Stadt Fürth

Kleeblattmuseum · Biografien jüdischer Fürther

Ruth Farntrog

Eine Fürtherin in der jüdischen Kinderpflege Frankfurts – mit bislang ungeklärtem individuellem Deportationsnachweis.

Die Familie von David und Ella Farntrog

Ruth Farntrog wurde am 16. Mai 1919 geboren. Sie war eine Tochter von David Farntrog und Ella, geborene Ehrlich, und gehörte damit zu einem anderen Zweig der Fürther Familie als die Schwestern Rosi und Betti.

Zu ihren Angehörigen zählte die Schwester Jeannette Ilse, der nach der biografischen Überlieferung die Auswanderung in die Vereinigten Staaten gelang. Die verwandtschaftliche Verbindung zwischen David und Lazarus sollte anhand von Personenstands- und Meldeunterlagen nochmals im Detail geprüft werden.

Arbeit mit jüdischen Kindern in Frankfurt

Ruth war nach der veröffentlichten Darstellung im jüdischen Kinderhaus in Frankfurt am Main tätig. Das Haus und seine Mitarbeiterinnen standen unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Ausgrenzung vor besonderen Aufgaben: Betreuung, Versorgung und Schutz von Kindern, deren Familien immer stärker verfolgt wurden.

Die konkrete Dauer von Ruths Beschäftigung und ihre Aufgaben im Kinderhaus sind noch nicht durch eine vollständig ausgewertete Personalakte belegt.

Ein offener Deportationsnachweis

Eine Sekundärdarstellung nennt den 22. März 1942 als Datum der Deportation. Eine namentliche Zuordnung Ruths zu der betreffenden Originalliste konnte in der bisherigen Recherche nicht sicher bestätigt werden. Deshalb ist das Datum hier ausdrücklich als Quellenangabe und nicht als abschließend gesicherter Transportnachweis wiedergegeben.

Für eine belastbare Darstellung sind die Frankfurter Transportlisten, Melderegister und gegebenenfalls die Unterlagen der jüdischen Wohlfahrtspflege gegenzuprüfen.

Erinnerung und Quellenlage

Ruths Geschichte macht sichtbar, wie jüdische Frauen in sozialen Berufen zwischen beruflicher Verantwortung und eigener Verfolgung lebten. Ihr individuelles Schicksal soll ohne ungesicherte Details erzählt werden.

Das Kinderhaus als Arbeitsort

Die Geschichte jüdischer Kinderhäuser in Frankfurt lässt sich nicht allein als institutionelle Fürsorge erzählen. Die Mitarbeiterinnen mussten Kinder in einer Zeit betreuen, in der Familien durch Berufsverbote, Auswanderungsdruck und Deportationen auseinandergerissen wurden. Für Ruth ist ihre Zugehörigkeit zum Kinderhaus überliefert; konkrete Aussagen über einzelne betreute Kinder oder ihre täglichen Aufgaben wären ohne Personal- und Hausunterlagen spekulativ.

Eine vertiefte Recherche sollte Dienstlisten, Wohlfahrtsakten, Bewohnerverzeichnisse und Korrespondenz des Kinderhauses nach Ruths Namen durchsuchen. Besonders wichtig sind mögliche Namensvarianten und die Prüfung, ob die Quellen dieselbe Person meinen.

Der andere Farntrog-Familienzweig

Ruths Eltern David Farntrog und Ella, geborene Ehrlich, sind von Lazarus und Jettchen Farntrog zu unterscheiden. Gerade weil mehrere junge Frauen der erweiterten Familie in sozialen Berufen tätig waren, ist eine exakte Familienzuordnung entscheidend.

Für David ist eine historische Anzeige eines Textilgeschäfts vom 14. Juni 1907 in einer späteren Quellensammlung transkribiert. Die Anzeige ist ein möglicher Ansatzpunkt zur Rekonstruktion des wirtschaftlichen Umfelds, aber der Originalscan muss noch eingesehen werden.

Warum der Transportnachweis offenbleibt

Das in einer Sekundärdarstellung genannte Datum 22. März 1942 darf nicht ohne Abgleich einer namentlichen Liste mit Ruths Deportation gleichgesetzt werden. Die zeitliche Nähe zu Fürther Deportationsereignissen macht eine Verwechslung besonders prüfenswert.

Der entscheidende Nachweis wäre eine zeitgenössische Namensliste mit identifizierenden Angaben, idealerweise ergänzt durch Meldekarte oder Transportvermerk. Bis dahin bleibt der individuelle Weg ausdrücklich ungeklärt.

Ausbildung und Rückkehr nach Fürth: 1938–1939

Die Dokumentation des Frankfurter Kinderhauses nennt für Ruth eine Ausbildung in der Säuglingspflege vom 1. Dezember 1938 bis 1. Juni 1939 am Kinderhaus der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland in der Thomastraße. Am 1. Juni 1939 kehrte sie zur Familie nach Fürth, Hindenburgstraße 29, zurück. Diese Datierung präzisiert die bisher allgemein beschriebene Frankfurter Tätigkeit erheblich.

Nach der Dokumentation starb Ruths Mutter Ella am 21. Oktober 1940 in Erlangen. Der Vater David versuchte anschließend vergeblich, mit Ruth und Edith Rosalie auszuwandern. Für den 22. März 1942 wird eine Verschleppung der drei nach Izbica oder Piaski beschrieben. Die Herausgeber weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass Ruth in keiner der ihnen bekannten Transportlisten zu diesem Datum gefunden wurde. Der Vorgang bleibt deshalb als Überlieferung mit offenem Einzelnachweis gekennzeichnet.

Quelle: Dokumentation Frankfurter Kinderhaus, Eintrag „Farntrg, Ruth“.

Eine auffällige Abweichung beim Ausgangstransport

Die Frankfurter Kinderhaus-Dokumentation enthält zwei Angaben, die nicht vorschnell miteinander gleichgesetzt werden dürfen: In der Kopfzeile wird ein Transport vom 22. März 1942 „ab Mainz/Darmstadt“ genannt; der zitierte Fürther Memorbuchtext berichtet dagegen von einer Verschleppung der Familie aus dem Fürther Zusammenhang nach Izbica oder Piaski. Zugleich erklären die Bearbeiter, dass Ruths Name auf keiner der ihnen bekannten Transportlisten für diesen Tag gefunden wurde.

Diese Kombination ist kein belastbarer Beleg für eine konkrete Reiseroute. Als nächstes müssen Fürther, Mainzer und Darmstädter Listen getrennt geprüft und mit Ruths Geburtsdatum 16. Mai 1919 abgeglichen werden. Quelle: Kinderhaus-Dokumentation, Eintrag „Farntrg, Ruth“.

Abweichende Datierungen in der Kinderhaus-Überlieferung

Die verschiedenen Fassungen der Frankfurter Kinderhaus-Dokumentation sind nicht vollständig deckungsgleich: In einer älteren Darstellung erscheint für Ruth der 25. März 1942, während eine jüngere Fassung den 22. März 1942 nennt. Gleichzeitig betont die jüngere Dokumentation, dass Ruth in den bislang bekannten Transportlisten für dieses Datum nicht nachgewiesen werden konnte. Die Angaben müssen daher als unterschiedliche Überlieferungsstände behandelt werden; ein individueller Deportationstag bleibt offen.

Für die Entscheidung sind die Original-Namenslisten und Meldeunterlagen entscheidend, nicht die Wahl eines vermeintlich plausibleren Datums.

Quellen und weiterführende Nachweise

Historische Bildquellen werden erst nach Prüfung der konkreten Dateilizenz eingebunden.

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