Fürther Sportgeschichte

Georg Dengler: vom Läufer zum Organisator

Am 22. Oktober 2016 ehrte der TV Fürth 1860 Georg Dengler für 75 Jahre Mitgliedschaft. Wenige Wochen später starb er. Sein Weg verbindet die Leichtathletik der Nachkriegszeit mit dem LAC Quelle und dem ehrenamtlichen Sportbetrieb.

In diesem Artikel 14 Kapitel und Abschnitte
Georg Denglers Laufbahn: Vereinseintritt 1941, Meisterschaftsbronze 1950, Verbandsamt 1964, Olympia-Kampfrichter 1972, Ehrenbrief 2013 und Vereinsehrung 2016.
Sechs Stationen zwischen Wettkampf und Ehrenamt. Grafik: Kleeblattmuseum; Zeitabstände nicht maßstäblich. Nachweise: Vereinsnachruf beim BLV (1941, 1972, 2016), Meisterschaftsergebnis 1950, BLV-Jahrbuch 1964, S. 30 und Bericht zur Ehrung 2013. Historisches Porträt beim BLV ansehen (Bildnachweis dort: privat). Gruppenfoto der Ehrung von 2013 ansehen (Foto: Wunder).

Ein Vereinsleben seit 1941

Dengler trat dem Turnverein im Herbst 1941 bei und betrieb zunächst Laufen und Handball. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg setzte er seine Läuferlaufbahn am Lohnert-Spielplatz fort. Der Nachruf des LAC Quelle im Bayerischen Leichtathletik-Verband erinnert an ihn als 800-Meter-Läufer und nennt zwei Länderkämpfe. Er gehörte damit zu den Fürther Athleten, deren sportliche Erfahrungen später in die Vereinsarbeit einflossen. [3]

1950: Eine Medaille über die Hürden

Die Nachrufe betonen den 800-Meter-Läufer. Ein zeitgenössischer Zeitungsbeleg erweitert dieses Bild: Das Volk meldete am 8. August 1950 bei den deutschen Meisterschaften einen dritten Platz für Dengler vom TV Fürth über 400 Meter Hürden in 55,8 Sekunden. Vor ihm lagen Karl Kohlhoff und Waldemar Richter. Die historische Meisterschaftsdatenbank nennt dazu den Vornamen Georg, den TV Fürth 1860 und den 5. August 1950 als Wettkampftag in Stuttgart. Hier ergänzen sich zeitnahe Presse und spätere Ergebniserschließung. Der Befund zeigt eine sportliche Vielseitigkeit, die in einer allein auf die Mittelstrecke konzentrierten Erinnerung leicht verloren geht. Denglers aktive Laufbahn war damit auch auf nationaler Meisterschaftsebene sichtbar. [6]

Was der Zeitungsfund zusätzlich leistet

Der Bericht von 1950 ordnet das Ergebnis in die deutschen Meisterschaften im Stuttgarter Neckarstadion ein. Für Denglers Biografie ist daran vor allem der frühe, zeitnahe Nachweis wichtig. Er entstand Jahrzehnte vor den Nachrufen und unabhängig von deren späterer Würdigung eines Vereinsorganisators. Die Zeitung nennt in der Ergebniszeile nur den Nachnamen; die spätere Datenbank erschließt den vollständigen Namen. Beide Quellen zusammen tragen die Zuordnung zum Fürther Athleten. Die Leistungen seiner Nachkriegsjahre müssen dadurch nicht allein aus Erinnerungen von 2016 rekonstruiert werden. Die genaue Entwicklung von Training und Disziplinwechseln bleibt dagegen ohne weitere persönliche Unterlagen offen. [7]

Vom eigenen Start zum Training anderer

Bis 1970 leitete Dengler das Training und die Leichtathletikabteilung. Der Verbandsnachruf verbindet diese Jahre mit Erfolgen junger Sprinter. Seine Rolle veränderte sich damit vom Wettkämpfer zum Menschen, der Trainingsarbeit und Organisation übernahm. Diese Aufgaben sind für eine Vereinsgeschichte ebenso wichtig wie einzelne Bestleistungen: Sie betreffen die Bedingungen, unter denen weitere Sportlerinnen und Sportler heranwachsen. [3]

1964: Verbandsarbeit im Originaljahrbuch

Eine weitere Station steht bereits in einem zeitgenössischen Verbandsdokument. Das Jahrbuch der bayerischen Leichtathletik 1964 führt Georg Dengler auf der gedruckten Seite 30 als zweiten Vorsitzenden des Bezirks Mittelfranken. Dazu ist eine Fürther Kontaktadresse in der Steubenstraße angegeben. Der Originalscan bestätigt damit eine konkrete Funktion lange vor der späteren Ehrenvorsitzendenrolle im LAC. Er zeigt zugleich, dass Denglers Arbeit über den eigenen Verein hinausreichte. Eine solche Funktionsliste erzählt wenig über den täglichen Aufwand, ist aber für Amt und Zeitpunkt aussagekräftiger als eine rückblickende allgemeine Würdigung. Aus der dortigen Kontaktadresse folgt noch keine vollständige Wohn- oder Hausgeschichte. [8]

Weitere Jahrbücher dokumentieren seine Verbandsarbeit

Die Funktionslisten des BLV erlauben mehrere datierte Einblicke. Im Jahrbuch 1976/77 erscheint Dengler erneut unter den Bezirksvorsitzenden und ihren Stellvertretern für Mittelfranken; die Liste trägt den Stand 1. Oktober 1976. Auch das Jahrbuch 1989 nennt ihn in dieser Gruppe neben Hans Axmann und Walter Breindl. Zusammen mit dem Nachweis von 1964 werden damit mehrere Stationen einer langen Verbandstätigkeit greifbar. Die einzelnen Listen belegen die jeweiligen Stände. Eine lückenlose Amtszeit zwischen sämtlichen Ausgaben ist damit allein noch nicht nachgewiesen. [1] · [2]

Die neue Quelle-Ära

Die Umbenennung der Abteilung zum LAC Quelle Fürth fiel in den November 1969. In der neuen Struktur wirkte Dengler als Ehrenvorsitzender weiter. Damit verkörperte er eine Verbindung zwischen der älteren Turnvereinsabteilung und dem nun stärker geförderten Leistungssport. Der Vereinsname änderte sich; Erfahrung und persönliche Mitarbeit wurden weiterhin gebraucht. [5]

Beruf und Sport im selben Stadtleben

Die von Gert Kuntermann bearbeitete Fürther Jahreschronik verzeichnet unter dem 2. März 1982 eine städtische Ehrung Denglers zum vierzigjährigen Dienstjubiläum. Sie beschreibt ihn als technischen Angestellten der Rohrnetzabteilung und verbindet diese berufliche Station mit seiner ehrenamtlichen Arbeit als Trainer, Abteilungsleiter und Organisator des Pfingstsportfestes. Diese Angabe stammt aus einer späteren Chronikbearbeitung, nicht aus einer hier eingesehenen Personalakte. Sie eröffnet dennoch eine wichtige Perspektive: Denglers Vereinsarbeit stand neben einer langjährigen Berufstätigkeit. Für eine Stadtgeschichte gehören beide Bereiche zusammen. Der Sport wurde nicht nur durch prominente Geldgeber getragen, sondern auch durch Menschen, die nach ihrer beruflichen Arbeit weitere Verantwortung übernahmen. [9]

2013: Fünfzig Jahre für das Sportabzeichen

Ein Bericht vom März 2013 macht den Umfang einer dieser Aufgaben konkreter. Bei einer Ehrung im Fürther Rathaus dankte Oberbürgermeister Thomas Jung drei Sportabzeichenprüfern: Georg Dengler für fünfzig Jahre, Alfred Engelhardt für vierzig und Heinz Wiesner für dreißig Jahre Tätigkeit. Dengler erhielt den Ehrenbrief damit im Umfeld einer ausdrücklich beschriebenen, langjährigen praktischen Arbeit. Das Sportabzeichen steht für eine andere Seite des Sports als deutsche Meisterschaften oder Olympia: Hier geht es um die sportlichen Leistungen vieler einzelner Teilnehmer. Die Ehrung verbindet seine Biografie deshalb mit einer breiten städtischen Sportpraxis. Sie belegt die anerkannte Dauer seiner Mitarbeit, ohne jeden einzelnen Prüfungstermin rekonstruieren zu müssen. [10]

Olympia auf der anderen Seite des Wettkampfs

Als besonders schönes Erlebnis nennen die Nachrufe seine Berufung zum Kampfrichter bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Während Bernd Kannenberg dort olympisches Gold gewann, gehörte Dengler zu den Menschen, die Wettkämpfe ermöglichten und begleiteten. Seine Tätigkeit führte ihn außerdem in die regionale Verbandsarbeit und zu den Prüfungen für das Sportabzeichen. [4]

Anerkennung für lange Mitarbeit

Die Fürther Nachrichten berichteten am 16. November 2016, dass Dengler am 9. November im Alter von 92 Jahren gestorben war. Der Bericht erinnerte an den Ehrenbrief der Stadt Fürth und das Bundesverdienstkreuz. Die Auszeichnungen stehen neben der letzten Vereinsehrung vom Oktober. Sie machen sichtbar, wie eng seine eigene Sportbiografie mit jahrzehntelanger Arbeit für andere verbunden war. [4]

Was die Nachrufe erzählen

Die Darstellung stützt sich überwiegend auf Erinnerungen aus seinem sportlichen Umfeld. Der Zeitungsnachruf und der später veröffentlichte Verbandstext weisen große inhaltliche Überschneidungen auf; sie sind deshalb nicht als zwei vollständig unabhängige Lebensbeschreibungen zu behandeln. Für die Bewertung seines Wirkens ist ihre gemeinsame Perspektive dennoch aufschlussreich: Er blieb als Athlet, Trainer und Organisator in Erinnerung.

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Quellen

  1. [1]Bayerischer Leichtathletik-Verband: Jahrbuch 1976/77, S. 10 (PDF-S. 12). Zeitgenössische Funktionsliste, Stand 1. Oktober 1976; Originalscan geprüft.↩ Zur Textstelle
  2. [2]Bayerischer Leichtathletik-Verband: Jahrbuch 1989, S. 18 (PDF-S. 19). Zeitgenössische Funktionsliste; Originalscan geprüft.↩ Zur Textstelle
  3. [3]LAC Quelle Fürth: Fürther Funktionärs- und Sportlerinstanz Georg Dengler verstorben, BLV, 24. November 2016. Vereinsnachruf zu sportlicher Laufbahn, Trainingsarbeit und Ämtern.↩ Zur Textstelle
  4. [4]Fürther Nachrichten: Der schnelle Fürther Georg Dengler ist tot, 16. November 2016. Zeitungsnachruf mit Sterbetag und Erinnerungen an ehrenamtliche Aufgaben; inhaltlich eng mit dem Vereinsnachruf verwandt.↩ Zur Textstelle
  5. [5]TV Fürth 1860: Hall of Fame, Werner Kaminski, November 2019. Datierung der Umbenennung auf den 10. November 1969.↩ Zur Textstelle
  6. [6]Holtermann/Schoch: Deutsche Leichtathletikmeisterschaften 1950, Event 75. Historische Ergebnisdatenbank: Georg Dengler, 400 Meter Hürden, Bronze, 5. August 1950.↩ Zur Textstelle
  7. [7]Das Volk, 8. August 1950, S. 4, Digitalisat der Badischen Landesbibliothek. Zeitgenössischer Ergebnisbericht; OCR-Text geprüft, Zeit und Verein mit Ergebnisdatenbank abgeglichen.↩ Zur Textstelle
  8. [8]Bayerischer Leichtathletik-Verband: Jahrbuch der bayerischen Leichtathletik 1964, S. 30 (PDF-S. 32). Zeitgenössische Primärquelle; Funktion und Kontaktadresse im Originalscan bildgeprüft.↩ Zur Textstelle
  9. [9]Gert Kuntermann: Fürth 1982, gekürzt von Bernd Jesussek für FürthWiki, 25. März 2025, Eintrag 2. März. Spätere Chronikbearbeitung als Beleg für die berichtete berufliche Ehrung; Personalakte nicht eingesehen.↩ Zur Textstelle
  10. [10]Marktspiegel: Hohe Anerkennung für ehrenamtliches Engagement, 26. März 2013. Zeitgenössischer Bericht zur Verleihung des städtischen Ehrenbriefs.↩ Zur Textstelle

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