Sportgeschichte · Quellenedition · 12. Oktober 2026

Der Fürther Alpenverein zwischen Weltkrieg und Wintersport

Eine Ehrentafel, der Verlust langjähriger Vereinsmitglieder, die unterbrochene Hütten- und Vortragstätigkeit und später der Aufbau neuer Jugend- und Wintersportgruppen zeigen, wie sich die Sektion Fürth zwischen 1914 und 1932 veränderte.

Die Ehrentafel 1914–1918: 14 Verstorbene, ein Vermisster

Der gedruckte Sektionsbericht, Ehrentafel, PDF-Seite 3 nennt 14 Mitglieder mit Todesjahr sowie ausdrücklich getrennt einen seit 1917 Vermissten. Diese Angaben belegen eine historische Gedenknennung; sie ersetzen keine Personenstands- oder militärhistorischen Einzelakten.

Name in der ForschungsübertragungJahr laut QuelleBerufs-/Dienstangabe des Drucks
Luise Barbeck

Nicht als Soldatin führen

1918Kriegspflegerin
Willy Bierer1918Kaufmann, Offizierstellvertreter
Hans Bößenecker

Abweichende Namenslesungen und zwei unverbundene Forschungs-IDs

1915Kaufmann, Vizefeldwebel
Max Erhard1915Kaufmann, Leutnant
Friedrich Horneber

Historische Namenslesung im Schriftbild noch zu prüfen

1915Ingenieur, Leutnant
Willy Humbser1918Brauereibesitzer, Leutnant
Philipp Meier

Nicht mit dem Skilehrer Fritz Meier gleichsetzen

1914Kaufmann, Leutnant
Max Meyer1916Ingenieur, Offizierstellvertreter
Michael Paulus1914Kaufmann, Leutnant
Albert Rosenfelder1916Kommerzienrat, Hauptmann
Dr. Willy Rosenhaupt

Gleichsetzung mit Dr. Wilhelm Rosenhaupt und Geburtsjahr bleiben Prüfgegenstand

1916Chemiker, Gefreiter
Otto Stark

Nicht mit dem Vereinsvorsitzenden Dr. Emil Stark gleichsetzen

1918cand. cam., Vizefeldwebel
Ludwig Weghorn1916Notariatsbuchhalter, Vizefeldwebel
Karl Willmy1918Kaufmann, Oberleutnant

Gesondert vermisst: Georg Schmidt, Bankbeamter und Leutnant, laut Bericht seit 1917 vermisst. Ein Sterbejahr 1917 lässt sich aus dieser Angabe ausdrücklich nicht ableiten.

20 weitere Todesfälle – keine zusätzliche Liste von Gefallenen

Im anschließenden Berichtstext (PDF-Seite 4) beklagt die Sektion 20 weitere verstorbene Mitglieder, darunter das Gründungsmitglied und den Brauereibesitzer Paul Mailaender, den Professor Josef Brunner, den Apotheker Ernst Rattelmüller und den Kommerzienrat Ludwig Böttiger. Die Quelle unterscheidet diese Todesfälle selbst von den Namen der Ehrentafel. Weder das genaue Todesdatum aller Genannten noch eine Todesursache dürfen hinzuerfunden werden.

Die Sektion nennt außerdem einen Mitgliederrückgang von 394 Ende 1913 auf 310 im späteren Berichtsstand. Austritte, Todesfälle und Neuaufnahmen wirkten zusammen; die Differenz von 84 ist daher keine Zahl von Kriegstoten.

Ärzte, Lehrer und Stadtbedienstete im Vorstand

Die Festschrift 1932, Druckseiten 10–11, beschreibt eine lange Amtsfolge. Der praktische Arzt Dr. Stark amtierte nach dieser rückblickenden Darstellung 1899–1923 als erster Vorsitzender; der Augenarzt Dr. Hans Wollner war 1904–1923 zweiter und ab 1924 erster Vorsitzender. Der Lehrer Georg Wälzlein war 1899–1903 erster Schriftführer. Ämter und Amtszeiten sind historische Quellenangaben, keine Beweise für eine gleichbleibende sportliche Aktivität oder für die Identität ähnlich benannter Personen.

Die Kassierer-Liste derselben Festschrift enthält einen zeitlichen Widerspruch: Karl Schwarzmann wird für 1924–1927 genannt, während A. Dietz im Druck zugleich mit „seit 1918“ erscheint. Der offensichtliche Überschneidungsfall wird hier nicht stillschweigend korrigiert.

Neue Wege nach dem Krieg: Jugend und Skisport

Die Festschrift 1932, Druckseite 13, erwähnt eine 1920 gegründete Jugendgruppe, die sich 1929 auflöste, nachdem die 15 Gymnasiasten die Schule verlassen hatten. Daneben wird ein weiterer Versuch mit einer Jugendgruppe ab dem Spätherbst 1927 erwähnt, dessen genaue Entwicklung noch zu prüfen ist.

Besonders erfolgreich entwickelte sich die im Sommer 1923 aufgebaute Wintersportabteilung unter Leitung von Lehrer Fritz Meier. Die Festschrift berichtet rückblickend von mehr als 100 Mitgliedern der Abteilung. Diese Zahl gilt für den späteren Berichtszeitraum, nicht automatisch für das Gründungsjahr 1923. Fritz Meier ist nicht mit gleichnamigen älteren Schützenkönigen gleichzusetzen.

Neuer Abgleich: Gedenktafeln, Standesamts-Auswertung und Familiengräber

Peter Frank hat in den Fürther Geschichtsblättern 4/2004, Druckseite 100 historische Wohnadressen und biografische Angaben von Kriegsopfern anhand von Standesamtsunterlagen zusammengestellt. Der Forschungs-Master v170 erfasst daraus 40 einzeln zitierte Adress- und Personennennungen als Fremdquellen-Vergleich. Nicht jeder dieser Kriegsopfer war Mitglied des Alpenvereins; die Liste darf deshalb nicht als zusätzliche DAV-Mitgliederliste gelesen werden.

Willy Bierer: mehrere Hinweise, aber kein gesichertes Sterbedatum

Die DAV-Ehrentafel gibt für Willy Bierer 1918 an. Der Katalog des Hauses der Bayerischen Geschichte nennt auf dem Fürther jüdischen Kriegerdenkmal einen „Dr. Willy Bierer“ mit dem Rang Vizefeldwebel und auf der Gymnasiumstafel einen Willy Bierer mit den Jahreszahlen 1888–1918. Peter Frank führt für Willi Bierer 1888–1918 die Königswarterstraße 24 und den Beruf Rechtspraktikant an; im DAV-Bericht steht dagegen Kaufmann.

Ein späterer Friedhofs- und Kriegsgräberindex verzeichnet einen Dr. Willy Bierer mit Todesdatum 17. März 1918 in England. Auch die Bournemouth Hebrew Congregation nennt einen Willy Bierer, gestorben am 17. März 1918 in Dorchester. Dem steht eine ebenfalls beim Haus der Bayerischen Geschichte dokumentierte Fürther Familiengrabinschrift für Willi Bierer, geboren 5. Februar 1888, gefallen 28. März 1916, entgegen. Ob es sich um Namensgleichheit, Übertragungsfehler oder eine andere Ursache handelt, ist offen. Kein exakter Sterbetag wurde ungeprüft in den Sportpersonen-Stamm übernommen.

Die Rosenhaupt-Namen bleiben getrennt

Das frühere Fürther Gymnasium gedachte Fritz Rosenhaupt mit 1893–1917 und Wilhelm Rosenhaupt mit 1884–1916. Peter Frank nennt auf Druckseite 100 ausdrücklich Friedrich Rosenhaupt (1893–1917), Königswarterstraße 28 sowie Dr. phil. Wilhelm Rosenhaupt (1895–1916), Jakobinenstraße 28. Damit liegt für Wilhelm ein Widerspruch beim Geburtsjahr 1884/1895 vor. Die DAV-Ehrentafel nennt Dr. Willy Rosenhaupt, Chemiker und Gefreiter, gestorben 1916. Die starke Vergleichsspur ist dokumentiert, das Geburtsjahr aber nicht quellenfest vereinheitlicht. Fritz/Friedrich und Wilhelm/Willy sind keine austauschbaren Personen.

Albert Rosenfelder: kein ungeprüfter Fronttod

Für Albert Rosenfelder nennt der Geschichtsverein die Königswarterstraße 52, 1864–1916 und den Rang Hauptmann der Landwehr. In derselben Veröffentlichung wird im Bericht über ein tödliches Ereignis am Hainberg am 1. Juli 1916 die abweichende Namensform „Rosenberger“ verwendet. Diese interne Schreibabweichung wird als solche gekennzeichnet und führt weder zur Neuanlage einer Person noch zu einer automatischen Änderung des bestehenden Personendatensatzes. Aus einer DAV-Ehrentafel ist in diesem Fall kein Tod im Fronteinsatz abzuleiten.

Sechs genaue Datumsangaben auf Fürther Grabsteinen

Die Transkriptionen des Hauses der Bayerischen Geschichte enthalten über die reine Namensliste hinaus wichtige biografische Tagesdaten. Diese werden in der Forschungsmappe v172 getrennt von den Mitgliedern des Alpenvereins geführt:

Schulgeschichtliche Vergleichsfälle: Im Forschungstranskript eines Schülerverzeichnisses der Israelitischen Realschule 1898 erscheinen Max Schäler und Ernst Offenbacher. Bei Schäler stimmen Name und möglicherweise der Jahrgang 1883 überein, während das maschinell übernommene Geburtsdatumsfeld vom Rohtext abweicht. Bei Offenbacher steht 1891 im Schulverzeichnis, aber 1892 in der Kriegsopfer-Auswertung. Beide sind deshalb noch keine verifizierten Schüler-zu-Kriegsopfer-Identitäten. Die Schuloriginalseiten und Personenstandsbelege müssen einzeln geprüft werden.

Von 40 Kriegsopfer-Nennungen aus den Fürther Geschichtsblättern lassen sich 39 mit einer Namensform der dokumentierten Gedenktafeln vergleichen. Da dort häufig nur Initialen, historische Schreibvarianten oder Militärgrade stehen, ist das kein Beleg für 39 zweifelsfrei identifizierte Individuen und erst recht nicht für 39 Alpenvereinsmitglieder.

Quellen und Editionsregeln

Redaktioneller Stand: Fürther Sportpersonen-Master v172. Alle 14 Todesnennungen und der eine Vermisstenfall wurden einzeln geprüft. Offene Namensvarianten, doppelte Forschungs-IDs und widersprüchliche Amtsdaten werden nicht durch Vermutung „bereinigt“. Keine individuelle Bergtour wird allein aus einer Sektionsmitgliedschaft abgeleitet.

Projektübergreifend: Ehemalige Schüler der Israelitischen Realschule in den Kriegsquellen von 1918 – ohne automatische Gleichsetzung mit DAV-Mitgliedern.

Weiterlesen: Mitgliederregister 1905 · Frauen im Alpenverein 1909 · Fürther Vereinsbiografien.