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Fürther Biografien · Handwerk, Familie und Unternehmensgeschichte
Konrad Haffner – der zweite Zinnfigurenfabrikant
In diesem Artikel 10 Kapitel und Abschnitte
Als Konrad Haffner 1904 in der Amalienstraße wieder eine Zinnfigurenfabrikation begann, lag die Übernahme des väterlichen Betriebs längst hinter ihm. Seine Biografie erzählt von einem ausgezeichneten Graveur, einer nicht geradlinigen Unternehmensnachfolge und einem späten zweiten Anfang. Sie erklärt zugleich, warum der Name „Johann Haffner“ auf einer Schachtel nicht verrät, wer sie tatsächlich hergestellt hat.
1838 bis 1856: in einer Werkstatt aufgewachsen
Konrad Haffner wurde nach der dokumentierten Familienchronik am 20. Mai 1838 in Fürth geboren. Sein Vater Johann Haffner hatte im selben Jahr die Zinnfigurenproduktion begonnen; seine Mutter Dorothea Johanna Juliana, geborene Schwemmer, brachte entscheidende Vermögensmittel in die Unternehmensgründung ein. Die Familienchronik nennt für Konrad einen Besuch der Fürther Gewerbe- und Handelsschule zwischen 1849 und 1851. Nach seiner Ausbildung im Betrieb des Vaters wurde er am 5. Januar 1856 von der Zinngießerlehre freigesprochen.
In dieser Branche benötigte ein Unternehmer mehr als Geschick beim Gießen. Er musste Formen entwerfen, sie gravieren, mit Farben und Motiven umgehen können und Waren für den Handel vorbereiten. Bei Konrad lässt sich ein Teil dieser Fähigkeiten sogar in der Prüfungsüberlieferung greifen: 1862 wurde ausdrücklich seine zeichnerische und graviertechnische Arbeit hervorgehoben.
1862: Meister werden, ohne sofort selbstständig zu arbeiten
Am 8. März 1862 bestand Konrad laut den von Bernhard Schwarz ausgewerteten Magistratsakten die Befähigungsprüfung. Die Kommission zeichnete insbesondere sein Zeichnen und Gravieren der Formen aus. Konrad beantragte daraufhin eine eigene Zinngießerkonzession sowie das Fürther Bürgerrecht. Im Gesuch wird die überregionale Absatzfähigkeit von Zinnfiguren als Argument genannt: Die neue Lizenz bedrohe das bereits konzessionierte örtliche Handwerk nicht.
Die Genehmigung bedeutete zunächst aber keine neue, selbstständig betriebene Fabrik. Am 5. August erklärte Konrad der Behörde nach der überlieferten Aktenabschrift ausdrücklich, dass er die Konzession vorläufig nicht selbst nutze und weiter im väterlichen Geschäft bleiben werde. Die häufige Gleichsetzung von „Meister seit 1862“ und „eigener Fabrik seit 1862“ wäre daher irreführend.
Zur Finanzierung einer möglichen Selbstständigkeit war laut Gesuch eine väterliche Unterstützung von 1.500 Gulden vorgesehen. Seine Heiratsplanung spielte ebenfalls eine wirtschaftliche Rolle. Am 19. Mai 1862 heiratete er Kunigunda Babetta Christophine Heerdegen. Ob die im Antrag genannten Vermögenswerte anschließend tatsächlich vollständig in den Betrieb flossen, ist nicht nachgewiesen.
Zwei Ehen und eine Patchworkfamilie im 19. Jahrhundert
Die Familiengeschichte war von Verlusten geprägt. Konrads erste Frau Kunigunda Babetta Christophine, geborene Heerdegen, starb nach der von Bernhard Schwarz dokumentierten Familienrekonstruktion am 15. August 1875. Bereits zwei ihrer gemeinsamen Söhne, Johann Christoph (1862–1863) und Johann Christoph Wilhelm (1863–1864), waren im Kleinkindalter gestorben. Die Daten stammen aus der Rekonstruktion auf Grundlage historischer Personen- und Verwaltungsakten; die ursprünglichen Registereinträge sind noch nachzuprüfen.
Am 7. April 1876 beantragte Konrad ein Verehelichungszeugnis; am 24. April heiratete er Johanna Maria Sibylla Höhn, geborene Goldberg (geboren am 25. Juli 1843), die Witwe des Nürnberger Kaufmanns Johann Georg Leonhard Höhn. Sie brachte ihren 1869 geborenen Sohn Johann Georg Höhn in die Ehe. Aus dieser zweiten Verbindung nennt die Fachchronik Max Haffner (1876), Frieda Haffner (1877–1878) und Frida Haffner (1880). Die ähnlichen Namen Frieda und Frida bezeichnen in der Rekonstruktion zwei getrennte Kinder, nicht bloß einen Schreibfehler.
Die Angaben zeigen eine mehrfach veränderte Familie und machen den Einschnitt von 1875/76 sichtbar. Was die Eheleute selbst über die Wiederheirat dachten oder wie der Alltag mit den Kindern aussah, lässt sich daraus nicht ableiten. Auch der weitere Lebensweg der zweiten Frau bleibt erst zu erforschen.
Vom Sohn zum Chef: eine schrittweise Übergabe
Die Firmengeschichte unterscheidet mehrere Phasen: Schon 1858 übernahm Konrad offenbar praktische Leitungsaufgaben, während sein Vater später als Privatier in den Adressbüchern erscheint. Eine auf den 27. Juni 1871 datierte Zeitungsanzeige nennt die Firma „Johann Haffner“ mit Konrad als Inhaber; die Produktion war nun in der Mathildenstraße. 1885 wird Konrad schließlich als Alleininhaber bezeichnet. Die Begriffe Leitung, Firmeninhaberschaft und rechtlicher Alleinbesitz betreffen also unterschiedliche Zeitpunkte.
Die Mathildenstraße 14 wurde später zur Nummer 28 umnummeriert. Ein vermeintlicher Umzug zwischen diesen beiden Anschriften muss daher gegen die historische Hausnummerierung geprüft werden. Dass die Firma weiter „Johann Haffner“ hieß, machte diese Geschichte für spätere Sammler besonders unübersichtlich: Nicht jede unter dem Namen vertriebene Figur stammt aus der Hand des Firmengründers.
1892: der Name bleibt, der Eigentümer wechselt
Nach der Firmenrekonstruktion übernahm Albrecht Christian Alexander Wilhelm Städtler den Betrieb am 15. Dezember 1892. Der Name lautete fortan „Johann Haffner’s Nachfolger“. Dass andere Veröffentlichungen den Käufer „Wilhelm Städtler“ nennen, ist nicht zwingend ein zweiter Unternehmer: Die Fachchronik berichtet von einer behördlich bewilligten Erweiterung seiner Vornamen im Jahr 1888. Diese Identifizierung ist plausibel, aber noch anhand der originalen Magistrats- und Handelsregisterakten zu kontrollieren.
Die Nachfolgerfirma wanderte weiter: 1898 übernahm Otto Bing den Betrieb und verlagerte ihn nach Nürnberg; 1902 folgte Max Erlanger. Diese beiden Transaktionen werden auch im Nürnberger Künstlerlexikon aufgeführt. Sie sind nicht mit Konrads späterem eigenen Unternehmen zu verwechseln.
Eine Schlossgarde aus Zinn: Fortschritte nach dem Eigentümerwechsel
Wie anspruchsvoll das Sortiment geworden war, lässt sich an einer Serie erkennen, die der Historiker Martin Schabenstiel anhand eines erhaltenen Nachfolgerkatalogs untersucht hat: Die „Schlossgarde vor Kaiser Wilhelm II. im weissen Saal zu Berlin“ umfasste nach der Katalogbeschreibung 22 Figuren, darunter Kaiser, Offiziere, Fahnenträger und Grenadiere. Die großen, fein bemalten Flachfiguren hatten eine Kataloghöhe von ungefähr 80 Millimetern. Ihre aufwendige Verpackung gehörte zum Geschäftskonzept.
Schabenstiel datiert die Herstellung aufgrund von Verpackungstechnik, Figurenmerkmalen und der dargestellten Uniformen auf etwa 1893 bis 1896. Der neue Inhaber Albrecht Städtler hatte im September 1893 ein Gebrauchsmuster für eine Verpackung mit aufrecht befestigten Zinnfiguren angemeldet. Damit ist gerade dieses Produkt ein Beispiel dafür, wie sich die Firma nach Konrads Verkauf weiterentwickelte. Eine Zuschreibung an Konrad wäre trotz des weiterbenutzten Namens „Johann Haffner“ falsch.
Der Aufsatz nennt darüber hinaus einen wichtigen Immobilienhinweis: Johann Haffner habe bereits 1865 an der Mathildenstraße 14 ein Wohn- und Geschäftshaus errichtet; nach der Umnummerierung von 1890 hieß das Grundstück Mathildenstraße 28. Die Firmenchronik datiert die Verlagerung der Produktion dorthin auf 1871. Diese beiden Jahreszahlen beschreiben damit unterschiedliche Vorgänge – Bau und spätere Verlegung – und müssen nicht im Widerspruch stehen.
1904: ein zweiter Anfang in der Amalienstraße
Der überraschendste Abschnitt beginnt zwölf Jahre nach dem Verkauf. Bernhard Schwarz dokumentiert für 1904 die erneute Zinnfigurenfabrikation Konrad Haffners in der Fürther Amalienstraße 70. Er verweist auf eine Anzeige in der Deutschen Zinngießer-Zeitung, Nr. 8 vom 27. Februar 1904, und nennt 1910 als Ende dieser Produktion. Das ist ein bedeutsamer Hinweis auf die eigenständige spätere Tätigkeit des ehemaligen Firmeninhabers.
Weder Umfang und Belegschaft der zweiten Werkstatt noch ihr konkretes Sortiment lassen sich aus den bisher eingesehenen Quellen sicher bestimmen. Der reproduzierte Zeitungsausschnitt und die Gewerbe- beziehungsweise Handelsregister müssen im Original abgeglichen werden, bevor sich diese zweite Firma umfassend darstellen lässt. Ein Todesdatum Konrad Haffners ist aus diesem Quellenstand ebenfalls nicht zuverlässig abzuleiten.
1910: Fürth verlassen, Lebensende noch offen
Die Fachchronik nennt als letzten konkreten Wohnortwechsel den 22. März 1910: Konrad habe sich von Fürth nach Schwerte an der Ruhr abgemeldet und sei später zu seinem Sohn Max nach Weißenbronn gezogen. Der Sohn Max hatte 1899 Maria Margareta Steigauf geheiratet; für sein späteres Wohnumfeld wird Weißenbronn genannt. Ob Konrad dort gestorben ist, lässt sich aus der Abmeldung gerade nicht erschließen. Ein Sterbeeintrag oder ein späterer Meldebogen wäre dafür erforderlich.
Besondere Vorsicht verlangt eine weitere Namensgleichheit: Eine Nürnberger Spielwarenübersicht verzeichnet 1930 einen „Konrad Haffner“ als Hersteller von Eisenbahnen und bezeichnet ihn als nicht mit Johann Haffner und seinen Nachfolgern verwandt. Ohne Adressbucheintrag, Geburtsdaten und Gewerbeakte darf dieser Nürnberger Namensvetter nicht mit dem Fürther Zinnfigurenfabrikanten von 1838 gleichgesetzt werden.
Was seine Lebensgeschichte über Fürth erzählt
Konrad Haffner war weder nur „der Sohn“ noch der unveränderte Fortsetzer eines einzigen Betriebs. Er war ein selbst ausgebildeter Fachmann, leitete über Jahrzehnte ein exportorientiertes Gewerbe und suchte nach dem Verkauf erneut eine unternehmerische Möglichkeit. Zugleich zeigt seine Geschichte die Grenzen der überlieferten Quellen: Für Werkstattbeschäftigte, Heimarbeiterinnen und die familiären Entscheidungen haben wir bislang vor allem indirekte Spuren.
Die noch ungeklärten Punkte gehören ausdrücklich zur Forschung: Die originale Meister- und Konzessionsakte von 1862, die Zeitungsanzeige von 1871, die Eigentumsübertragung von 1892, die Ausgabe der Deutschen Zinngießer-Zeitung von 1904 und Gewerbeeinträge bis 1910 müssen weiter geprüft werden.
Quellen
- [1]Bernhard Schwarz: Johann und Konrad Haffner – Firmen- und Familienchronik – mit wiedergegebenen Aktenauszügen von 1852, 1862 und 1865 sowie Zeitungsbelegen 1871 und 1904
- [2]TRIX-EXPRESS-Freunde: Johann Haffner und Andreas Förtner – Überblick zur schrittweisen Nachfolge und zu Otto Bing; bezieht sich teilweise auf die vorgenannte Chronik
- [3]Nürnberger Künstlerlexikon (Digitalvorschau) – Eintrag Otto Bing: Erwerb der Haffner-Nachfolgerfirma 1898, Verkauf 1902
- [4]Martin Schabenstiel: Die Kgl. Preußische Schlossgarde-Kompanie, Die Zinnlaube, Heft 2 (2012), S. 5–9 – ausgewerteter Nachfolgerkatalog, Produktionsdatierung 1893–1896, Eigentümer- und Hausnummernfolge; Fachaufsatz, kein Handelsregisteroriginal
- [5]Dieter Weißbach: Nürnberg, die Spielzeug-Metropole – nennt den 1930 im Nürnberger Adressbuch geführten, laut dieser Darstellung nicht verwandten Konrad Haffner; Originaladressbuch noch zu prüfen
- [6]Germanisches Nationalmuseum: „Ritterturnier“, SZ3269,0 – unabhängiger Sachbeleg für das Gewerbe der Haffner-Werkstatt um 1840, keine personenscharfe Konrad-Zuschreibung
Quellenkritik: Die detaillierten Lebensdaten und amtlichen Vorgänge sind bislang über die zitierende Fachchronik erschlossen, nicht durch eine erneute Einsicht sämtlicher Originalakten bestätigt. Weder das Datum eines Todes noch Fotografien und Bildrechte werden ohne Beleg ergänzt.