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Fürther Biografien · Zinnfiguren und Gewerbe
Albrecht Wilhelm Städtler – der Graveur, der Haffners Firma übernahm
Auf den Schachteln stand weiterhin der Name Johann Haffner. Der Unternehmer dahinter war jedoch ein anderer: Albrecht Christian Alexander Wilhelm Städtler, ein ausgebildeter Graveur, führte die traditionsreiche Fürther Zinnfigurenfabrik von Ende 1892 bis 1898. Seine Geschichte zeigt, wie viel handwerkliche Erfahrung, technische Neuerung und wechselnde Eigentümer in einem vertrauten Firmennamen verborgen sein können.
Ein Graveur aus Nürnberg
Die von Bernhard Schwarz zusammengestellte Fachchronik verfolgt Städtlers Weg als Graveur und Unternehmer. Sie nennt unter anderem Lehrverhältnisse: 1887 begann Gustav Friedrich Maier bei ihm die Ausbildung zum Graveur; Ludwig Frank erhielt 1888 sein Lehrzeugnis. Städtler war damit nicht nur selbst Handwerker, sondern vermittelte Fachkenntnisse an jüngere Kollegen. 1891 verlegte er seinen Betrieb in die Nürnberger Wielandstraße 15.
Die unterschiedlichen Vornamen in den Quellen sind kein hinreichender Grund, zwei Unternehmer anzulegen. Die Fachchronik berichtet von einem Beschluss des Nürnberger Stadtmagistrats vom 25. Dezember 1888, der Albrecht Christian Alexander Städtler gestattete, zusätzlich „Wilhelm“ zu führen. Der 1892 in der Literatur genannte „Wilhelm Städtler“ ist daher plausibel mit Albrecht Städtler identisch. Eine endgültige personenscharfe Freigabe erfordert jedoch den Originalbeschluss und das Handelsregister.
15. Dezember 1892: ein bekannter Name wechselt den Besitzer
Am 15. Dezember 1892 übernahm Städtler nach der Firmenchronik die Fürther Zinnfigurenfabrik von Konrad Haffner. Fortan firmierte sie als „Johann Haffner’s Nachfolger“. Das war kein neuer Betrieb des 1874 verstorbenen Gründers Johann Haffner, sondern eine Fortsetzung unter neuem Eigentümer. Für März 1893 nennt die Fachchronik Städtlers Wohnsitz Mathildenstraße 28 in Fürth.
Das Nebeneinander der Adressen Mathildenstraße 14 und 28 erklärt sich durch eine historische Umnummerierung, nicht notwendig durch einen Werkstattumzug. Der 2012 veröffentlichte Fachaufsatz von Martin Schabenstiel nennt die Umnummerierung im Jahr 1890. Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn Firmenadressbücher, Hausakten und Ausstellungsstücke zusammengeführt werden.
Eine Verpackung als technische Neuerung
Ein Beispiel für Städtlers technische Arbeit liefert die sogenannte Schlossgarde-Serie. Schabenstiel untersucht ein Ensemble mit 22 Figuren, das preußische Gardisten und den Kaiser im Weißen Saal zu Berlin zeigt. Der Aufsatz datiert die Serie aufgrund der dargestellten Uniformen und der charakteristischen Figurensockel ungefähr auf 1893 bis 1896.
Städtler ließ 1893 eine Verpackung mit aufrecht befestigten Figuren als Gebrauchsmuster eintragen. Die Konstruktion ermöglichte, die bemalten Zinnfiguren im Karton sichtbar aufzustellen. Das zeigt, dass der Verkaufserfolg nicht allein von den Figuren abhing, sondern auch von ihrer Präsentation. Der Fachaufsatz bietet einen technischen Befund; das originale Gebrauchsmusterblatt muss für die exakte Formulierung des Schutzanspruchs noch eingesehen werden.
1898: Verkauf an Otto Bing
Am 4. August 1898 erwarb Otto Bing die Haffner-Nachfolgerfirma. Diese Datierung wird unabhängig von der ausführlichen Firmenchronik im Nürnberger Künstlerlexikon genannt. Bing vereinigte den Betrieb mit der von ihm übernommenen Zinnfigurenfabrik C. L. Besold in der Nürnberger Reindelstraße 4. 1902 verkaufte er das Unternehmen an Max Erlanger. Städtlers Eigentümerphase war damit beendet; der Markenname blieb.
Aus der späteren Unternehmensgeschichte darf kein Sterbe- oder Wegzugsdatum Städtlers abgeleitet werden. Sein weiterer Lebensweg, seine Familie und die genauen Umstände des Verkaufs von 1898 sind noch offen. Die originale Magistratsentscheidung von 1888, die Gewerbeakten von 1892/93 und die Handelsregistereinträge von 1898 sind die nächsten entscheidenden Prüfstellen.
Quellen
- [1]Bernhard Schwarz: Städtler, Fürth – Graveur und Firmenchronik – Angaben zur Namensführung, Ausbildung und Geschäftsübernahme; mit Aktenhinweisen
- [2]Martin Schabenstiel: Die Kgl. Preußische Schlossgarde-Kompanie, Die Zinnlaube, Heft 2 (2012) – Analyse von Figuren, Verpackung, Datierung und Hausnummern
- [3]Nürnberger Künstlerlexikon, Eintrag Otto Bing – Erwerb der Firma am 4. August 1898 und Verkauf am 1. April 1902
- [4]Bernhard Schwarz: Haffner-Firmenchronik – Unternehmensfolge, zeitgenössische Anzeigen und Adressen
Quellenkritik: Der Fachaufsatz und das Künstlerlexikon bestätigen zentrale Zusammenhänge, doch die personenbezogenen Daten der Städtler-Chronik wurden nicht vollständig anhand der Originalakten verifiziert. Deshalb werden hier weder ungesicherte Lebensdaten noch Bildrechte ergänzt.