Personenbiografie · Jüdische Leichtathletik · Gast beim Fürther Sportfest 1936 · 21. Oktober 2026 (Forschungsfassung)

Gretel Bergmann

12. April 1914 – 25. Juli 2017 · Jüdische Leichtathletik · Gast beim Fürther Sportfest 1936

Wenige Wochen, nachdem ihr die Aufnahme in die deutsche Olympiamannschaft verweigert worden war, gewann Gretel Bergmann am 23. August 1936 vier Wettbewerbe beim jüdischen Sportfest in Fürth. Etwa einhundert Aktive und zahlreiche Zuschauer versammelten sich dafür auf dem Hof einer Spedition. Der ungewöhnliche Wettkampfort erinnert daran, dass jüdische Sportlerinnen und Sportler aus regulären Anlagen ausgeschlossen waren.

Die Fürther Ergebnisse gehören zu einer Geschichte außergewöhnlicher Leistungen und systematischer Diskriminierung. Bergmanns 1,60 Meter im Hochsprung vom Juni 1936 und die in Fürth gewonnenen 1,45 Meter sind unterschiedlich datierte Wettkampfergebnisse. Sie dürfen weder verwechselt noch als Beweis einer bestimmten persönlichen Verfassung gedeutet werden.

Sportlicher Aufstieg und Ausschluss aus dem Ulmer Verein

Gretel Bergmann wurde am 12. April 1914 in Laupheim geboren. Früh machte sie als Hochspringerin auf sich aufmerksam. Ihr Ulmer Verein schloss sie nach der Machtübernahme 1933 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft aus. Sie setzte ihre Ausbildung und sportliche Tätigkeit zeitweilig in England fort und wurde 1934 mit 1,55 Metern britische Meisterin.

Die Hall of Fame des deutschen Sports rekonstruiert, wie sie unter Druck wieder nach Deutschland zurückkehrte. Ihre Geschichte zeigt die Abhängigkeit selbst international erfolgreicher Athletinnen von politischen Entscheidungen, Sportverbänden und Trainingsmöglichkeiten.

Quellen zu diesem Abschnitt: [2]

1936: 1,60 Meter – und trotzdem keine Olympianominierung

Am 27. Juni 1936 stellte Bergmann bei den württembergischen Meisterschaften die deutsche Bestmarke von 1,60 Metern ein. Das Datum wird in der Chronik der Hall of Fame ausdrücklich genannt. Dennoch wurde sie nicht für die Olympischen Spiele in Berlin nominiert. Die nachträgliche Begründung eines unzureichenden Leistungsstands stand im Widerspruch zu ihren erzielten Höhen. Allerdings datiert die International Jewish Sports Hall of Fame denselben 1,60-Meter-Rekord auf den 30. Juni 1936. Der Unterschied zwischen 27. und 30. Juni bleibt im Quellenapparat sichtbar, bis ein zeitgenössischer Ergebnisbericht oder ein datierter Wettkampfbogen eingesehen werden kann.

Der offizielle Sportbetrieb schloss die jüdische Spitzenathletin aus; sportliche Qualifikation und politische Zulassung waren voneinander getrennt. Ein Bericht über diese Entscheidung darf nicht nur ein vermeintliches Scheitern bei einer Qualifikation nennen.

Quellen zu diesem Abschnitt: [3] · [2] · [4]

23. August 1936: Ein besonderer Wettkampftag in Fürth

Jim Tobias hat den jüdischen Wettkampf vom 23. August 1936 anhand von „Die Kraft“ und dem Nürnberger-Fürther Israelitischen Gemeindeblatt rekonstruiert. Für Bergmann werden Siege im 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Speerwurf und Hochsprung genannt. Im Hochsprung überquerte sie 1,45 Meter.

Die Quelle berichtet von etwa hundert Teilnehmern und rund eintausend Zuschauern. Diese Zahlen sind Angaben der damaligen Sportberichterstattung, keine nachgezählten Besucherlisten. Fürths Rolle war die eines Austragungsorts eines überregionalen jüdischen Wettkampfes; Bergmann war Gastathletin, nicht nachweislich Mitglied der SpVgg oder des JSC Fürth.

Wolfgang Roths regionale Ergebnisübersicht ergänzt diesen Fürther Wettkampf um offenbar bislang verkürzt wiedergegebene Disziplinen: Unter der Vereins- bzw. Startbezeichnung „Bergmann (Stuttgart)“ nennt sie zusätzlich Siege im Schlagballweitwurf und Dreikampf sowie Rang zwei im Kugelstoßen. Während Jim Tobias vier Siege aufführt, umfasst Roths Liste damit sechs Erfolge und einen zweiten Platz. Diese beiden Ergebnislisten widersprechen sich nicht zwingend, weil die kürzere Auswahl unvollständig sein kann; eine abschließende Gesamtstatistik muss die Originalzeitungen prüfen. Die von Roth angegebene Quellenangabe „CV Zeit 37.8.36“ ist fehlerhaft und kein zitierbares Veröffentlichungsdatum.

Quellen zu diesem Abschnitt: [1] · [5]

Ausreise und späte öffentliche Würdigung

1937 verließ Bergmann Deutschland und ging in die Vereinigten Staaten. Dort setzte sie ihren Sport zunächst fort. Jahrzehnte später wurde ihr Lebensweg in Deutschland erneut gewürdigt, unter anderem durch Ehrungen und die Benennung einer Sportstätte in Laupheim. Sie starb am 25. Juli 2017 in New York.

Das Fürther Ereignis ist nicht deshalb wichtig, weil es eine neue persönliche Bindung an die Stadt beweist, sondern weil die lokalen Wettbewerbsbedingungen die größere Geschichte des Ausschlusses besonders konkret zeigen.

Quellen zu diesem Abschnitt: [2]

Weiterführende Lebensgeschichten

Historische Quellen und ihre Aussagekraft

  1. [1]Jim Tobias: Sportfest in der Provinz (24. Juli 2024)

    Journalistische Sekundärrecherche unter Verwendung von „Die Kraft“ vom 28.08.1936; Vierfacherfolg in Fürth und Wettbewerbsbedingungen.

    ↩ Zur Textstelle
  2. [2]Hall of Fame des deutschen Sports: Bergmann-Lambert

    Institutionelle sportbiografische Recherche; Leben, Rekord, Ausschluss und spätere Anerkennung.

    ↩ Zur Textstelle
  3. [3]Hall of Fame: Chronik zum 27. Juni 1936

    Taggenaue Datierung des 1,60-Meter-Sprungs bei württembergischen Meisterschaften.

    ↩ Zur Textstelle
  4. [4]International Jewish Sports Hall of Fame: Gretel Bergmann

    Datierung des 1,60-m-Rekords auf 30. Juni 1936; widerspricht der auf 27. Juni datierenden deutschen Hall-of-Fame-Zeitleiste. Identischer Rekord, exaktes Datum noch offen.

    ↩ Zur Textstelle
  5. [5]Wolfgang Roth: Jüdischer Sport in Baden und Württemberg bis 1938, S. 16

    Ergänzt Bergmanns Fürther Resultate am 23.08.1936 um Schlagballweitwurf, Dreikampf und Rang 2 im Kugelstoßen; 1936 unter Startbezeichnung Stuttgart; die Druck-Quellenangabe „CV Zeit 37.8.36“ ist ein Fehler.

    ↩ Zur Textstelle

Forschungsstand und offene Fragen

Erklärt den konkreten Fürther Vierfacherfolg im Kontext der NS-Olympiapolitik und unterscheidet mehrere historische Hochsprungergebnisse statt Rekorde zu vermischen. Ergänzung um möglicherweise zwei weitere Siege und einen zweiten Platz 1936 nach Roth; Ergebnisvollständigkeit bis zum Originalbericht ausdrücklich offen.

FürthWiki-Abgleich: Abgleich von vorhandenem FürthWiki-Artikel Margarete Bergmann (Revision 820956), Sportinstitution und Forschung zur jüdischen Presse; FürthWiki ist Vergleichsquelle, keine ausschließliches Fundament.

  • Original-Hefte „Die Kraft“ und „Nürnberger-Fürther Israelitisches Gemeindeblatt“ auf Ergebnisse und Schreibweisen prüfen.
  • Der genaue Fürther Speditionshof ist ohne eigene Quelle nicht zu georeferenzieren.
  • Historische Fotorechte und Motividentität separat prüfen.
  • Datierung des 1,60-Meter-Rekords: 27. oder 30. Juni 1936? Württembergischen Ergebnisbericht im Original prüfen.
  • Ob Gretel Bergmann beim Fürther Sportfest tatsächlich sechs Siege und einen zweiten Platz erreichte: Original „CV-Zeitung“ bzw. „Die Kraft“ August 1936 mit vollständiger Ergebnistabelle vergleichen.

← Zu allen Sportpersonen-Porträts