Fürther Sportgeschichte
Wie Quelle den Fürther Spitzensport veränderte
Sitzungen in der WBG, eine Läuferwohnung in der Kaiserstraße und die Unterstützung der Familie Schickedanz: Hinter dem Namen LAC Quelle standen konkrete Menschen und praktische Voraussetzungen für Leistungssport.
In diesem Artikel 15 Kapitel und Abschnitte

Ein neuer Name auf bestehendem Fundament
Am 10. November 1969 wurde die Leichtathletikabteilung des TV Fürth 1860 in LAC Quelle Fürth umbenannt. So datiert es der Vereinsrückblick von Werner Kaminski aus dem November 2019. Es begann keine Sportgeschichte ohne Vorgänger: Der neue Name knüpfte an die Leichtathletik des Turnvereins an. Die Vereinsstatistik unterscheidet entsprechend Leistungen vor 1970 unter TV Fürth 1860 von den späteren LAC-Jahren. [3]
Ein Vermittler zwischen Wirtschaft und Sport
Zum ersten Vorsitzenden wurde Karl-Heinz Conrad gewählt. Der spätere Vereinsnachruf beschreibt den WBG-Geschäftsführer als Vermittler zu Gustav Schickedanz. In WBG-Geschäftsräumen auf der Hardhöhe wurde über Trainingslager, Neuzugänge und Ernährungskostenzuschüsse beraten. Conrad initiierte außerdem eine Läuferwohnung in der Kaiserstraße 1. Der Rückblick lässt damit erkennen, wie viele organisatorische Fragen hinter einer sportlichen Leistung standen. Conrad war 1967 aus beruflichen Gründen nach Fürth gekommen und hatte dort Anschluss an die Läuferszene gefunden. Seine Geschichte zeigt, wie berufliche Kontakte und ehrenamtliche Verantwortung ineinandergreifen konnten. Die WBG war dabei ein Ort der Beratungen und Conrads berufliches Umfeld; sie wird dadurch nicht automatisch zum nachgewiesenen Finanzier sämtlicher besprochener Vorhaben. [4]
Förderung wird räumlich sichtbar
Conrad bat Schickedanz auch, die Kosten einer Kunststoffbahn in Dambach zu übernehmen. Der Nachruf belegt die Initiative, ersetzt jedoch keine Bauabrechnung. Das ist für die Bewertung von Sponsoring wesentlich: Ein persönlicher Kontakt, eine Bitte und eine tatsächlich bezahlte Summe sind verschiedene Sachverhalte. Die Geschichte der Förderung lässt sich an solchen konkreten Vorgängen besser erklären als allein an einem Firmennamen auf Sportkleidung. [4]
Von der Aufbauphase zur dauerhaften Anlage
Die Halle von 1989 entstand mit Unterstützung der Familie Schickedanz. Bei der Sanierung 2015 fehlten die Quelle-Gelder nach dem damaligen BLV-Bericht bereits seit 2009. Nun halfen Bundes-, Landes- und kommunale Mittel. Damit hatte sich die Finanzierung grundlegend verändert. [5]
2001: Das Ende einer Veranstaltungsphase
Der Rückblick von Alexander Pfaehler aus dem Mai 2016 setzt einen wichtigen Einschnitt bereits vor die Quelle-Insolvenz. Im Juni 2001 fand im Nürnberger Frankenstadion noch ein großes LIVE-Sportfest des LAC statt, mit Fernsehübertragung und bekannten Athletinnen und Athleten. Zwei Monate später strich KarstadtQuelle nach dem Bericht die Mittel für Sportfeste und Leistungssport. Damit wird die Fördergeschichte differenzierter: Der Bruch von 2009 war nicht das erste Signal einer veränderten Unterstützung. Große Veranstaltungen und die laufende Arbeit des Vereins hatten unterschiedliche finanzielle Voraussetzungen, die schon vorher unter Druck geraten waren. [6]
2013: Anerkennung für einen anderen Schwerpunkt
Der Deutsche Olympische Sportbund führte den LAC Quelle Fürth 2013 unter den Trägern des Grünen Bandes. Die gemeinsam mit der Commerzbank vergebene Auszeichnung war mit jeweils 5.000 Euro verbunden. Die veröffentlichten Kriterien bezogen sich auf konsequente Nachwuchsarbeit, die Trainersituation, die Kooperation mit Schulen oder Olympiastützpunkten und pädagogische Aspekte. Damit wurde eine Leistung ausgezeichnet, die über den Einkauf bereits erfolgreicher Athleten hinausging. Für die Einordnung des Fürther Umbruchs ist diese Auszeichnung aussagekräftig: Sie belegt die Anerkennung eines Ausbildungskonzepts durch eine überörtliche Jury, jedoch keinen vollständigen Ausgleich der weggefallenen früheren Finanzierung. Die Jurykriterien erklären zugleich, weshalb Nachwuchsförderung längerfristige Verlässlichkeit braucht: Trainer, Schule und sportliche Ausbildung müssen zusammenpassen. Ein Preis würdigt ein solches Zusammenspiel zu einem bestimmten Zeitpunkt. Ob daraus später internationale Medaillen entstehen, ist eine andere Frage. Für die Fördergeschichte ist bereits die ausgezeichnete Struktur selbst ein historisch relevantes Ergebnis. [7]
2016: Ein neues Meeting mit neuer Arbeitsteilung
Beim Athletics Meeting in Herzogenaurach trat der LAC 2016 wieder als Organisator eines größeren internationalen Wettkampfs auf. Adidas brachte prominente Starter und Preisgelder ein; der Verein stellte nach dem zeitgenössischen Bericht etwa 130 Helfer. Der Austragungsort lag nun im Adi-Dassler-Stadion. Zugleich beschrieb der Artikel eine Finanzierung mit mehreren Sponsoren und eine stärkere Orientierung an regionalen Talenten. Die Rückkehr eines Meetings war damit keine einfache Wiederherstellung der alten Quelle-Jahre. Sie beruhte auf einer anderen Partnerschaft, einem anderen Ort und einer sichtbaren Arbeitsteilung zwischen Geldgeber und Verein. [6]
Verantwortung wird auf mehrere Schultern verteilt
Eine weitere Veränderung betraf 2018 die Führung. Der BLV berichtete von einem Team aus Julia Hiller, Tim Höhnemann, Katrin Höhnemann und Helmut Vetter. Sport, Veranstaltungen, Kontakt zum Hauptverein und Finanzen wurden als unterschiedliche Arbeitsfelder benannt; einen alleinigen ersten Vorsitzenden gab es in dieser Konstellation nicht mehr. Die Besetzung mit ehemaligen Aktiven verband praktische Sporterfahrung mit organisatorischer Verantwortung. Auch daran zeigt sich ein Strukturwandel: Ein Verein braucht nicht nur Einnahmen, sondern Menschen, die dauerhaft Aufgaben übernehmen. Das neue Team war die Antwort auf eine konkrete Wahl- und Nachfolgesituation, kein Beleg dafür, dass sämtliche finanziellen Schwierigkeiten bereits gelöst waren. Der zeitgenössische Bericht erwähnt auch, dass ein erster Versuch, eine neue Führung zu wählen, Ende 2017 ergebnislos geblieben war. Die spätere Lösung war also nicht selbstverständlich. Mit dieser Episode wird die oft abstrakte Rede vom Ehrenamt konkret: Aufgaben können notwendig sein, ohne dass sich sofort jemand findet, der sie allein übernehmen kann. [8]
Auch die Helfer gehörten zum Sportfest
Die Fürther Chronikbearbeitung verzeichnet unter dem 16. Juni 1976 eine kleine Episode abseits der Rekordstatistik. Martin Lauer, der frühere Weltrekordhürdenläufer und damalige Verkaufsleiter bei Triumph-Adler, überreichte den als Organisationshelfern eingesetzten Jugendlichen des TV jeweils einen Taschenrechner. Diese überlieferte Geste zeigt einen anderen Berührungspunkt zwischen Wirtschaft und Sport: Im Mittelpunkt standen hier junge Helfer und die Anerkennung ihres Einsatzes. Eine Beteiligung von Triumph-Adler an der gesamten Finanzierung des Sportfestes lässt sich daraus nicht ableiten. [1]
Was die damaligen Bestenlisten bewahrten
Das BLV-Jahrbuch 1989 führte weiterhin einen Fürther Mannschaftserfolg vom 19. Mai 1985 in Lippstadt: Horst-Joachim Matern, Robert Mildenberger und Alfons Schwarz standen mit zusammen 12:14:23 Stunden über 50 Kilometer in der bayerischen Bestleistungsübersicht. Der Originaleintrag verbindet Namen, Verein, Ort, Datum und Mannschaftsleistung. Er belegt, dass Fürths Gehsport auch lange nach Kannenbergs Olympiajahr sportlich Gewicht hatte. Als Finanzierungsnachweis darf eine solche Bestenliste jedoch nicht gelesen werden. Sie dokumentiert das sportliche Ergebnis, während die Frage nach dessen materiellen Voraussetzungen eigene Quellen verlangt. Gerade diese Trennung verhindert, dass spätere Erfolge einem Sponsor pauschal als dessen Werk zugeschrieben werden. [2]
Was Geld und Vereinsarbeit miteinander verband
Aus diesen Quellen ergibt sich ein Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Sport, ohne jeden Sieg auf einen Geldgeber zurückzuführen. Räume, Wohnmöglichkeiten, Trainingslager und Anlagen mussten organisiert werden; trainieren und im Wettkampf bestehen mussten die Athletinnen und Athleten selbst. Zugleich blieben ehrenamtliche Leitung und persönliche Vermittlung wichtig. Die spätere Hallensanierung zeigt, dass ein Sportstandort auch dann weitergetragen werden musste, als die frühere Unternehmensförderung weggefallen war.
Erfolge richtig zuordnen
Die Vereinsbestenliste erfasst ausdrücklich Leistungen während der jeweiligen LAC-Mitgliedschaft. Fürther Veranstaltungsrekorde von Gästen erzählen eine andere Geschichte. Diese Trennung bewahrt zwei gleichermaßen wichtige Leistungen: die Entwicklung eigener Sportlerinnen und Sportler und die Organisation von Wettkämpfen, die internationale Gäste in die Stadt führten. [3]
Ein späterer Blick auf Sportstättenfinanzierung
Wie der TV Fürth 1860 Jahrzehnte später über neue Sportstätten sprach, dokumentiert ein vereinseigenes Interview von 2023 zur „Vision:2025“ in Dambach. Der verlinkte Abschnitt beginnt beim Thema Finanzierung. Das Gespräch gehört zu diesem späteren Vereinsprojekt und ergänzt die historische Fördergeschichte um eine spätere Vereinsperspektive.
Weiterlesen
- Die Quelle-Halle: Bau und Erneuerung
- Georg Dengler und die Vereinsarbeit vor und nach 1969
- Karl-Heinz Conrad – der Organisator der Aufbaujahre
Quellen
- [1]Gert Kuntermann: Fürth 1976, gekürzte Chronikbearbeitung für FürthWiki, S. 29, Eintrag 16. Juni. Spätere Überlieferung zur Helferehrung; keine Abrechnung des Sportfestes.↩ Zur Textstelle
- [2]Bayerischer Leichtathletik-Verband: Jahrbuch 1989, S. 111 (PDF-S. 112). Historische Verbandsbestenliste; Originalscan geprüft.↩ Zur Textstelle
- [3]TV Fürth 1860: Hall of Fame, Rückblick Werner Kaminski vom November 2019 und Erläuterungen Bertram Böhms. Vereinsüberlieferung zu Umbenennung und Regeln der Statistik.↩ Zur Textstelle
- [4]Bertram Böhm: Karl-Heinz Conrad verstorben, TV Fürth 1860, 20. April 2023. Später Nachruf mit Erinnerungen an Organisation, Kontakte und Infrastruktur.↩ Zur Textstelle
- [5]Theo Kiefner: Ein „Traum in Blau“, Bayerischer Leichtathletik-Verband, 31. Oktober 2015. Zeitnaher Bericht zur Sanierung; Rückblick auf Hallenbau und veränderte Finanzierung.↩ Zur Textstelle
- [6]Alexander Pfaehler: adidas und LAC Quelle Fürth planen Großes, Fürther Nachrichten/nordbayern.de, 18. Mai 2016. Zeitgenössischer Meetingbericht mit Rückblick auf 2001 und 2009.↩ Zur Textstelle
- [7]DOSB: 50 Grüne Bänder für vorbildliche Talentförderung im Verein, 4. Juli 2013. Primäre Bekanntgabe der Preisträger, Fördersumme und Auswahlkriterien.↩ Zur Textstelle
- [8]Theo Kiefner: LAC Quelle Fürth geht mit einer Vierer-Führungsspitze in die nächsten Jahre, BLV, 8. Februar 2018. Zeitgenössischer Bericht über Wahl und Aufgabenverteilung.↩ Zur Textstelle