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Stadtgeschichte · Unternehmen und Menschen · 1932–2013

Hans und Frieda Lang: Von der Kellerwerkstatt zur Spiegelindustrie

Eine Fürther Firmengeschichte, die von zwei gleichberechtigten Gründern, schweren Kriegsjahren und dem Wandel vom Handspiegel zum Fahrzeugspiegel erzählt.

1932GründungHans und Frieda Lang, Geierstraße 3
1964Neue FertigungStandort Schuckertstraße, Stadeln
1978ErgersheimWeiterer Unternehmensstandort
2012/13StrukturwandelAngekündigte Schließung der Fürther Spiegelproduktion
Auswahl belegter Stationen; die Nachricht von 2012 beschreibt zunächst eine Ankündigung, nicht den unabhängig geprüften Vollzug. Eigene Grafik nach MEKRA Lang und Fürther Nachrichten, 11. Juli 2012.

Ein historisches Firmenfoto oder Porträt wird erst ergänzt, wenn für die konkrete Aufnahme eine nachprüfbare Veröffentlichungslizenz oder Genehmigung vorliegt.

Am 2. Mai 1932 heirateten Hans und Frieda Lang. Am selben Tag gründeten sie nach der späteren Unternehmenschronik gemeinsam die Spiegelfabrik Ing. Hans Lang. Die erste Werkstatt lag nicht in einem großen Industriebau, sondern im Hinterhof der Geierstraße 3 in Fürth-Stadeln. Dort begann das Paar mit Spiegeln, wie sie für den alltäglichen Gebrauch gebraucht wurden. [1]

Die beiden Gründer

Die Unternehmensfestschrift führt Frieda Lang, geborene Mändl, mit dem Geburtsdatum 14. Oktober 1899 und Hans Lang mit dem 13. November 1906. Frieda verfügte vor der Firmengründung bereits über Erfahrung im Spiegelgewerbe: Die Festschrift nennt eine Tätigkeit als Prokuristin bei der Fürther Spiegelfabrik Ammon. Auch deshalb greift es zu kurz, den Beginn der Firma ausschließlich als Leistung des Mannes zu erzählen. Beide gründeten den Betrieb nach der eigenen Firmengeschichte als gleichberechtigte Partner. [1]

Der Anfang war bescheiden. Die junge Firma verkaufte zunächst unter anderem Hand- und Taschenspiegel; Glas wurde versilbert und bearbeitet. 1933 konnte laut Chronik der erste Mitarbeiter eingestellt werden, 1935 wurde ein gebrauchtes Dreirad als Lieferfahrzeug angeschafft. 1939 beschäftigte der Betrieb nach der unternehmenseigenen Chronik 25 Personen. [1]

Krieg, Unfall und Neubeginn

Nach der Einberufung von Hans Lang im August 1939 führte Frieda den Betrieb weiter. 1943 kam es bei der Arbeit zu einer Explosion, durch die sie schwer an den Augen verletzt wurde. Die damalige Firma musste schließen. Die Festschrift ist sich bei den Einzelheiten der Augenverletzung nicht vollständig einig; sicher ist die schwere Verletzung, nicht die widerspruchsfreie Zuordnung einzelner Folgen zu linkem und rechtem Auge. [1]

Am 5. April 1945 wurden nach der Chronik die bisherigen Geschäftsräume bei einem Luftangriff zerstört. Dennoch nahm die Familie im Herbst 1945 wieder Arbeiten auf, zunächst das Einglasen von Fenstern. Ab 1947 wurde erneut mit Silbernitrat gespiegelt; 1948 kamen Gläser für Kosmetik- und Rasierspiegel hinzu. 1949 konnte das Ruinengrundstück der Geierstraße 3 erworben werden; im Folgejahr stand dort wieder ein Gebäude für die Produktion bereit. [1]

Das ist eine besonders anschauliche Phase der Nachkriegswirtschaft: Noch vor der großen industriellen Expansion mussten Unternehmer und Beschäftigte Material, Räume, Fahrzeuge und Kundenbeziehungen neu aufbauen.

Von Stadeln in die Fahrzeugindustrie

Die Söhne Heinrich und Günter Lang übernahmen laut Unternehmensgeschichte 1960 Leitungsaufgaben. 1964 verlegte der Betrieb seine Produktion auf ein größeres Gelände in der Schuckertstraße in Fürth-Stadeln. 1978 kam ein Unternehmensstandort in Ergersheim hinzu. [1][2]

Mit den neuen Absatzmärkten verlagerte sich die Bedeutung von Spiegeln zunehmend in Richtung Fahrzeugtechnik. Was 1932 mit kleinen Spiegeln begann, wurde Teil einer international tätigen Unternehmensgruppe für Sichtsysteme. Dabei darf die Geschichte der Spiegelfabrik Ing. Hans Lang nicht mit der gesamten Geschichte von MEKRA Lang verwechselt werden: unterschiedliche Firmen und Standorte sind für die jüngere Entwicklung entscheidend. [1][2][3]

Die Entscheidung von 2012

Am 11. Juli 2012 berichteten die Fürther Nachrichten über die angekündigte Schließung der Spiegelglasproduktion von Ing. Hans Lang in Stadeln. Laut Bericht waren mindestens 120 Beschäftigte betroffen; eine Woche später wurde in der Berichterstattung von rund 130 Mitarbeitern gesprochen. Als vorgesehener Endtermin wurde 31. März 2013 genannt. Das Datum bezeichnet zunächst die damalige Ankündigung. Es sollte nicht ohne weiteren Nachweis als exakt belegter tatsächlicher letzter Produktionstag verwendet werden. [3][4]

Gleichzeitig bestand die weitere Lang-Unternehmensgruppe fort. Der Niedergang eines Fürther Produktionszweigs ist deshalb etwas anderes als das Ende des von Hans und Frieda Lang begründeten Unternehmenszusammenhangs. Diese Unterscheidung bewahrt sowohl die Geschichte der betroffenen Belegschaft als auch die Leistungen der Gründer vor einer verkürzten Darstellung.

Eine Fürther Geschichte von Frauenarbeit und Unternehmertum

Die Geierstraße 3, das Werk in der Schuckertstraße und der Standort Ergersheim markieren verschiedene Etappen einer Industrie, die sich technisch und wirtschaftlich immer wieder neu erfinden musste. Im Mittelpunkt steht aber das Gründungspaar: Frieda und Hans Lang. Ihre Biografien zeigen, dass die jüngere Spiegelgeschichte Fürths nicht nur aus Fabrikhallen und Maschinen besteht, sondern auch aus Familienarbeit, Kriegserfahrungen, Wiederaufbau und unternehmerischen Entscheidungen.

Quellen

  1. [1]MEKRA Lang: 90 Jahre – Tradition und Innovation, 2022/23, besonders Firmenchronik S. 7 ff. und Gründerbiografien. Festschrift mit Bildern und Chronologie. Die Festschrift ist eine unternehmenseigene Darstellung und wird als solche eingeordnet.
  2. [2]MEKRA Lang: Unternehmensgeschichte.
  3. [3]Claudia Ziob: „Wieder verliert Fürth eine Traditionsfirma“, Fürther Nachrichten, 11. Juli 2012. Artikel.
  4. [4]Claudia Ziob: „Spiegelfabrik Lang: Vorwürfe gegen Management“, Fürther Nachrichten, 18. Juli 2012. Artikel.

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