Kleeblattmuseum · Biografien jüdischer Fürther
Rosi Rivka Farntrog
Fürther Krankenschwester, deren Lebensweg im März 1942 durch die Deportation gewaltsam unterbrochen wurde.
Kindheit in Fürth
Rosi Rivka Farntrog wurde am 5. September 1919 in Fürth geboren. Sie war die älteste Tochter von Lazarus Elieser Farntrog und Jettchen Jael, geborene Nachmann. Zu ihren Geschwistern gehörten Betti, Gerda, Erwin und Emmy.
Die Familie war in der jüdischen Gemeinde Fürths verwurzelt. Der Vater war im Textilhandel und in der jüdischen Kranken- und Bestattungsfürsorge tätig.
Pflege im jüdischen Krankenhaus
Rosi arbeitete nach der pflegehistorischen Darstellung als Krankenschwester im Jüdischen Krankenhaus Fürth in der Theaterstraße 36. Die Schwester Betti war später im jüdischen Krankenhaus Frankfurt beschäftigt. So verbinden sich in beiden Lebensläufen die Geschichte der Familie und die jüdische Krankenpflege.
Für eine genauere Rekonstruktion fehlen bislang überprüfte Dienstlisten, Ausbildungsnachweise und Unterlagen über die einzelnen Stationen ihrer Tätigkeit.
Deportation im März 1942
Rosi wird in der Überlieferung zu den im März 1942 aus Fürth deportierten jüdischen Menschen gezählt; als Ziel wird Izbica genannt. Die in Fürther Unterlagen verwendete Datierung 22. März und die Abfahrt des Zuges aus Nürnberg am 24. März müssen auseinandergehalten werden.
Die Deportation nach Izbica bedeutete nicht, dass der genaue Zeitpunkt und Ort von Rosis Tod bekannt sind. Ein individueller Todesnachweis liegt für diese Darstellung nicht vor.
Spuren und Erinnerung
Die Lebensgeschichte Rosis gehört zugleich zur Geschichte des Fürther Krankenhauses und der Familie Farntrog. Besonders wichtig wäre die Einzelprüfung der Fürther Deportationslisten, der Krankenhaus-Personalunterlagen und der von ihrer Schwester Gerda Weinstein eingereichten Gedenkblätter.
Zwei Schwestern, zwei Krankenhäuser
Die Schwestern Rosi und Betti arbeiteten in unterschiedlichen Städten, aber im selben Berufsfeld. Rosis Tätigkeit in Fürth und Bettis Anstellung in Frankfurt erlauben einen Blick auf die jüdische Pflege als überregionales Netzwerk: Ausbildung, Personalbedarf und die zunehmende Verdrängung jüdischer Fachkräfte aus allgemeinen Einrichtungen sind dabei wichtige Untersuchungsthemen. Ob die Schwestern sich bei ihrer Berufswahl gegenseitig beeinflussten, ist nicht belegt.
Die Fürther Einrichtung befand sich in der Theaterstraße 36. Ihre Geschichte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Für Rosis Arbeitsalltag lassen sich aus dieser institutionellen Geschichte noch keine individuellen Schichtpläne oder Tätigkeiten ableiten.
März 1942: Ein Datum ist nicht die ganze Geschichte
Die für Fürth überlieferten Deportationsdaten unterscheiden zwischen Erfassung beziehungsweise lokalem Abtransport am 22. März und der Abfahrt eines Zuges aus Nürnberg am 24. März 1942. Eine Biografie muss daher sagen, welcher Vorgang datiert wird. Auch die Nennung des Durchgangsortes Izbica beweist keinen individuellen Todesort.
Ein sinnvoller nächster Quellenvergleich führt Fürther Namenslisten, Nürnberger Transportunterlagen und die Dokumentation zu Izbica nebeneinander. Für Rosi sollte jede Nennung anhand von Geburtsdatum und Elternangaben identifiziert werden.
Familienzeugnisse als Quelle
Die Schwester Gerda, später Weinstein, überlebte die Verfolgung. Von ihr überlieferte Gedenkblätter sind ein möglicher Schlüssel zur Familiengeschichte. Solche Zeugnisse können Erinnerungen und Verwandtschaftsangaben sichern; sie müssen bei abweichenden Datierungen dennoch mit zeitgenössischen Registern verglichen werden.
Rosis letzte Fürther Adresse und Ausbildung
Die biografische Dokumentation der Jüdischen Pflegegeschichte nennt für Rosi ausdrücklich eine Ausbildung am Jüdischen Krankenhaus Fürth und ihre anschließende Tätigkeit dort. Als letzte Wohnadresse ist Theaterstraße 36 angegeben – zugleich die Adresse des Krankenhauses. Damit ist eine unmittelbare räumliche Verbindung zwischen ihrer Arbeit und ihrem letzten Fürther Aufenthalt überliefert. Ob sie dauerhaft im Krankenhaus wohnte oder dort nur gemeldet war, muss mit der Meldekarte geklärt werden.
Quelle: Jüdische Pflegegeschichte, Familienabschnitt zu Rosi Farntrog.
Quellen und weiterführende Nachweise
- Jüdische Pflegegeschichte: Verbindungen nach Mittelfranken ↗
- Jüdische Pflegegeschichte: Krankenhaus Fürth ↗
Historische Bildquellen werden erst nach Prüfung der konkreten Dateilizenz eingebunden.