Fürther Vereinsgeschichte
VfR Fürth: Der Rivale aus der Südstadt
In diesem Artikel 19 Kapitel und Abschnitte
Der Verein für Rasenspiele gehörte in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren zum leistungsstarken Fürther Fußball. Seine Geschichte beginnt mit dem FC Franken und reicht über VfB und Post-SG als Traditionslinie zum ASV Fürth. Die juristische Identität der jeweiligen Vereine bleibt gesondert zu prüfen.
Weiterlesen: Holztribüne an der Magazinstraße – eine eigenständige, quellengestützte Bau- und Sportgeschichte seit 1914.
Vom FC Franken zum VfR (1904–1924)
1904 wurde der FC Franken Fürth gegründet. Ab 1912 hieß die Fußballorganisation FV Franken; 1922 schloss sie sich dem MTV Fürth an. Im Zuge der Trennung von Fußballern und Turnern entstand 1924 der VfR Fürth. Das [2] bestätigt diese Abfolge; der [1] beschreibt den VfR bereits im Spielbetrieb ab März 1924. Hans Sutor spielte ab 1908 beim FC Franken und wechselte 1914 zur SpVgg: Er ist damit eine Person der Vorgeschichte, kein belegter VfR-Spieler.
Magazinstraße und Vereinsleben
Der VfR bezog die ehemalige Reit- und Militäranlage an der Magazinstraße. Die Holztribüne ist älter als der VfR: Eine publizierte Auswertung historischer Planunterlagen nennt Mai 1914, nicht 1924, als Bauzeit. Für den VfR wurden Fußballplatz, Tribüne und Südstadtmilieu prägend. Neben Fußball gehörten Geselligkeit und Gesang zum Vereinsalltag; als Lokal wird das Kießling an der Hornschuchpromenade genannt. Die Familie Sahlmann wird mit dem Gelände in Verbindung gebracht; Grundstückseigentum und Pacht müssen anhand der Grundakten geprüft werden.
Eine Stadt, drei Vereine in der obersten Spielklasse
Wer die Fußballgeschichte Fürths ausschließlich durch die Erfolge der SpVgg betrachtet, verliert einen wesentlichen Teil der städtischen Sportkultur aus dem Blick. Für die Saison 1927/28 nennt die nordbayerische Bezirksliga neben der SpVgg auch den VfR und einen eigenen FC Fürth. Diese drei Mannschaften traten im gleichen Wettbewerb an; der FC Fürth jener Zeit darf nicht mit dem VfR oder einer älteren Union-Vereinslinie verschmolzen werden.
Am 2. Oktober 1926 wurde sogar ein direktes Stadtduell FC Fürth – VfR Fürth mit 3:1 für den FC ausgetragen. Der [7] macht sichtbar, wie vielfältig und konkurrenzreich der Fürther Fußball neben dem Ronhof war. Wer waren die Mitglieder, wie unterschieden sich die Stadtteile und welche wirtschaftlichen Interessen standen hinter den Vereinen? Hierzu fehlen noch hinreichend ausgewertete Mitgliedslisten und Geschäftsunterlagen. Die industrielle Südstadt und das frühere Reitsportgelände bilden einen wichtigen Rahmen, aber keine Quelle für eine pauschale soziale Zusammensetzung aller VfR-Mitglieder.
Die besondere Saison 1927/28
Der VfR war in dieser Zeit nicht bloß ein Amateurverein aus den unteren Klassen. Die neun Mannschaften der nordbayerischen Bezirksliga gehörten zur damals höchsten regionalen Spielstufe. Der VfR beendete die Saison als Dritter hinter der SpVgg Fürth und dem 1. FC Nürnberg: 16 Spiele, sechs Siege, sieben Unentschieden, drei Niederlagen, 27:20 Tore und nach der damaligen Zweipunkteregel 19:13 Punkte.
Damit qualifizierte er sich für die zusätzliche süddeutsche Runde der Zweit- und Drittplatzierten. Dort erreichte die Mannschaft mit 9:19 Punkten Rang sieben von acht Teilnehmern. Dieser Tabellenplatz erklärt eine süddeutsche Leistungsgrenze, bedeutet aber gerade nicht, der VfR habe damals in einer heutigen siebten Liga gespielt. Die [6] sind hier ein Vergleichsbeleg; eine unabhängige Nachprüfung aller Spiele in der historischen Sportpresse bleibt erforderlich.
Internationale Spiele und Wettbewerb
Ein Vereinsrückblick nennt eine Reise nach Paris 1925, das 4:2 des VfR gegen TSV 1860 München zur Eröffnung des Grünwalder Stadions am 10. Oktober 1926 sowie Partien gegen FC Porto (2:3) und Vitória Setúbal (1:1) zu Ostern 1927. Die Gegner, exakten Reisedaten und Original-Spielberichte sind bei den Auslandsreisen noch nicht unabhängig kontrolliert.
Die elf VfR-Spieler beim 5:0 gegen Stuttgarter Kickers
Das [2] überliefert für den 22. März 1931 die vollständige VfR-Aufstellung im Spiel der süddeutschen Meisterschaft. Schiedsrichter war Röth (VfR Mannheim). Die Namen sind eigenständige historische Spielerbelege, aber noch keine vollständigen Lebensbiografien.
| Spieler | Position | Biografischer Forschungsstand |
|---|---|---|
| Hirsch | Torwart | Vorname und Lebensdaten offen |
| Schmidt | Verteidiger | Nicht ohne weitere Belege mit anderen Schmidt identifizieren |
| Schwender | Verteidiger | Vorname offen |
| Leitzmann | Läufer | Vorname offen |
| Emmert I | Läufer | Von Emmert II getrennte Spielnennung; Verwandtschaft offen |
| Stemmer | Läufer | Vorname offen |
| Sesselmann | Stürmer | Tore in Minute 28 und 62 |
| Dietrich | Stürmer | Tor in Minute 74 |
| Emmert II | Stürmer | Nicht mit Emmert I zusammenführen |
| Schönlein | Stürmer | Tor in Minute 89; Heinrich Schönlein laut Familienüberlieferung |
| Wolf / Wollf | Stürmer | Aufstellung Wolf, Torliste Wollf (81. Minute): Schreibkonflikt |
Menschen hinter dem VfR
Hans Held – Vorsitzender
Der als Pferdemetzger bezeichnete Hans Held wird in der rückblickenden Darstellung als VfR-Vorsitzender der 1920er-Jahre genannt. Seine genaue Amtszeit, Geburts- und Sterbedaten sowie eine mögliche Rolle bei der Übernahme des Magazinstraßen-Geländes sind nicht ausreichend belegt. Ein anderswo verzeichneter Hans Held mit Geburtsjahr 1902 darf ohne Berufs- und Adressabgleich nicht gleichgesetzt werden. Personenkarte Hans Held →
Heinrich Schönlein – Spieler
Der Familienüberlieferung zufolge war Heinrich Schönlein VfR-Spieler und wurde einmal zur Nationalmannschaft eingeladen, konnte wegen einer Verletzung aber nicht antreten. Eine Einladung ist kein Länderspieleinsatz. Das Kickersarchiv nennt Schönlein als Torschützen 1931; ob die volle Namensform anhand eines Spielerpasses gesichert werden kann, bleibt offen. Historische Personennennung →
Hans Neger – Torwart und später Deutscher Meister
Hans Neger (1902–1975) wechselte vom MTV zum VfR und später zur SpVgg Fürth. Mit der SpVgg wurde er 1929 Deutscher Meister. Die Verbindung zwischen den konkurrierenden Vereinen ist in der Sportbiografie greifbar. Biografie Hans Neger lesen →
Hans Sutor – aus der älteren Geschichte des FC Franken
Hans Sutor (1895–1976) spielte schon vor dem Ersten Weltkrieg beim FC/FV Franken Fürth, wechselte 1914 zur SpVgg und 1920 zum 1. FC Nürnberg. Er wird gelegentlich in die VfR-Tradition eingeordnet, war jedoch kein Spieler des erst 1924 entstandenen VfR. Biografie Hans Sutor lesen →
Januar 1936: Noch wird gemeinsam gefeiert
Ein besonders anschaulicher, bislang in der VfR-Darstellung fehlender Fund stammt aus der [4]. Während die Fürther Faschingssaison begann, veranstaltete der VfR am vorhergegangenen Samstag einen Faschingsball im Gesellenhospiz in der Simonstraße. Die Quelle dokumentiert damit einen konkreten gesellschaftlichen Vereinsort außerhalb des Sportplatzes. Sie macht zugleich den Abstand zwischen öffentlichem Vereinsleben zu Jahresbeginn und der nur wenige Monate später sichtbar werdenden Finanzkrise deutlich. Dass der Ball finanziell erfolgreich oder schlecht besucht gewesen sei, wird dagegen nicht berichtet.
Juli 1936: Die wirtschaftliche Krise bekommt ein Gesicht
Eine im Forschungsbestand bisher weitgehend versteckte Meldung ist entscheidend, um das Ende des VfR zu verstehen. Die [4] berichtet von einer Sondersitzung zur drohenden Auflösung. Der Verein hatte mit sinkenden Einnahmen und steigender Pacht zu kämpfen. Besonders wichtig ist die Eigentumsfrage: Der Sportplatz gehörte dem VfR damals nicht. Er musste seine sportliche Tätigkeit also auf einem Gelände finanzieren, dessen Kosten er nicht allein bestimmen konnte.
Damit ergibt sich eine historische Erklärung: Sportlicher Bedeutungsverlust, fehlende eigene Platzsubstanz und steigende laufende Kosten konnten einander verstärken. Eine solche Erklärung ist jedoch keine im Originalprotokoll nachgewiesene vollständige Kausalkette. Der Chronikeintrag vom 23. September spricht ausdrücklich von aufgelaufenen Schulden. Wie hoch diese Schulden waren, wem gegenüber sie bestanden und welche Einnahmen konkret wegbrachen, muss aus Kassenbüchern und Pachtakten rekonstruiert werden. Die Juli-Sitzung dokumentiert zunächst eine Krise – noch nicht den endgültigen Auflösungsbeschluss.
Die Tribüne: 1914 erbaut, 1924 zum Fußballort geworden
Der Zuschauerbau an der Magazinstraße wird in älteren Darstellungen auf 1924 datiert. Eine neuere [5], die FürthWiki erschlossen hat, ordnet seinen Bau hingegen Mai 1914 zu. Die Tribüne diente ursprünglich dem Reitsport und wurde erst in den 1920er-Jahren zu einem Fußballbau. Das VfR-Gründungsjahr und das Baujahr sind also bewusst zu trennen. Eine eigene Bild-/Planreproduktion kommt erst nach Rechteklärung in Betracht.
20. oder 22. September? Ein ungeklärtes Datum bleibt sichtbar
Die Chronikmeldung vom Mittwoch, 23. September 1936, setzt die Auflösungsversammlung des VfR auf den „vergangenen Sonntag“: kalendarisch den 20. September 1936. Ein späterer Lokalbericht nennt dagegen den 22. September. Beide Überlieferungen betreffen die Auflösung und die folgende Neugründung des VfB in der Tribünenwirtschaft. Der Unterschied wird nicht stillschweigend geglättet: Möglich sind ein Beschluss und eine spätere Registrierung – das ist derzeit aber nur eine Hypothese. Benötigt werden Originalprotokoll, Amtsakte und zeitgenössischer Zeitungsdruck.
Von VfB über Post-SG bis zum 1945 gegründeten ASV besteht eine sporthistorische Linie. Nicht belegt ist damit eine einzige fortdauernde Rechtsperson; auch eine in Übersichten genannte kurze Wiedergründung des VfR nach Kriegsende bedarf eines eigenen Gründungsbelegs. Die eigenständige Geschichte des ASV Fürth →
1933–1939: Auflösung und Nachfolge
1933 wurde der VfR bei der Bildung der Gauliga Bayern nicht berücksichtigt. 1936 wurde er aufgelöst, anschließend entstand der VfB Fürth. Eine [4] datiert die Versammlung auf den vorhergehenden Sonntag, also den 20. September. Ein späterer [1] nennt den 22. September. Der exakte Beschlusstag ist ungeklärt. 1939 entstand aus VfB und Postsport die Post-SG Fürth, die während des Krieges in weiteren Spielgemeinschaften antrat. Der ASV Fürth wurde erst 1945 gegründet.
Personen statt retrospektiver Vereinsnamen
Für die biografische Redaktion sind drei Fälle besonders aufschlussreich. Hans Sutor begann 1908 beim FC Franken, wechselte aber schon 1914 zur SpVgg. Er war damit ein Spieler der VfR-Vorgeschichte, kein belegter VfR-Spieler nach 1924. Die Aufnahme in eine unkommentierte Liste berühmter VfR-Spieler wäre deshalb irreführend.
Hans Neger wechselte tatsächlich aus dem MTV-/VfR-Zusammenhang zur SpVgg und stand 1929 in der deutschen Meistermannschaft. Sein Lebensweg verbindet zwei konkurrierende Fürther Vereine. Eine ungeprüfte Verwandtschaft zu weiteren Fußballern namens Neger bleibt dagegen offen. Der als Vorsitzender und Pferdemetzger genannte Hans Held wiederum ist mit einem späteren Erinnerungsbericht verknüpft; sein Geburtsdatum und seine mögliche Rolle bei der Platzübernahme dürfen ohne Register- beziehungsweise Grundbuchbelege nicht geraten werden.
Auch die 1931er Mannschaftsaufstellung zeigt, warum die Quellenarbeit über Wikipedia hinausgehen muss: Emmert I und Emmert II sind getrennte zeitgenössische Spielnennungen, die keine nachgewiesene Brüderschaft begründen. In der Torliste steht „Wollf“, in der Aufstellung „Wolf“. Diese Differenz ist ein Prüfauftrag, nicht der Anlass, zwei Spielerbiografien zu erfinden.
Quellenkritik und offene Fragen
- Gründungs- und Vereinsregisterakten 1904, 1912, 1924, 1936 und 1939: rechtliche Kontinuität oder Neugründung?
- Originalbericht zur Auflösung im September 1936 und Namensliste der Gründer des VfB.
- Grundbuch, Pacht und Bauakte Magazinstraße; Eigentümerfolge Sahlmann.
- Vornamen und Lebensdaten der elf Spieler vom März 1931; Schreibkonflikt Wolf/Wollf.
- Originalberichte zu Paris 1925 und Portugal 1927.
Quellen: [2]; [1]; [4]; [3]. Familienerinnerungen und spätere Chroniken werden nicht als Originalurkunden ausgegeben.
Quellen
- [1]Nordbayern: Vereinsgeschichte des VfR Fürth↩ Zur Textstelle
- [2]Stuttgarter Kickersarchiv: VfR Fürth↩ Zur Textstelle
- [3]Historischer Überblick: VfR Fürth↩ Zur Textstelle
- [4]Fürther Chronik 1936↩ Zur Textstelle
- [5]Baugeschichte der Magazinstraße↩ Zur Textstelle
- [6]Süddeutsche Fußballmeisterschaft 1927/28↩ Zur Textstelle
- [7]Zeitgenössische Sportpresse, digitalisiert von der ULB Darmstadt↩ Zur Textstelle