Schul- und Sozialgeschichte · Quellenregister · 12. Oktober 2026
Ehemalige Schüler der Israelitischen Realschule im Ersten Weltkrieg
Eine zeitgenössische Nachricht aus Fürth, erschienen im Frankfurter Israelitischen Familienblatt vom 30. August 1918, zählt sechs gefallene und drei vermisste ehemalige Schüler auf. Das frühere Schulhaus stand in der Blumenstraße 31. Die Quelle ermöglicht einen Abgleich mit den erhaltenen jüdischen Gedenktafeln, historischen Schülerlisten und Standesamtsauswertungen.
Quellenabgleich mit dem Kriegs-Master v103 (24. Oktober 2026)
Die namentliche Gedenktafel-Konkordanz aus Krieg v103 enthält sechs mögliche Entsprechungen zu ehemaligen Realschülern: Leo Fleischmann, Emil Höchster, Siegfried Rau, Ernst Blüth, Simon Beer und Max Kleinmeyer/Kleinmayer. Übereinstimmende Namensnennungen sind keine gesicherten Identitäten; abweichende Lebensdaten und Schreibweisen bleiben ausdrücklich offen.
39 Kriegsopfer-Namensprüfungen mit Quellen und offenen Konflikten →
Sechs als gefallen genannte frühere Schüler
Die Wiedergabe des Zeitungsartikels bei Alemannia Judaica ergänzt die biografischen Lebensdaten hinter den Namen redaktionell. Deshalb werden die Namens- und Statusangaben des Zeitungsberichts einerseits und die später zugefügten Jahres- und Tagesdaten andererseits ausdrücklich getrennt.
Leo Fleischmann
Lebensdaten in der Überlieferung: 1890–1916. Die 1918er Presse nennt den Namen; Tagesdaten stammen aus redaktioneller Ergänzung. Namensbeleg auch im jüdischen Kriegerdenkmal.
Emil Höchster
Lebensdaten in der Überlieferung: 1894–1917. Als Leutnant genannt; Grabinschrift belegt den 12. Oktober 1917 als Sterbedatum. Die Ortsangabe Mainstockheim stammt aus dem ergänzten Lebensdatenteil.
Siegfried Rau
Lebensdaten in der Überlieferung: 1897–1917. Als Unteroffizier genannt; Grabinschrift und redaktionelle Daten stimmen beim 13. November 1917 überein. Geburtsdatum 6. März 1897.
Ernst Blüth
Lebensdaten in der Überlieferung: 1891–1916 laut ergänzten Daten. Als Gefreiter genannt; Fürther Geschichtsblätter 4/2004 führen einen Ernst Blüth 1897–1918. Die unvereinbaren Lebensdaten bleiben ungeklärt; keine automatische Zusammenführung.
Simon Beer
Lebensdaten in der Überlieferung: 1897–1918. Als Gefallener genannt. Ein Datum 31. März 1918 erscheint nur als später beigefügter biografischer Zusatz.
Max Kleinmayer
Lebensdaten in der Überlieferung: 1898–1917. Die Namensform von 1918 lautet Kleinmayer, das Denkmal nennt Kleinmeyer. Eine wahrscheinlich korrespondierende Nennung, aber die Schreibweisen bleiben sichtbar.
Drei vermisst gemeldete frühere Schüler
Sigmund Offenbacher
Seit 24. Oktober 1915 vermisst; auf einem Familiengrab heißt es: vermisst seit Oktober 1915. Das Schülerverzeichnis von 1898 enthält „Offenbacher, Siegm.“ mit 21. Dezember 1887 und Nürnberg im Rohtext. Das Grab nennt dasselbe Geburtsdatum.
Fritz Singer
1918 als vermisst gemeldet, ohne gesicherten Todeszeitpunkt. Eine Gedenktafel nennt Fritz Singer; deren Aufnahme ersetzt keinen individuellen Sterbenachweis.
Alfred Rau
Seit 2. Dezember 1916 vermisst. Die Gedenktafel enthält eine Namensnennung; „vermisst“ darf nicht zu „an diesem Tag gefallen“ umformuliert werden.
„Vermisst“ ist ein eigener historischer Überlieferungsstatus. Aus einer Gedenknennung wird kein konkretes Todesdatum abgeleitet.
Zwei weitere zeitgenössische Militärmeldungen
Der Artikel erwähnt darüber hinaus die Verleihung des Eisernen Kreuzes I. Klasse an Leutnant Israel Koschland sowie die Beförderung von Julius Lewinsohn vom Hauptmann zum Major. Diese beiden Angaben sind keine Todes- oder Vermisstenmeldungen.
Vergleich mit dem Schulverzeichnis von 1898
Der aktuelle Schulmaster v65 enthält eine transkribierte Schülerkohorte von 1898. In deren ursprünglichem Rohtext steht für „Offenbacher, Siegm.“ das Geburtsdatum 21. Dezember 1887 und der Geburtsort Nürnberg – inhaltlich passend zur späteren Familiengrabinschrift. Das gesonderte OCR-Geburtsdatumsfeld war offenbar verschoben; es darf nicht als zuverlässiger Einzelfeldbeleg benutzt werden. Dies ist ein starker Identitätskandidat, noch keine Prüfung am Originalscan.
Weitere dokumentierte Vergleichskandidaten sind Max Schäler (Rohzeile vom 11. August 1883, Schwanfeld), Joseph Königshöfer (14. September 1888, Fürth) und Wilhelm Stern (8. Juni 1883, Neustadt an der Saale). Diese vier stammen aus dem 1898er Schulverzeichnis; ihre möglichen Übereinstimmungen mit Kriegsgedenknamen werden getrennt von der Zeugenliste des Artikels 1918 behandelt. Sie wurden nicht allein aufgrund von Namen in einen Personenstamm übernommen.
Bei Ernst Offenbacher ist die Identität zwischen Schülerverzeichnis und Kriegsopfer-Auswertung ebenfalls offen: Das OCR-Feld der Schultranskription ist nicht zeilensicher, und die späteren Jahrgangsangaben weichen ab.
Quellen und Forschungsgrenzen
- Alemannia Judaica: Israelitische Realschule Fürth, Wiedergabe des Artikels aus dem Frankfurter Israelitischen Familienblatt, 30. August 1918. Die beigefügten Lebensdaten sind ausdrücklich editorische Nachträge.
- Haus der Bayerischen Geschichte: Kriegerdenkmal Fürth, Transkriptionen verschiedener Denkmal-, Schul- und Grabinschriften.
- Peter Frank, Fürther Geschichtsblätter 4/2004, Auswertung von Fürther Kriegsopfern aus historischen Quellen.
- Schulen-Master v65: Blatt KOHORTE1898_Q1, transkribiertes Schulverzeichnis, Scans 31, 33 und 36; die Originalabbildungen der einzelnen Namen müssen noch systematisch autopsiert werden.
Forschungstand: Sportpersonen-Master v173. Die hier dokumentierte Schulzugehörigkeit belegt nicht automatisch eine Mitgliedschaft bei der SpVgg Fürth, dem Alpenverein oder einem anderen Sportverein. Der Artikel ist eine schul- und kriegsgeschichtliche Quellenseite mit projektübergreifenden Personenvergleichen.
Weiterführend: Fürther Schulen · DAV-Ehrentafel und Wintersport 1914–1932 · Forschungsstand.