Fürsorgebauten · Quellengebundenes Forschungsdossier
Krautheimerkrippe – das Kinderhaus am Nathanstift
Ein historischer Ort der Fürther Gesundheitsgeschichte: Seine Nutzung, die beteiligten Menschen und seine Entwicklung werden anhand überlieferter Quellen rekonstruiert.
Geschichte und Nutzung
Nur wenige Schritte vom Nathanstift entfernt entstand ein eigenes Gebäude für frühe Kinderfürsorge. Die Krautheimerkrippe wurde 1912 nach Plänen von Josef Zizler gebaut. Ihre Denkmalbeschreibung nennt einen zweigeschossigen Putzbau mit Walmdach, Sandsteineckrustika, einem viersäuligen Eingangsvorbau und einem seitlichen Treppenturm mit Zwiebeldach. Das architektonische Selbstbewusstsein war für eine Kleinkindereinrichtung bemerkenswert.
Die amtliche Liste bezeichnet sie als ehemaliges Nebengebäude des Nathanstifts und ehemaliges Kleinkinderheim. Daraus folgt eine räumliche Nachbarschaft, aber nicht, dass die Belegung, Finanzierung oder medizinische Leitung identisch mit dem Wöchnerinnenheim gewesen wäre. Das Gebäude braucht deshalb seine eigene Chronologie und Personenliste.
Menschen, Zeitspuren und Hausregister – Ergänzung v198
Hinter dem eindrucksvollen Eingang der Krautheimer-Krippe stand der Versuch, Säuglingsfürsorge mit dem Arbeitsalltag ihrer Mütter zu vereinbaren. Nathan Krautheimer hatte testamentarisch 60.000 Mark für einen sozialen Zweck vorgesehen; seine Witwe Martha stockte die Summe auf und stiftete das Haus der Stadt. Nach der biografischen Darstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte war die Einrichtung für die Tages- und Nachtpflege von etwa 20 bis 30 Säuglingen gedacht – einschließlich der Kinder unverheirateter Mütter und über Konfessionsgrenzen hinweg. Martha unterstützte die laufende Finanzierung weiterhin. Das macht die Krippe zu einem eigenständigen sozialen Reformprojekt, nicht bloß zu einem Nebengebäude des Nathanstifts. Mit der nationalsozialistischen Verfolgung wurde der Name Krautheimer aus der Bezeichnung verdrängt; erst 1945 kehrte er zurück. Der Krippenbetrieb endete Ende 1966. Heute wird das Gebäude im Schul- und Museumsumfeld genutzt. Die Stadt Fürth dokumentierte 2025 die denkmalgerechte Fassadensanierung – ein später Abschnitt derselben Baugeschichte.
Vertiefung v199: Die Stadt Fürth beschreibt in einer 2025 veröffentlichten Sanierungsdokumentation die Krautheimerkrippe als 1912 errichteten Stiftungsbau. Sie nennt die Behandlung kranker Säuglinge und Kleinkinder aller Konfessionen, die Umbenennung in „Kleinkinderheim“ unter dem NS-Regime und die Wiederherstellung des ursprünglichen Namens nach 1945. Mitte der 1960er Jahre endete der Krippenbetrieb. Die spätere Nutzung durch das Helene-Lange-Gymnasium und eine Dependance des Jüdischen Museums Franken führt die Baugeschichte in die Gegenwart. 2025 wurden unter anderem historische Putzflächen, Fensterläden, Balkone und die Turmspitze instand gesetzt. Diese späteren Nutzungen sind Nachgeschichte, kein Beleg einer fortgesetzten Klinik.
Quellenbasierter Nachtrag v200
Die amtliche Mitteilung zur Fassadensanierung von Juni 2025 beschreibt einen bemerkenswerten denkmalpflegerischen Eingriff: Wiederhergestellt beziehungsweise ergänzt wurden Fensterläden, Balkone, die historische Putzstruktur und die Spitze des markanten Türmchens; auch die historische Farbgebung wurde nach Befund rekonstruiert. Genannt werden Kosten von rund 350.000 Euro. Diese Ausstattungsdetails gehören zur Nachgeschichte des Bauwerks und sagen nichts über die Innenaufteilung der Säuglingspflege von 1912 aus.
Vertiefung v201 — Benders stadtgeschichtliche Zusammenschau nennt die Krautheimer-Stiftung, die Errichtung der Krippe 1911/12 an der Maistraße 18 und den St.-Johannisverein als Träger. Es ging dabei nicht um eine beliebige zusätzliche Station des Nathanstifts: Die Stiftung finanzierte einen gesonderten Ort der Versorgung kranker Kleinkinder ab zwei Jahren. Das archivalisch beziehungsweise denkmalpflegerisch beschriebene Baujahr 1912 und die in der Sekundärliteratur genannte Bauperiode 1911/12 sind vereinbar, aber nicht identisch mit dem exakten ersten Aufnahmetag – der bleibt offen.
Quellenvertiefung v209 — Unterschiedliche Stiftungen und Trägerschaften
Eine Stadtgeografie setzt die von der Krautheimerstiftung errichtete Krippenanstalt an der Maistraße 18 zeitlich 1911/12 an und nennt den St.-Johannisverein als Träger, auch des Kinderspitals. Die Stadtheimatpflege verweist auf Nathan Krautheimers testamentarische 60.000 Mark und darauf, dass Martha Krautheimer den sozialen Verwendungszweck zur Säuglingskrippe bestimmte. Diese zwei Nachweise beschreiben Bau, Stiftung und institutionelle Trägerschaft auf unterschiedlichen Quellenebenen; das gestiftete Kapital ist keine belegte reine Bausumme.
Zwei Fürther Stiftungsmodelle für Kinder und Mütter
Mit dem 1909 eröffneten Nathanstift und der Krautheimerkrippe entwickelte die Stadt im frühen 20. Jahrhundert eine Fürsorgelandschaft, die medizinische Prävention, Säuglingsernährung und Erwerbsarbeit von Müttern berührte. Der juristische Stifter Alfred Louis Nathan wollte laut seiner Biografie ausdrücklich die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Belastungen von Frauen rund um die Geburt begrenzen. Daraus darf jedoch nicht gefolgert werden, dass Nathan der Bauherr der Krautheimerkrippe war: Deren eigenständige Stiftungstradition und Baugeschichte bleiben im Profil getrennt.
Das Nebeneinander der Fürther Häuser lässt die Probleme der damaligen Stadt sichtbar werden: Wer versorgte Säuglinge und Kleinkinder, wenn Mütter arbeiteten? Wer verfügte über die Mittel, Geburtshilfe und frühe Pflege zu ermöglichen? Eine vollständige Sozialgeschichte braucht Belegungslisten und Stiftungsakten beider Häuser, vor allem zur tatsächlichen Aufnahme und zur Verdrängung jüdischer Stifternamen nach 1933. Für diese Fragen gibt Nathans Biografie den Vergleichskontext, aber keinen direkten Personalbeleg für die Krautheimerkrippe.
Der 20. Geburtstag der Krautheimerkrippe im Jahr 1932
Ein Presse-Rückblick vom 17. Dezember 1932 erinnert an die Eröffnung des Säuglingsheims in der Maistraße 18 am 20. November 1912 und an die Stifterin, die Witwe des Großkaufmanns Nathan Krautheimer. Als Zweck nennt er die Entlastung der überfüllten Krippe des St.-Johannis-Zweigvereins: In der Industriestadt mussten viele Mütter ihre Kinder früh in Pflege geben, um arbeiten zu können. Der Bericht nennt eine Bauzuwendung von 63.500 RM – eine Währungsbezeichnung, die für die Stiftung von 1912 historisch anachronistisch ist. Daher ist die Zahl bis zur Sichtung der Stiftungsurkunde nicht als zeitgenössisch korrekt bezeichneter Betrag für 1912 zu übernehmen.
Sanierung 2025 – das Gebäude als Quelle (Forschungsstand v213)
Die Stadt Fürth dokumentierte am 24. Juni 2025 nicht nur eine neue Farbschicht der 1912 errichteten Krautheimer-Krippe, sondern die Instandsetzung des historischen Putzes, die Restaurierung beziehungsweise Rekonstruktion von Holzfensterläden, Balkonen und Fenstern sowie die Wiederherstellung der markanten Turmspitze nach historischem Vorbild. Der Anstrich wurde anhand früherer Farbfassungen rekonstruiert. Als Aufwand nennt der städtische Bericht 350.000 Euro. Diese moderne Restaurierung macht den Baukörper genauer lesbar; sie belegt aber nicht, dass alle heute sichtbaren Teile unverändert von 1912 stammen. Die fotografische Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt und wird deshalb nicht ohne Nutzungsfreigabe ins Museum kopiert.
Ergänzungen aus dem FürthWiki-Abgleich
Diese Belege ergänzen das historische Standortdossier. Es handelt sich um quellenkritisch eingeordnete Hinweise des Forschungsmasters v230, nicht um neue Gebäudenachweise oder automatisch freigegebene Personenidentitäten.
- 1907–1919 – Milchpavillon und Säuglingsfürsorge: Zum Nathanstift gehörte ein vom Haupthaus unterscheidbarer Milchpavillon mit Säuglingsfürsorge und Milchabgabe. Die Krautheimerkrippe wird ab 1919 als verbundenes Kinderhaus beschrieben.
Weiter zu prüfen: Milchpavillon, Nathanstift-Hauptbau und Krautheimerkrippe nicht als einen Baukörper zählen.
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Baugeschichte und historische Adressen
Überlieferte Bau- und Gestaltungspersonen: Josef Zizler
Denkmal- bzw. Objektvermerk: D-5-63-000-793
Diese Angaben sind keine automatische Gleichsetzung mit heutigen Hausnummern oder benachbarten Gebäudeteilen. Baukörper und historische Nutzungszeiten werden getrennt geprüft.
Offene Fragen und Quellenkritik
Krautheimer-Stiftung, Eröffnung, Pflegekonzept, Personal und spätere Nutzung prüfen.
Das Dossier dokumentiert den jeweiligen Forschungsstand und kann bei neuen Originalfunden ergänzt oder korrigiert werden.
Quellen und Nachweise
- https://geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_563000.pdf#page=131
- https://hdbg.eu/biografien/detail/martha-krautheimer/10264
- https://www.fuerth.de/service-fuerther-rathaus/aktuelles/detail/fassade-der-krautheimer-krippe-denkmalgerecht-restauriert/
- https://www.fuerth.de/fileadmin/redaktion/01-Rathaus/infue-Online/2025/2025-13-infue.pdf
- https://fis.uni-bamberg.de/bitstream/uniba/9/1/Dokument_1.pdf#page=164
- https://www.stadtheimatpflege-fuerth.de/jahresbericht-2021/
- https://hdbg.eu/biografien/detail/alfred-louis-nathan/10262
- https://www.fuerthwiki.de/wiki/images/4/4d/Kuntermann_1932.pdf#page=73
Die Nachweise sind Forschungsquellen. Ihre Aufnahme bedeutet keine pauschale Zustimmung zu allen Einzelangaben.