Kleeblattmuseum · Fürther Biografien
Erwin Isaak Farntrog
Von Fürth über Frankreich nach Auschwitz: die dokumentierbaren Stationen eines jungen Mannes aus der Familie Farntrog.
Kindheit und Familie
Erwin Isaak Farntrog wurde am 31. Mai 1923 in Fürth geboren. Seine Eltern waren Lazarus Elieser und Jettchen Jael Farntrog, geborene Nachmann. Zu seinen Geschwistern gehörten Rosi Rivka, Betti Bilha, Gerda Gertrud und Emmy Esther. Mehrere Angehörige wurden während der nationalsozialistischen Verfolgung deportiert; Gerda gelang die Flucht nach Palästina.
Ein junger Fürther in Frankreich
Die pflegehistorische Darstellung der Familie erwähnt, dass Erwin eine Ausbildung an einer Jeschiwa in Frankreich aufnehmen sollte. Wo er tatsächlich studierte und wann er Fürth verließ, ist anhand der hier zugänglichen Unterlagen noch nicht sicher zu bestimmen.
Die französische Erinnerungsdatenbank AJPN führt einen 19-jährigen Erwin Farntrog aus Fürth als deutschen Staatsangehörigen und Studenten. Er habe zunächst in Colmar und später in Cambes im Département Lot-et-Garonne gelebt. Die Verbindung zu dem 1923 geborenen Erwin Isaak ist aufgrund von Name, Herkunft und Alter sehr stark, bedarf für eine vollständige Identitätskette aber eines Geburtsdatenabgleichs mit der zugrunde liegenden französischen Liste.
Verhaftung und Internierung in Casseneuil
AJPN berichtet, Erwin sei im August 1942 in Cambes als Jude festgenommen und in das Lager Sauvaud bei Casseneuil gebracht worden. Die Datenbank verweist auf die sogenannte Liste von Casseneuil. Damit lässt sich die zuvor nur allgemein erwähnte französische Lagerstation konkreter verorten.
Die Verfolgung jüdischer Flüchtlinge und ausländischer Juden in Frankreich führte über regionale Internierungslager und Drancy zu den Deportationen in die deutschen Vernichtungslager. Die einzelnen Zwischenstationen Erwins sind anhand französischer Lager- und Transportakten noch im Original zu prüfen.
Der 9. September 1942
Die französische Gedenkdatenbank ordnet Erwin Farntrog dem Konvoi Nr. 30 zu, der am 9. September 1942 von Drancy nach Auschwitz deportiert wurde. Eine individuelle Sterbeurkunde oder ein gesicherter Todestag ist damit nicht nachgewiesen. Die Formulierung, Erwin sei nach Auschwitz deportiert worden und habe die Shoah nicht überlebt, ist durch die vorliegenden Gedenk- und Forschungsquellen gedeckt; ein genaues Todesdatum bleibt offen.
Quellen und nächste Originalprüfungen
- AJPN: Cambes, Familie Farntrog und Konvoi 30 ↗
- AJPN: Lager Sauvaud/Casseneuil und Erwin Farntrog ↗
- Jüdische Pflegegeschichte: Familie Farntrog ↗
- Gedenkstätte Auschwitz: Opfer- und Transportdatenbank ↗
Für die abschließende Einzelprüfung sind die Casseneuil-Liste, die Namensliste des Drancy-Konvois Nr. 30 und die Fürther Personenstandsunterlagen abzugleichen. Die historische Lagerüberlieferung ist noch nicht im Original eingesehen.