Stadt Fürth

Kleeblattmuseum · Jüdische Medizin- und Familiengeschichte

Betti Bilha Farntrog

Eine aus Fürth stammende Krankenschwester, deren Leben die nationalsozialistische Verfolgung zerstörte.

Familie und Herkunft

Betti Bilha Farntrog wurde am 21. Oktober 1920 in Fürth geboren. Ihre Eltern waren Lazarus Elieser Farntrog und Jettchen Jael, geborene Nachmann. Sie wuchs in einer Familie auf, deren Geschichte mit den jüdischen Gemeinden in Fürth und darüber hinaus verbunden ist.

Krankenpflege in Frankfurt

Ab Juli 1941 war Betti als Krankenschwester im jüdischen Krankenhaus in der Frankfurter Gagernstraße tätig. Ihre Berufstätigkeit verweist auf die Verbindungen zwischen jüdischen Pflegeeinrichtungen in Fürth, Nürnberg und Frankfurt.

Deportation und Erinnerung

Für Betti Farntrog wird der 11. Juni 1942 als Deportationsdatum angegeben. Über ihren konkreten Todesort liegen widersprüchliche Darstellungen vor; er wird daher nicht als gesichert benannt.

Ein historisches Porträt wird in der Jüdischen Pflegegeschichte gezeigt und Yad Vashem zugeschrieben. Die Abbildung kann erst nach Klärung der Nachnutzungsrechte auf dem Kleeblattmuseum unmittelbar veröffentlicht werden.

Fünf Geschwister in Fürth

Betti war das zweite von fünf Kindern. Ihre ältere Schwester Rosi Rivka kam am 5. September 1919 zur Welt; es folgten Gerda (30. März 1922), Erwin Isaak (31. Mai 1923) und Emmy Esther (19. September 1925). Während Betti später in Frankfurt pflegte, arbeitete Rosi im jüdischen Krankenhaus ihrer Heimatstadt. Die Verbindung der beiden Schwestern zur Krankenpflege war auch Teil einer längeren familiären Tradition der Fürsorge.

Der Vater Lazarus hatte im Ersten Weltkrieg als Rotkreuz-Sanitäter gearbeitet und engagierte sich später in der jüdischen Kranken- und Sterbefürsorge. Dass seine Tätigkeit den Berufswunsch der Töchter unmittelbar bestimmte, ist denkbar, aber nicht belegt.

Schulzeit und Ausbildung unter wachsendem Druck

Für die Jahre 1935 und 1936 ist Bettis Aufenthalt an der Wirtschaftlichen Frauenschule in Wolfratshausen überliefert, einer Einrichtung aus dem Umfeld des Jüdischen Frauenbundes. Dort wurden junge Frauen unter anderem auf Hauswirtschaft und soziale Berufe vorbereitet. Für jüdische Jugendliche verengten sich nach 1933 die Möglichkeiten der allgemeinen Schul- und Berufsausbildung zunehmend.

Wo und wann Betti ihre eigentliche Krankenpflegeausbildung abschloss, ist noch nicht zweifelsfrei dokumentiert. Ihr späterer Einsatz in Frankfurt darf deshalb nicht mit einer unbelegten Ausbildungsstation gleichgesetzt werden.

Ein genau datierter Eintrag in Frankfurt

Das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main bewahrt mit dem Krankenhausbestand HB 687, Teil 2, Blatt 82 einen besonders wichtigen Einzelnachweis. Demnach war Betti seit dem 3. Juli 1941 als Krankenschwester im Krankenhaus Gagernstraße 36 gemeldet. Damit lässt sich ihr Wechsel von Fürth nach Frankfurt zeitlich präzise fassen.

Die jüdische Klinik arbeitete damals unter massivem nationalsozialistischem Zwang. Auch als das Krankenhaus zunehmend für die Verfolgung und Sammlung jüdischer Menschen missbraucht wurde, waren dort weiterhin Pflegekräfte tätig. Bettis konkrete Aufgaben, Kolleginnen und Dienstzeiten bleiben zu erforschen.

Eine Familie wird auseinandergerissen

Rosi wurde im März 1942 nach Izbica deportiert; das in der Fürther Überlieferung genannte Datum 22. März ist von der späteren Zugabfahrt zu unterscheiden. Für Betti verzeichnet die Frankfurter Quelle den 11. Juni 1942 als Tag ihrer Verschleppung. Ihre Eltern Lazarus und Jettchen wurden am 18. Juni 1943 deportiert. Auch Erwin und Emmy überlebten die Verfolgung nicht.

Gerda entkam 1940 nach Palästina. Nach der biografischen Überlieferung befand sie sich an Bord der „Patria“ im Hafen von Haifa, als dort eine Explosion zahlreiche Menschen tötete. Sie überlebte, lebte später als Gerda Weinstein in den Vereinigten Staaten und überlieferte mit Gedenkblättern für Yad Vashem wichtige Informationen über ihre Angehörigen.

Das genaue Schicksal Bettis nach der Deportation ist nicht gesichert. Die Nennung möglicher Vernichtungsorte in Sekundärdarstellungen ersetzt keinen individuellen Nachweis.

Verbindungen und offene Forschungsfragen

Für die weitere Recherche sind insbesondere die Melde- und Personalunterlagen der Frankfurter Gagernstraße 36, die Ausbildungsunterlagen aus Wolfratshausen, die Fürther Familienmelderegister sowie die von Gerda Weinstein eingereichten Yad-Vashem-Gedenkblätter wichtig. Der Lebensweg von Lazarus Farntrog und die Geschichte des Fürther Krankenhauses ergänzen Bettis Biografie.

Lehrerin und Auswanderungspläne vor der Krankenpflege

Eine pflegehistorische Forschungsdarstellung verweist darauf, dass Betti um 1939 offenbar als Lehrerin tätig war; ein Eintrag in der Datenbank „Erinnern“ des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands nennt die Jüdische Konfessionsschule Nürnberg. Diese Station ist als Hinweis aus einer Sekundärquelle zu behandeln, bis Schul- oder Personalunterlagen eingesehen werden.

Für 1939 wird außerdem Bettis Antrag auf eine steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung im Zusammenhang mit einer geplanten Auswanderung nach Palästina beschrieben. Die Familie bemühte sich um Ausreisepapiere, erhielt sie aber nicht. Der Vorgang verdeutlicht, dass Bettis späterer Weg nach Frankfurt in eine schon zuvor durch Verfolgung und Fluchtversuche geprägte Lebensgeschichte eingebettet war.

Quelle: Jüdische Pflegegeschichte, Frankfurter Krankenschwestern und Mittelfranken.

Quellen und Bildnachweise

Forschungsdarstellung mit Einzelnachweisen und Zeitzeugenüberlieferung ↗

Historische Fotografien werden erst nach Prüfung von Herkunft, Zuschreibung und Nutzungsrechten unmittelbar eingebunden.

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