Stiftungen und Fürsorge

Nathan Krautheimer – der Kaufmann hinter der Fürther Säuglingskrippe

Im Fürth des ausgehenden 19. Jahrhunderts gehörte Nathan Krautheimer zu jenen Unternehmern, deren Vermögen später in öffentliche Fürsorge überging. Krautheimer wurde 1854 geboren. 1885 machte er sich, unterstützt von seinen Cousins Albert und Louis Berneis, mit einem Großhandel für Kurz- und Schuhwaren selbstständig. Die Firma begann in der Hallstraße 9; seit 1890 führte er sie allein.

Der wirtschaftliche Aufstieg der Familie war auch im Stadtbild sichtbar. An der Hornschuchpromenade 18 ließ das Ehepaar Krautheimer 1895/96 durch den Architekten Adam Egerer ein repräsentatives Geschäfts- und Wohnhaus errichten. Der dreigeschossige Bau verband Familienräume mit dem Unternehmen: Die Familie wohnte in den oberen Geschossen, während Geschäftsräume im Erdgeschoss und in einem Hintergebäude untergebracht waren. Das Haus gehört zu den bis heute erhaltenen Zeugnissen der Fürther Gründerzeitarchitektur.

1895 heiratete Nathan Martha Landmann. 1896 starben ihre erstgeborenen Zwillinge kurz nach der Geburt; später wuchsen Richard, Sophie Gertrude und Lotte in der Familie auf. Wie sehr der frühe Verlust die späteren Fürsorgepläne beeinflusste, lässt sich aus den überlieferten Angaben nicht endgültig entscheiden. Er macht jedoch verständlich, weshalb Fragen des Überlebens und der Versorgung von Säuglingen die Familiengeschichte berühren.

Als Nathan Krautheimer 1910 mit 56 Jahren starb, bestimmte sein Testament 60.000 Mark für einen sozialen Zweck. Seine Frau Martha entwickelte daraus, mit zusätzlichen eigenen Mitteln, die Stiftung für eine Säuglingskrippe. Sie setzte sich dafür ein, dass auch Kinder unverheirateter Mütter und Familien unterschiedlicher Konfession aufgenommen werden konnten. 1912 eröffnete die Krautheimer-Krippe in der Maistraße 18. Das Vermächtnis des Unternehmers und die eigenständige Entscheidung seiner Witwe waren zwei verschiedene Beiträge zur Entstehung dieser Einrichtung.

Das Krippenhaus überstand die Schließung des Betriebs 1966. Seit 2004 erinnert eine Dependance des Jüdischen Museums Franken dort an die Stifterfamilie und an die jüdische Wohlfahrtsgeschichte Fürths. Das erhaltene Familienhaus an der Hornschuchpromenade und die frühere Krippe an der Maistraße erzählen bis heute von den wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen dieser Stiftung.

Weitere Lebensgeschichten

Quellen und Literatur

  1. https://hdbg.eu/biografien/detail/martha-krautheimer/10264
  2. https://www.stadtheimatpflege-fuerth.de/jahresbericht-2021/
  3. https://bildung-fuerth.de/bildungsportal/online-ausstellung-die-familie-krautheimer-und-die-krautheimer-krippe-409
  4. https://museen-in-bayern.de/museen/detailseite-museum/krautheimer-krippe

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