Personenbiografie · Leichtathletik · Sportlehrer · Verfolgung und Exil · 21. Oktober 2026 (Forschungsfassung)
Erich Klaber
1914–1994 · Leichtathletik · Sportlehrer · Verfolgung und Exil
In den Jahren vor dem Novemberpogrom 1938 gehörte Erich Klaber zu den leistungsstarken jüdischen Sportlern Deutschlands. Seine Laufbahn führt von Borken und Bochum über eine Sportlehrerausbildung in Stuttgart nach Fürth. Die Stadt wurde zu einer Station, an der er andere jüdische Sportler unterrichtete – zu einer Zeit, als der Nationalsozialismus sie aus immer mehr Bereichen des öffentlichen Lebens ausschloss.
Die Geschichte endet nicht mit dem Sportplatz: Im November 1938 wurde Klaber im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Im folgenden Jahr konnte er mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten ausreisen. Seine sportliche Kompetenz, die er sich zuvor erarbeitet hatte, ist ein wesentlicher Teil dieser Biografie und darf nicht durch die alleinige Konzentration auf Verfolgung und Emigration verschwinden.
Schule, Sportverein und Ausbildung
Klaber wurde am 12. August 1914 in Borken geboren. Die genealogische Dokumentation „Spuren im Vest“ führt seine Eltern als Marcus Max Klaber und Regina Rosenbaum; auch Schulstationen in Borken sind dort überliefert. Diese Familienangaben verweisen auf weitere personenbezogene Dokumente, wurden im Sport-Master aber noch nicht gegen die jeweiligen Urkunden einzeln überprüft.
Vor seiner Arbeit in Fürth spielte er Fußball und betrieb Leichtathletik bei Schild Bochum. Für 1934 ist in dem Forschungsbericht eine Bezirksmeisterschaft im Fußball vermerkt. Von 1935 bis 1937 absolvierte er eine Sportlehrerausbildung an der Alice-Bloch-Schule in Stuttgart. Diese Ausbildung steht im Zusammenhang mit der eigenständigen jüdischen Sportorganisation unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Ausgrenzung.
Quellen zu diesem Abschnitt: [1]
Jüdischer Sport in Fürth – Leistung statt Randnotiz
Als Sportlehrer kam Klaber nach Fürth. Beim jüdischen Sportfest vom 23. August 1936 werden ihm Siege im Hochsprung, Kugelstoßen, Diskuswurf und Sechskampf zugeschrieben; die Teilnahme von Gästen wie Gretel Bergmann und Julius Bendorf zeigt den überörtlichen Charakter solcher Veranstaltungen. Aus einem Wettkampfstart folgt jedoch weder eine SpVgg- noch eine JSC-Fürth-Mitgliedschaft.
Ein Bericht über ein 100-Meter-Rennen vom Juli 1937 schreibt Klaber 11,6 Sekunden zu. Solche zeitgebundenen Einzelresultate dokumentieren sein Leistungsniveau viel genauer als die Formel „bekannter Athlet“. Die verwendeten Sekundärtexte müssen aber für eine abschließende Sportstatistik noch mit den zeitgenössischen Ergebnislisten gegengeprüft werden.
Klaber wird für 1937/38 mit der Trainerarbeit im Jüdischen Sport-Club Fürth in Verbindung gebracht. Die genaue dienstliche Stellung, Entlohnung und Dauer des Unterrichts sind anhand von Vereinsprotokollen oder zeitgenössischer Presse noch zu rekonstruieren.
Der bereits im Sportpersonen-Master v191 verzeichnete archivalische Abgleich ergänzt diese sportliche Erzählung um konkrete Fürther Verwaltungsakten: Das Stadtarchiv Fürth führt unter AGr. 2/1084 Unterlagen zu Klabers privatem jüdischem Turn- und Gymnastikunterricht 1937. Unter AGr. 8/776 ist ein Gutachten zur Eignung der Halle am Sportplatz des Jüdischen Sportclubs in der Karolinenstraße 148 nachgewiesen. Beide Archivhinweise helfen, seinen Beruf mit Räumen, städtischer Verwaltung und den eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten jüdischer Sportler zu verbinden. Eine direkte persönliche Wohnadresse Klabers in der Karolinenstraße folgt daraus nicht; die Akten selbst sind noch nicht transkribiert.
Eine weitere, im Master bisher nicht ausgeschöpfte Ergebnisübersicht von Wolfgang Roth bezeichnet Klaber beim großen Fürther Sportfest vom 23. August 1936 ausdrücklich als Starter aus Stuttgart. Roth zählt Siege im Hochsprung, Diskus und Sechskampf sowie Platz zwei im Weitsprung auf. Jim Tobias nennt darüber hinaus auch das Kugelstoßen als von Klaber gewonnene Disziplin. Der Unterschied kann auf verkürzte Ergebnisauszüge zurückgehen; eine vollständige Siegerliste aus der jüdischen Originalpresse muss entscheiden. In Roths Druck erscheint als Quellenangabe fälschlich „CV Zeit 37.8.36“ – ein unmögliches Datum, das bei der Archivsuche nicht ungeprüft übernommen werden darf. Für Klaber ist damit ein Gaststart unter Stuttgarter Zuordnung 1936 belegt, während die dokumentierte Fürther Trainerarbeit 1937/38 zeitlich später liegt.
November 1938 und die Flucht
Die biografische Forschungsseite berichtet von Klabers Verhaftung während des Novemberpogroms 1938 und seiner Inhaftierung im Konzentrationslager Buchenwald. Sie nennt seine Entlassung am 10. Dezember 1938 und verweist auf Nachweise der Arolsen Archives. Die Haftgeschichte ist nicht aus einem Sportkalender abzuleiten, sondern gehört zum personenbezogenen Verfolgungsdossier.
Vom 15. bis 26. Oktober 1939 reiste Klaber laut den angeführten Passagierlisten mit seiner Frau und Tochter von Rotterdam nach New York. In den Vereinigten Staaten setzte er sein Leben fort; er starb am 23. September 1994 in Arizona. Zwischen Freilassung und Ausreise lag eine Phase erzwungener Neuorientierung, über die noch mehr individuelle Dokumente ausgewertet werden können.
Quellen zu diesem Abschnitt: [1]
Familiengeschichte und Grenzen des Quellenvertrauens
Die genealogische Seite nennt auch Lebensläufe seiner Eltern und Geschwister; mindestens ein dortiger Geschwistereintrag weist einen unmöglichen Verlauf mit einem Todesjahr vor dem Geburtsjahr auf. Deshalb werden solche Listen im Kleeblattmuseum nicht ohne Prüfung in die Familiengraphen übertragen.
Für Klabers eigenen Lebensweg liegen mehrere voneinander trennbare Quellenstränge vor: Sportergebnisse, Ausbildungs- und Vereinsbelege, Verfolgungsakten sowie Passagierlisten. Erst ihre gemeinsame Auswertung wird aus einer knappen Athletennotiz eine belastbare Geschichte eines Sportlehrers im Exil.
Quellen zu diesem Abschnitt: [1]
Weiterführende Lebensgeschichten
- Gretel Bergmann – Teilnehmerin am jüdischen Fürther Sportfest 1936, ohne abgeleitete Mitgliedschaft
- Julius Bendorf – Weiterer Gastathlet derselben Veranstaltung
Historische Quellen und ihre Aussagekraft
- [1]Spuren im Vest, Erich Klaber (2022/2023)
Sekundäres genealogisches Dossier mit Verweisen auf Arolsen Archives und US-Einreiselisten. Enthält auch einen nachweislich unmöglichen Geschwister-Datensatz; Einzelüberprüfung nötig.
↩ Zur Textstelle - [2]Historischen Beleg 2 öffnen
- [3]Sportfest Fürth 1936, retrospektive Recherche
Sekundärbericht zu den jüdischen Wettkämpfen und ihren Teilnehmern, zurückzuführen auf zeitgenössische Gemeindepresse.
↩ Zur Textstelle - [4]Stadtarchiv Fürth, AGr. 2/1084 – Turn- und Gymnastikkurse
Archivalischer Katalog-/Digitalisateintrag zur Fürther Unterrichtstätigkeit Erich Klabers 1937; genaue Vorgänge der Akte noch nicht autopsiert.
↩ Zur Textstelle - [5]Stadtarchiv Fürth, AGr. 8/776 – Halle Karolinenstraße 148
Archivalischer Katalog-/Digitalisateintrag zum Gutachten über Eignung der Halle des JSC am Sportplatz; keine Wohnadresse Klabers.
↩ Zur Textstelle - [6]Wolfgang Roth: Jüdischer Sport in Baden und Württemberg bis 1938, S. 16
Sekundäre, vereinsübergreifende Ergebniszusammenstellung zum 23.08.1936 mit Klaber (Stuttgart), drei Siegen und 2. Platz Weitsprung; die dortige Quellenangabe „CV Zeit 37.8.36“ ist kalendarisch unmöglich, Originalheft nötig.
↩ Zur Textstelle
Forschungsstand und offene Fragen
Sportliche Leistungsentwicklung, Ausbildung zum jüdischen Sportlehrer, Fürther Trainerfunktion, KZ-Haft und Passagierlisten bilden eine quellenkritisch getrennte Lebenschronologie. Zwei bereits in v191 nachgewiesene konkrete Stadtarchivsignaturen und die räumliche Verbindung zum Sportplatz Karolinenstraße 148 sind jetzt in die Sportlehrerbiografie eingearbeitet. Ergebnisabweichungen des Fürther Sportfests 1936 aus einer unabhängigen regionalen Übersicht werden geprüft, ohne Stuttgarter Startbezeichnung zur Fürther Mitgliedschaft umzudeuten.
FürthWiki-Abgleich: Kein gesicherter eigenständiger FürthWiki-Personenartikel im importierten Titelregister; die fehlende Titelgleichheit beweist keine fehlenden Wiki-Erwähnungen.
- Die vollständigen Ergebnislisten 1936 und 1937 aus der jüdischen Presse fehlen.
- Nachweis der konkreten JSC-Anstellung und Fürther Wohnadresse fehlt.
- Arolsen- und Einwanderungsdokumente sind bislang nur über Sekundärzitate erschlossen.
- Genealogische Beziehungen bedürfen eigener Urkundenprüfung.
- AGr. 2/1084 und AGr. 8/776 vollständig einsehen: Welche Genehmigungen, Behördenentscheidungen und konkreten Nutzungsbedingungen dokumentieren die Akten?
- Die Quellenangabe „CV Zeit 37.8.36“ bei Roth korrigieren; vollständige Original-Siegerliste vom 23.08.1936 prüfen: gewann Klaber auch Kugelstoßen und welche Weitsprungplatzierung erreichte er?