Stadt Fürth

Kleeblattmuseum · Fürther jüdische Lebensgeschichten

Jettchen Jael Farntrog

Eine aus Hamburg stammende Fürther Geschäftsfrau, Mutter von fünf Kindern und Opfer nationalsozialistischer Verfolgung.

Von Hamburg nach Fürth

Jettchen Jael Nachmann wurde am 28. Januar 1899 in Hamburg geboren. Ihre Eltern waren Moses Nachmann und Betti, geborene Cohen. Nach der Eheschließung mit Lazarus Elieser Farntrog lebte sie in Fürth. Die fünf Kinder des Ehepaars waren Rosi Rivka, Betti Bilha, Gerda Gertrud, Erwin Isaak und Emmy Esther.

Die häufig wiederholte Vermutung, die Tochter Betti sei nach ihrer Großmutter benannt worden, bleibt eine plausible, aber unbelegte Deutung.

Geschäftsfrau in der Königstraße

Noch für 1933 wird Jettchen als Betreiberin eines Grabsteingeschäfts in der Königstraße 137 genannt. Die Tätigkeit stand in einem Umfeld, in dem der Ehemann Lazarus ehrenamtlich für die jüdische Kranken- und Bestattungsfürsorge tätig war. Ob beide Tätigkeiten organisatorisch verbunden waren, ist bisher nicht nachgewiesen.

Zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit Jettchens wären Gewerbeanmeldungen, Adressbücher und Unterlagen der jüdischen Gemeinde besonders aufschlussreich.

Die Verfolgung reicht bis zum Namen

Am 6. Mai 1942 wurde Jettchen laut der veröffentlichten Forschungsdarstellung vom Amtsgericht Hamburg zu einer Geldstrafe von 25 Reichsmark, ersatzweise fünf Tagen Haft, verurteilt. Hintergrund war ein angebliches Versäumnis bei der Anzeige des von den NS-Behörden vorgeschriebenen zusätzlichen jüdischen Vornamens.

Die Sanktion verdeutlicht die bürokratische Entrechtung jüdischer Menschen. Für eine wörtliche Wiedergabe des Vorgangs ist die Gerichtsakte beziehungsweise ihr archivalischer Nachweis erforderlich.

Deportation und Erinnerung

Jettchen und Lazarus wurden nach der im Bundesarchiv-Gedenkbuch wiedergegebenen Datierung am 18. Juni 1943 deportiert. Die Töchter Rosi und Betti waren bereits 1942 verschleppt worden. Gerda entkam nach Palästina und bewahrte später durch Gedenkblätter Informationen über ihre Angehörigen.

Ein individueller Todesort Jettchens ist anhand der hier vorliegenden Nachweise nicht sicher zu bestimmen.

Ein Geschäft und eine Familie im Fürther Stadtbild

Die überlieferte Adresse Königstraße 137 bietet einen konkreten Ausgangspunkt, Jettchens Grabsteingeschäft räumlich und wirtschaftlich einzuordnen. Zu klären ist, ob die Geschäftsadresse zugleich Wohnadresse war, wie das Geschäft firmierte und in welchen Jahren es bestand.

Eine Erwähnung in einer späteren Forschungsdarstellung erlaubt noch keine Aussagen über Umsatz, Beschäftigte oder Eigentum am Gebäude. Hierfür wären Fürther Adressbücher, Gewerbeakten und gegebenenfalls Steuerunterlagen heranzuziehen.

Familiengedächtnis und Originalbelege

Für die Kinder Rosi, Betti, Gerda, Erwin und Emmy liegen unterschiedliche biografische Spuren vor. Besonders wertvoll sind die Gedenkblätter der überlebenden Tochter Gerda Weinstein. Die dortigen Angaben sollten mit den Geburts- und Melderegistern der Stadt Fürth abgeglichen werden.

Die zeitgenössische Gerichtsakte zur Namensanzeige von 1942 wäre zudem ein direkter Beleg für Jettchens persönliche Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Verwaltung. Bis zu ihrer Einsicht bleibt die veröffentlichte Darstellung eine Sekundärüberlieferung.

Quellen

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