern sind keine heutigen Gebäudezuordnungen.