Fürther Gaststätten · Historische Biografie

Hermann Weigmann: aus einer Fürther Wirtsfamilie zur Milchforschung

Hermann Weigmann (17. Januar 1856 Fürth–19. Februar 1950 Kappeln an der Schlei) stammte aus einer seit Jahrhunderten in Fürth nachweisbaren Familie. Sein Vater Johann Andreas Weigmann war Zinngießermeister sowie Händler für Zinnwaren, Porzellan und Glas; die NDB nennt ihn als Vater. Das Familiennetz verbindet Johann Andreas mit dem Gastwirt Andreas Weigmann vom „Goldenen…

Geschichte und Lebensweg

Hermann Weigmann (17. Januar 1856 Fürth–19. Februar 1950 Kappeln an der Schlei) stammte aus einer seit Jahrhunderten in Fürth nachweisbaren Familie. Sein Vater Johann Andreas Weigmann war Zinngießermeister sowie Händler für Zinnwaren, Porzellan und Glas; die NDB nennt ihn als Vater. Das Familiennetz verbindet Johann Andreas mit dem Gastwirt Andreas Weigmann vom „Goldenen Schwan“. Ein lokaler Beitrag des Altstadtvereins Fürth bezeichnet Marktplatz 2 ausdrücklich als Geburtshaus Weigmanns; die Stadt Fürth bestätigt für dieses Anwesen den früheren Gasthof „Goldener Schwan“, und die NDB nennt eine Gedenktafel am Geburtshaus. Damit ist Marktplatz 2 als heutiger Ortsanker gut gestützt. Die Familienchronik präzisiert die Nummernfolge: Haus Nr. 229 wurde 1840 zu Nr. 225; 1859 befanden sich Johann Andreas Weigmanns Werkstätte und Geschäft im Haus seiner Schwägerin Anna Jacobina Weigmann am Marktplatz 225. Da Hermann 1856 geboren wurde und ein lokaler Beitrag sein Geburtshaus als Marktplatz 2 identifiziert, ist 225 der plausible historische Haushalts-/Arbeitsort im Geburtszeitraum. Die Ortsinferenz 225 → heutige Adresse Marktplatz 2 ist damit stark gestützt, aber noch nicht anhand des zeitgenössischen Umnummerierungsverzeichnisses kollationiert. Nr. 229 bezeichnet die vorherige Nummer bis 1840 und ist nicht dieselbe zeitgleiche Adresse.

Seine Ausbildung führte von der Nürnberger Lateinschule und dem Realgymnasium (Abitur 1875) über den Militärdienst im bayerischen Jäger-Bataillon in Erlangen zu Studien der physiologischen Chemie an der Universität Erlangen (ab 1876) und der Naturwissenschaften an der TH München (ab 1877). 1879 bestand er die Prüfung für das höhere Lehramt; 1882 promovierte er in Erlangen mit einer Arbeit über Derivate der Opiansäure. Nach Stationen in Rostock begann er als Assistent Joseph Königs in Münster mit der Bakteriologie. 1888 arbeitete er bei Hans Vogel in dessen Memminger Labor für Brauerei und Milchwirtschaft.

Ab 1889 leitete Weigmann die neu eingerichtete bakteriologische Abteilung der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Kiel; 1893 wurde er Direktor und Professor. Eine seiner ersten bakteriologischen Arbeiten beschrieb im Dezember 1889 einen aus Molke isolierten Schleimbildner, Streptococcus hollandicus. Seine frühen Kieler Versuche zielten auf die kontrollierte Rahmsäuerung: Aus Buttermilch und gesäuertem Rahm gut arbeitender Molkereien gewann er Kulturen, veröffentlichte 1890 praktische Anleitungen zu ihrer Vermehrung und Anwendung, und die Reinkulturen wurden bald in der Molkereipraxis eingesetzt. Das ist ein konkreter Weg, auf dem Laborwissen in ein alltägliches Lebensmittelhandwerk gelangte.

Mit der wachsenden Erkenntnis, dass Nahrungsmittel Krankheitserreger übertragen konnten, veröffentlichte er 1891 über Krankheitserreger in Butter und reagierte 1892 auf die Hamburger Choleraepidemie mit einer Untersuchung zu Choleraerregern in Milch und Molkereiprodukten. 1897 empfahl er, Magermilch für Tierfutter zur Eindämmung der Rindertuberkulose zu pasteurisieren; 1900 sprach er sich für pasteurisierten Rahm zum Schutz der Verbraucher aus. Er untersuchte außerdem Fehlgärungen und Reifung bei Käse. Die Versuchsstation überführte Ergebnisse durch Ausbildung von Molkereifachleuten, Beratung von Betrieben und Vorträge in Verbänden und Vereinen in die Praxis. Ab 1895 wirkte Weigmann im redaktionellen Beirat der zweiten Abteilung des „Zentralblatts für Bakteriologie, Parasitenkunde und Infektionskrankheiten“ am fachlichen Austausch über technische Mikrobiologie mit.

1923 trat er in den Ruhestand und erhielt im selben Jahr den Ehrendoktor der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. Zu seinen späteren Standardwerken gehören das „Lehrbuch der Milchwirtschaft“ (1932) und das „Handbuch der praktischen Käserei“ (1933); weitere Werke behandelten Milchmikrobiologie, Käsefehler und Pasteurisierung. Die NDB verzeichnet eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus in Fürth sowie eine seit 1947 nach ihm benannte Straße in Kiel. Der Beitrag „Bollwerk zwischen alt und neu“ im Altstadtbläddla 42/08 nennt Marktplatz 2 ausdrücklich als Weigmanns Geburtshaus; die Stadtseite bestätigt das Gebäude als ehemaligen Goldenen Schwan. Das stützt den aktuellen Ortsbezug, löst aber noch nicht die historische Hausnummernfolge 229/225 auf.

Für den Fürther Alltagskontext dokumentieren städtische Untersuchungsberichte Milchprüfungen 1885/86, 1890 und 1899. Diese Zahlen zeigen die parallele kommunale Bedeutung der Milchhygiene; bislang ist kein direkter Austausch zwischen Weigmann und der Fürther Kontrollpraxis belegt. Quellenkritisch bleibt außerdem eine Familienabweichung offen: Die NDB-Genealogie nennt als Hermanns Mutter „Marie Claire N. N.“ mit Todesangabe „nach 1860“; die Familienchronik führt Anna Maria Clara Vogel (1819–1886) als Ehefrau Johann Andreas’ und Mutter der Kinder, darunter Herrmann Jacob (1856). Beide Angaben sind nicht ohne Einsicht in Tauf- und Heiratsmatrikel gleichzusetzen. Für die Entscheidung ist sein Taufeintrag der Schlüssel: Archion verzeichnet „Taufen 1855–1857“ (Signatur lokal 9.5.0001–321–018) mit alphabetischem Register; das Digitalisat ist zugänglich, aber nur nach Anmeldung einsehbar. Bis zur Bildkollation bleibt die Mutter-Kind-Zuordnung eine Familienrekonstruktion, nicht durch die NDB bestätigt.

Überlieferte Personen und Stationen

Hermann Weigmann

17.01.1856 Geburt Fürth; Abitur 1875 Nürnberg; physiologische Chemie Erlangen ab 1876, Naturwissenschaften TH München ab 1877; Lehramtsprüfung 1879; Promotion Erlangen 1882; Münster ab 1882, Memmingen 1888; Kieler bakteriologische Abteilung ab 1889, Direktor/Professor 1893; Reinkulturen ab 1890; Milchhygiene-/Pasteurisierungsschriften 1891–1900; redaktioneller Beirat ab 1895; Ehrendoktor 1923, Ruhestand 1923; Lehrbücher 1932/33; Tod 19.02.1950 Kappeln.

Hermann Weigmann (1856–1950) verbindet eine Fürther Wirts-, Handwerker- und Händlerfamilie mit der technischen Milchwissenschaft. Die NDB belegt seine Ausbildung, seine Laufbahn in Münster und Kiel sowie Forschungs- und Praxisleistungen: Reinkulturen zur kontrollierten Rahmsäuerung (1890), Arbeiten zu Krankheitserregern in Butter und Milch (1891/92), Pasteurisierungsempfehlungen (1897/1900), Ausbildung und Beratung von Molkereifachleuten und redaktionelle Arbeit ab 1895. Sie nennt eine Gedenktafel am Fürther Geburtshaus. Das Altstadtbläddla 42/08 identifiziert es als Marktplatz 2; die Stadt Fürth bestätigt den ehemaligen Gasthof „Goldener Schwan“. Die Familienchronik setzt die Nummernfolge präziser: Nr. 229 wurde 1840 zu Nr. 225; 1859 lagen Werkstätte und Geschäft von Johann Andreas im Haus seiner Schwägerin am Marktplatz 225. Damit ist 225 der plausible alte Haushalts-/Arbeitsort im Geburtszeitraum 1856. Die exakte Konkordanz 225 → Marktplatz 2 bleibt bis zur Prüfung der 1890er Umnummerierungsliste offen. Familienchronik und NDB widersprechen sich bei der Mutter: Anna Maria Clara Vogel/Weigmann (Chronik) versus „Marie Claire N. N.“ (NDB); Primärbeleg prüfen, Zuordnung nicht als gesichert ausgeben.

Historische Zuordnungen und Abgrenzungen

Hermann Weigmann: NDB nennt für die Mutter „Marie Claire N. N. († n. 1860)“; lokale Chronik nennt Anna Maria Clara Vogel († 1886) als Mutter Herrmann Jacobs. Keine Namensgleichsetzung ohne Matrikel. Geburtshaus Marktplatz 2 (lokales Altstadtbläddla; Stadt Fürth bestätigt Gebäudebezeichnung Goldener Schwan). Familienchronik: 229 → 225 im Jahr 1840; 1859 Johann Andreas’ Werkstätte im Haus seiner Schwägerin am Marktplatz 225. Daher ist 225 im Geburtszeitraum 1856 die plausible historische Hausnummer, aber die direkte Gleichsetzung 225 → Marktplatz 2 ist noch nicht mit der Umnummerierungsliste von 1890 geprüft. 229 ist die vorherige Nummer bis 1840. Mutterfrage bleibt bis zur Taufbuchkollation offen. Keine direkte Einwirkung auf Fürther Milchkontrollen behaupten.

Quellen und Literatur

  1. [1]Weigmann, Hermann (1856–1950)2020 · NDB 27 (2020), S. 605–607; Genealogie, Leben, Werkehttps://www.deutsche-biographie.de/sfz139779.html
  2. [2]Bollwerk zwischen alt und „neu“: Goldener Schwan und Marktplatz 22008 · Altstadtbläddla 42/08, PDF-Seite 13; Beitrag zum Goldenen Schwan / Marktplatz 2.https://www.fuerthwiki.de/wiki/images/archive/9/97/20250826201654%21Altstadtblaeddla_042_2008.pdf
  3. [3]Marktplatz 2 – ehemaliger Gasthof Goldener Schwan2026 · Fürther Glanzlichter; Beschreibung des historischen Gebäudes, erbaut 1681 und als Goldener Schwan genutzt.https://www.fuerth.de/kultur-freizeit/veranstaltungen-termine/fuerther-glanzlichter/marktplatz-2/
  4. [4]Fürth-St. Michael: Taufen 1855–18571856 · Signatur lokal 9.5.0001–321–018; enthält alphabetisches Register; Zeitraum 1855–1857.https://www.archion.de/de/alle-archive/bayern/landeskirchliches-archiv-der-evangelisch-lutherischen-kirche-in-bayern/dekanat-fuerth/fuerth-st-michael/198806
  5. [5]Familien- und Firmengeschichte Weigmann in Fürth1784–1895, hier Johann Andreas 1816–1892 · Chronologie 1843: Heirat und Kinderliste (Zeilen 73–87); 1860: gemeinsamer Hauskauf Königsstraße 246/132 (Zeile 128); Anschriften-/Nummernfolge, Originalquellen u. a. StAF Fach 18a W 56 und W 653 sowie Archion St. Michael sind am Seitenende genannt. Originale hier nicht erneut eingesehen.https://www.zinnfiguren-bleifiguren.com/Firmengeschichten/Weigmann_Fuerth/Weigmann_Fuerth.html
  6. [6]Übersicht über die am 1. Januar 1890 in Geltung tretende Neu-Nummerierung der Gebäude zu Fürth1890 · Verzeichnis der Straßen, Häuser, Hausbesitzer, Distrikte sowie der bisherigen und neuen Hausnummern; als Digitalisat bei FamilySearch nachgewiesen.https://wiki.genealogy.net/F%C3%BCrth/Adressbuch_1890

Weitere nachgewiesene Fundstellen

NDB 27 (2020), S. 605–607,;;;; Q470; lokale Kontrollserien 1885/86, 1890, 1899.;; (1890er Konkordanzverzeichnis, noch nicht eingesehen)

Weitere Forschungsfragen

Knut J. Heller, „Weigmann, Hermann“, Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 605–607 (); Altstadtverein Fürth, „Bollwerk zwischen alt und neu“, Altstadtbläddla 42/08, PDF S. 13 (; https://www.fuerthwiki.de/wiki/images/archive/9/97/20250826201654%21Altstadtblaeddla_042_2008.pdf); Stadt Fürth, „Marktplatz 2“ (; https://www.fuerth.de/kultur-freizeit/veranstaltungen-termine/fuerther-glanzlichter/marktplatz-2/); Archion, Fürth-St. Michael, Taufen 1855–1857, Signatur 9.5.0001–321–018 (; https://www.archion.de/de/alle-archive/bayern/landeskirchliches-archiv-der-evangelisch-lutherischen-kirche-in-bayern/dekanat-fuerth/fuerth-st-michael/198806); Q470; Milchprüfungsberichte 1885/86, 1890, 1899.; Weigmann-Familienchronik, Anschriften 1784–1890 und Eintrag 1859 (); zeitgenössisches Verzeichnis „Übersicht über die am 1. Januar 1890 in Geltung tretende Neu-Nummerierung der Gebäude zu Fürth“ als noch zu kollationierender Konkordanzpfad ()

Forschungsstand und historische Abgrenzungen

Die Darstellung beruht auf datierten Personen- und Betriebsnachweisen. Sie belegt nicht automatisch Eigentum, Familienbeziehungen oder den ununterbrochenen Fortbestand eines Lokals.

Einzelne Vor- und Nachfolger, historische Hausnummern und persönliche Beziehungen bleiben offen, wo die Originalquellen keine eindeutige Zuordnung erlauben.

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