Fürther Sportgeschichte
Die Quelle-Halle: ein Sportort zwischen 1989 und 2015
1989 entstand die Fürther Leichtathletikhalle mit Schickedanz-Unterstützung. Die Sanierung 2015 verband eine neue blaue Bahn mit veränderten finanziellen Voraussetzungen.
In diesem Artikel 13 Kapitel und Abschnitte

Eine Halle braucht mehr als einen Bauplan
LAC-Geschäftsführer Ludwig Franz setzte sich für den Bau von 1989 ein. Theo Kiefners Bericht zur Sanierung erinnert an seine Überzeugungsarbeit und die Unterstützung der Familie Schickedanz. Die Anlage gehört damit auch zur Fördergeschichte Fürths. [2]
Der Hallenorganisator war selbst ein Spitzensportler
Ludwig Franz erscheint in den Quellen nicht erst als Geschäftsführer und Fürsprecher des Hallenbaus. Das BLV-Jahrbuch 1976/77 verzeichnet ihn als Inhaber des bayerischen Dreisprungrekords: 16,44 Meter, erzielt am 11. September 1974 in München für den LAC Quelle Fürth. Der zeitgenössische Eintrag ergänzt den späteren Bericht über den Bau von 1989 um seine eigene sportliche Laufbahn. Zwischen der ausgewiesenen Leistung und dem Hallenbau lagen fünfzehn Jahre. Das ist eine aufschlussreiche Verbindung von Athlet und Organisator: Einer der Menschen, die den Trainingsraum ermöglichten, hatte selbst auf hohem Niveau Wettkampfsport betrieben. Aus dem Rekordeintrag allein lassen sich seine konkreten Bauaufgaben allerdings nicht bestimmen. [1]
2009 und danach: Eine Anlage wird zur finanziellen Aufgabe
Wie schwer der Weiterbetrieb einer Halle wiegen konnte, zeigt ein Pressebericht aus dem Jahr nach dem Quelle-Schock. Nach den dort wiedergegebenen Angaben Werner Kaminskis verfügte der Verein über rund 250.000 Euro Rücklagen, während der jährliche Hallenbetrieb zwischen 70.000 und 100.000 Euro beanspruchte. Das waren damalige Vereinsangaben, keine unabhängig geprüften Rechnungsabschlüsse. Sie erklären aber den Handlungsdruck. Der Bericht nennt außerdem die Verlängerung des Erbbauvertrags mit der Stadt um zwanzig Jahre: Der Grund gehörte der Kommune. Hinzu kam ein fünfzehnjähriger Vertrag mit einer Solarenergiefirma und die Ausstattung des Dachs mit Solarzellen. Die Halle war somit nicht nur Trainingsraum, sondern Gegenstand langfristiger Vertrags- und Finanzentscheidungen. Einzelne Rücklagen konnten die Frage nach einer dauerhaften Finanzierung nicht ersetzen. [5]
Die Erneuerung der blauen Bahn
Der BLV berichtete am 31. Oktober 2015 von der Wiedereröffnung am vorangegangenen Freitag. Er nennt die 200-Meter-Rundbahn, erneuerte Sprung- und Kugelstoßanlagen sowie eine Einlaufrunde mit weichem Belag. Jugendliche begannen unmittelbar nach der Feier mit dem Training. Die Erneuerung betraf den täglichen Gebrauch ebenso wie Wettkämpfe. [2]
2013: Die Halle als Bühne für Nachwuchsarbeit
Schon vor der neuen blauen Bahn war die Halle Schauplatz einer wichtigen Anerkennung. Im August 2013 erhielt der LAC dort das Grüne Band für vorbildliche Talentförderung. Der BLV-Bericht nennt einen Scheck über 5.000 Euro und beschreibt die Zusammenarbeit mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Oberasbach und dem Hardenberg-Gymnasium. Hinzu kamen die Partneruniversität des Spitzensports Nürnberg-Erlangen und die Bertolt-Brecht-Schule in Nürnberg. Die Sportstätte war damit Teil eines Netzes aus Training und Bildung. Diese Verbindungen erklären ihre Bedeutung genauer als die Bezeichnung Leistungssporthalle allein: Sportliche Ausbildung brauchte zugleich Anschluss an schulische und berufliche Wege. Der Bericht würdigte ausdrücklich Trainer und Helfer im Hintergrund. [6]
Was Gäste auf der neuen Bahn erlebten
Ein Bericht des TSV Vaterstetten vom 18. Januar 2016 zeigt die Halle kurz nach der Sanierung aus Sicht eines anreisenden Vereins. Beim 27. Senioren-Sportfest liefen dessen Aktive auf dem neuen blauen Untergrund. Gerhard Zorn verbesserte über 60 Meter den bayerischen Rekord der Altersklasse M60 auf 7,99 Sekunden. Guido Müller nahm bereits zum 17. Mal am Fürther Sportfest teil. Solche wiederkehrenden Besuche machen die überörtliche Bedeutung der Anlage anschaulich. [3]
Ein früher Test der erneuerten Halle
Vom Sprintcup im Dezember 2015 berichtete die Zirndorfer Leichtathletikgruppe aus der Perspektive eines Nachbarvereins. Sie kam mit zwölf Aktiven nach Fürth. Der Bericht nennt acht Teilnehmende im gesamten Starterfeld, die bereits im Nationaltrikot angetreten waren, und beschreibt den Wettkampf als Vorbereitung auf die Hallenmeisterschaften des folgenden Winters. Zugleich endete der Tag nicht für alle erfolgreich: Zwei Zirndorfer brachen nach Beschwerden beziehungsweise einer Verletzung ab. Solche Berichte zeigen den Alltag hinter der feierlichen Wiedereröffnung. Eine neue Anlage ist zunächst ein Ort, an dem Athleten ihre Form testen, Erfahrungen sammeln und gelegentlich vorsichtig auf einen weiteren Start verzichten. Sie ist noch kein Versprechen auf einen bestimmten Saisonerfolg. [7]
Ein Ort für mehrere Generationen
Der Vaterstettener Bericht schildert Teilnehmende verschiedener Altersklassen und Disziplinen. Die neue Bahn wurde also nicht allein von jungen Spitzenathleten genutzt. Eine Sportstätte lässt sich auch über ihre Veranstaltungstraditionen erzählen: Wer regelmäßig wiederkommt, verbindet persönliche Wettkampfjahre mit demselben Ort. Die Fürther Halle steht in dieser Perspektive für Kontinuität über einzelne Meisterschaften hinaus. Dabei ist auch die Sicht der Gastvereine wichtig. Sie erinnert daran, dass die Halle keine ausschließlich vereinsinterne Einrichtung des Leistungssports war. Ihre Wettkämpfe verbanden Fürth mit Aktiven aus anderen Orten und boten ihnen über Jahre hinweg einen wiederkehrenden sportlichen Vergleich. [3]
Schule und Leistungssport teilen einen Raum
Eine online erhaltene BLV-Regelung für die Wintersaison 2020/21 zeigt die Mehrfachfunktion der Halle: Unter der Woche war sie bis 15:30 Uhr dem Schulsport vorbehalten. Erst danach konnten Vereine und Kader trainieren. Die Seite enthält zudem Pandemieauflagen. Sie ist ein datiertes Zeugnis der damaligen Nutzung und kein Nachweis heute gültiger Öffnungszeiten. Für die Wintersaison waren außerdem eine Höchstzahl von 75 Personen und gesperrte Zeitfenster für externe Vereine festgelegt. Bestimmte Gruppen- und Stützpunktzeiten blieben reserviert. Die Regelung zeigt, wie aus einer gemeinsamen Sportstätte während der Pandemie eine genauer gesteuerte Abfolge von Nutzungen wurde. Wer die Halle nur von einem Wettkampftag kennt, sieht diese alltägliche Organisation kaum. Historisch ist sie dennoch aufschlussreich: Derselbe Raum konnte nicht gleichzeitig beliebig viele Schulklassen, Vereinsgruppen und einzelne Kaderathleten aufnehmen. Seine Bedeutung entstand deshalb auch durch Absprachen darüber, wer wann trainieren durfte. [4]
2026: Ein Name bewahrt die Arbeit eines Organisators
Im Februar 2026 fand das traditionsreiche Seniorensportfest erstmals unter dem Namen Dieter Krumm statt. Der Vereinsbericht vom 9. Februar nennt rund 200 Masters-Aktive und hebt ihre Eigeninitiative bei der Organisation hervor. Gerhard Schlee koordinierte die Veranstaltung, Kerstin Grundwald und Heike Schug bildeten das Vorbereitungskomitee und kümmerten sich um die Verpflegung. Auch Jörg Hoffmann und der frühere Marathonläufer Reinhard Leibold werden mit konkreten Aufgaben genannt. Die Erinnerung an Krumm wurde damit in einen tatsächlich durchgeführten Wettkampftag übersetzt. Für die Geschichte der Halle ist das ein weiterer Wandel: Aus einem gebauten und später sanierten Raum wird durch wiederkehrende Veranstaltungen ein Erinnerungsort. Sein Fortbestand hängt nicht nur vom Belag ab, sondern auch von Menschen, die Startmöglichkeiten und Begegnungen organisieren. [8]
Der Name bleibt, die Voraussetzungen ändern sich
Wie sich die Finanzierung veränderte, behandelt der verknüpfte Beitrag zur Sportförderung. Die Hallengeschichte richtet den Blick auf einen Raum, der gebaut, erneuert und zwischen unterschiedlichen Nutzergruppen aufgeteilt werden muss, damit Training und Wettkämpfe stattfinden können.
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Quellen
- [1]Bayerischer Leichtathletik-Verband: Jahrbuch der bayerischen Leichtathletik 1976/77, S. 60 (PDF-S. 62). Zeitgenössischer Rekordeintrag Ludwig Franz; im Originalscan geprüft.↩ Zur Textstelle
- [2]Theo Kiefner: Ein „Traum in Blau“: Fürther Leichtathletikhalle nach Umbau feierlich wiedereröffnet, BLV, 31. Oktober 2015. Zeitnaher Sanierungsbericht mit Rückblick auf 1989.↩ Zur Textstelle
- [3]Christian Töpfer: Bayerische Bestleistung auf der blauen Bahn, TSV Vaterstetten, 18. Januar 2016. Zeitgenössischer Teilnehmerbericht vom 27. Senioren-Sportfest.↩ Zur Textstelle
- [4]Bayerischer Leichtathletik-Verband: Training Quelle-Halle, Regelung Wintersaison 2020/21 und Update 12. Oktober 2021. Historische Nutzungsregelung mit Pandemieauflagen, online abgerufen am 2. November 2026.↩ Zur Textstelle
- [5]Thomas Scharrer: LAC Quelle lebt, Fürther Nachrichten/nordbayern.de, 13. Dezember 2010. Zeitgenössischer Bericht; Vereinsangaben zu Rücklagen, Hallenbetrieb und Verträgen. Der ausgewertete indexierte Text war beim direkten Abruf nicht vollständig zugänglich.↩ Zur Textstelle
- [6]Theo Kiefner: LAC Quelle Fürth erhält Grünes Band für vorbildliche Talentförderung im Verein, BLV, 22. August 2013. Zeitnaher Bericht zur Übergabe in der Halle und zum Ausbildungsnetz.↩ Zur Textstelle
- [7]Leichtathletik Zirndorf: Fürther Sprintcup zwischen Freude und Enttäuschung, Marktspiegel, 7. Dezember 2015. Zeitgenössischer Teilnehmerbericht eines Gastvereins.↩ Zur Textstelle
- [8]TV Fürth 1860: Dieter Krumm Seniorensportfest 2026, 9. Februar 2026. Zeitgenössischer Vereinsbericht zu Teilnehmerzahl und ehrenamtlicher Organisation.↩ Zur Textstelle