Stadt Fürth

Apotheken · Forschungsfrage – noch zu prüfen

Die frühe Mohren-Apotheke – jüdische Arzneikunde an der Mohrenstraße 12

Ein historischer Ort der Fürther Gesundheitsgeschichte: Seine Nutzung, die beteiligten Menschen und seine Entwicklung werden anhand überlieferter Quellen rekonstruiert.

Historische Anschrift
Mohrenstraße 12
Überlieferter Zeitraum
1690–1700 Bau nach Blume; Vetterplan 1717; Haus vor 1970 abgebrochen
Einrichtung oder Nutzung
Apotheken
Forschungsstand
Forschungsfrage – noch zu prüfen

Geschichte und Nutzung

Ein Apothekenhaus im jüdischen Fürth

Im historischen Fürther Zentrum gehörten ärztliche Versorgung, Arzneimittelherstellung und das Leben jüdischer Familien eng zusammen. Die Häuserforscherin Gisela Naomi Blume beschreibt ein zweigeschossiges, für eine Apotheke errichtetes Haus im Bereich der späteren Mohrenstraße 12. Als Bauzeit nennt sie die Jahre um 1690 bis 1700; als Bauherrn bezeichnet sie den jüdischen Arzt Moses Löb. Diese Angaben stammen aus einer rekonstruierten Häusergeschichte und müssen an den historischen Grund- und Privilegienakten überprüft werden.

1717 erscheint die Apotheke auf dem Vetterplan unter der Hausnummer 176. Diese Nummer ist eine historische Planbezeichnung und keine moderne Straßenhausnummer. Das Gebäude wird als Apotheke des Moyses Löw geführt. Aus der gleichlautenden Namensangabe darf nicht geschlossen werden, dass der mutmaßlich um 1701 verstorbene Bauherr selbst 1717 noch den Betrieb leitete.

Familien, Frauen und Eigentum

Ein überlieferter Rechtsvorgang von 1723 bringt Joseph Engel, Samuel Moses und Hinele miteinander in Verbindung. Für 1738 nennt Blume Samuel Moses als alleinigen Besitzer. Der Besitz des Hauses und das Recht, pharmazeutische Arbeiten auszuüben, müssen auch hier unterschieden werden.

In den späteren Eigentumsakten wird Kayla, auch Chaja, Hirsch als Tochter Samuel Moses genannt. Nach der von Blume benutzten Grundaktenrekonstruktion erbte sie 1772; die ältere Apothekenforschung nennt dagegen 1790. Diese Daten sind nicht vereinbar, zumal Blume für Kayla eine Lebenszeit von ungefähr 1740 bis 1788 angibt. Der Konflikt bleibt offen, bis die Urkunden selbst ausgewertet sind. Im Jahr 1797 veräußerte nach Blume ihr Ehemann, der Apotheker Hirsch Isaak, das Haus. Daraus folgt nicht automatisch ein ununterbrochener Betrieb unter derselben Firmierung.

Apotheke und jüdische Gemeinde

Ein Bericht der Polizeidirektion vom 16. Mai 1803 wird in der Häuserforschung so zusammengefasst, dass die Mohrenapotheke der „gemeinen Judenschaft“ gehört habe. Dieser zeitgenössische Ausdruck ist als Quellenformulierung zu kennzeichnen. Der Satz kann eine institutionelle oder konzessionsrechtliche Zuordnung meinen und darf nicht ungeprüft mit dem Privateigentum an einem bestimmten Baukörper gleichgesetzt werden.

Vom Apothekenhaus zum Wohn- und Handelshaus

1850 erwarb der Schnittwarenhändler Joel Goetz das Haus für 4.200 Gulden. Nach seinem Tod nennt Blume seine Witwe Nanny, ihren Sohn Emanuel und später Julius Goetz in der Hausgeschichte. Keiner dieser Namen wird allein dadurch zu einem Apotheker. Das historische Gebäude wurde vor 1970 abgebrochen. Ein heutiges Haus an ähnlich lautender Anschrift ist deshalb nicht der Apothekenbau des 17. Jahrhunderts.

Die Geschichte ist eng verbunden mit der frühen jüdischen Apotheke am Königsplatz, der späteren Mohrenapotheke an der Königstraße und dem Wandel des Fürther Stadtbildes. Es handelt sich jedoch um unterschiedliche Orts- und Bauphasen.

Weitere historische Quellen und Verbindungen

Die folgenden Hinweise stammen aus den zusammengeführten FürthWiki-Forschungsblöcken v232 bis v242. Ortsbezug bedeutet keine automatische Gleichsetzung benachbarter oder mehrfach beschriebener Gebäude.

1809 / 15. März 1819

Umzug oder Erwerb: Mohrenstraße nach Königstraße 82

FürthWiki erwähnt an einer Stelle eine Verlagerung durch Friedrich August Meier 1809, weist aber zugleich eine aus einer Archivakte überlieferte Kaufurkunde vom 15. März 1819 für die Königstraße nach.

Zu prüfen: 1809 als frühere Betriebs- oder Namenserwähnung und 1819 als beurkundeter Immobilienkauf sind nicht gleichzusetzen. Den tatsächlichen Öffnungstermin am neuen Standort prüfen.

Quellenbeleg ↗

1714 / 1717

Unvereinbare Gründungs- und Namenszuschreibungen

Das ältere Stadtlexikon nennt 1714 als Gründungsjahr, während FürthWiki zwei unterschiedliche Apotheken des Jahres 1717 dokumentiert: eine jüdische Apotheke an der späteren Mohrenstraße und eine sogenannte Neue Apotheke bei der späteren Königstraße 82.

Zu prüfen: 1714 ist bisher keine sichere Gründung des heutigen Betriebs an Königstraße 82. Die Namen könnten historisch später übertragen worden sein.

Quellenbeleg ↗

1790–1803

Kayla Hirsch und weitere frühe Betreiber

Kayla Hirsch erbte laut FürthWiki 1790 den Apothekenbesitz; Isaac Hirsch wird 1797 als Apotheker genannt, anschließend Paul Tobias und Konrad Christoph Burger als Namenseinträge.

Zu prüfen: Erbfall, tatsächliche Ausübung des Apothekerberufs und Pächter-/Inhaberrolle sind auseinanderzuhalten. Keine Identitätsfusion der Burger-Namen.

Quellenbeleg ↗

1723–1738

Moyses Samuel und Joseph Engel

Nach FürthWiki führten Moyses Samuel und zeitweilig sein Stiefvater Joseph Engel die Apotheke weiter; 1738 wird Moyses Samuel als alleiniger Inhaber genannt.

Zu prüfen: Moyses Samuel ist nicht automatisch mit Moyses Löw gleichzusetzen; die Familienbeziehung beruht auf sekundär zitierten Grundakten.

Quellenbeleg ↗

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Vertiefung v245: jüdische Apotheken- und Häusergeschichte

Neu erschlossene Häuser- und Apothekengeschichte. Die folgenden datierten Beobachtungen sind keine Beweise für identische Baukörper, Besitzer oder Konzessionen. Grundakten und historische Hausnummern müssen im Original geprüft werden.

1690-1700 · V245-001

Frühes Apothekenhaus des Moses Löb

Gisela Naomi Blume datiert den zweigeschossigen als Apotheke errichteten Bau auf 1690-1700 und nennt den Judenleibarzt Moses Löb als Bauherrn.

Prüffrage: Spätere Hausnummer nur historischer Locator, kein Nachweis eines erhaltenen Baukörpers.

Historische Quelle ↗

1717 · V245-002

Dompröpstisches Haus 176 im Vetterplan

Der Vetterplan bezeichnet das Gebäude als neues Haus 176 und als Apotheke des Moyses Löw.

Prüffrage: Eine Nennung 1717 beweist nicht, dass der in der Forschung um 1701 gestorbene Moses Löb 1717 noch lebte oder selbst tätig war.

Historische Quelle ↗

1723 · V245-003

Joseph Engel, Samuel Moses und Hinele

Blume führt einen Rechtsvorgang von 1723 mit Joseph Engel, Samuel Moses und Hinele an. Hinele wird als Tochter eines Moses Arzt und Ehefrau Samuels bezeichnet.

Prüffrage: Die schwierige überlieferte Rechtsformulierung belegt nicht für alle Genannten die Berufsausübung als Apotheker; Verwandtschaft und Besitzanteile original prüfen.

Historische Quelle ↗

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Menschen im Zusammenhang mit diesem Ort

  • Moses Löb (Arzt, Bauherr – Sekundärquelle)
  • Samuel Moses (Apotheker, Hausbesitzer)
  • Hinele (Familienbezug 1723)
  • Kayla/Chaja Hirsch (Erbin, Datierungskonflikt)
  • Hirsch Isaak (Apotheker und Verkäufer 1797)
  • Joel Goetz (Schnittwarenhändler, Hauskauf 1850)

Die namentliche Erwähnung bedeutet keine bereits nachgewiesene vollständige Personal- oder Gebäudebeziehung. Zum Personenregister →

Offene Fragen und Quellenkritik

Original Grundakt 394 und Kataster/Konkordanz Mohrenstraße prüfen; 1723 Erbfolge; 1772/1790 Kayla/Chaja Hirsch, Lebensdaten; 1797 Hausverkauf; Bedeutung 1803 „gemeine Judenschaft“; spätere Betreiber von späterer Königstraße 82 getrennt halten.

Blume/Gisela Naomi: Mohrenstraße-Hausrekonstruktion, historische Hausnr. 176 (1717); Kayla Hirsch Erbjahr 1772 vs. ältere Apothekengeschichte 1790. Sekundärdarstellung, kein Originalgrundbuchabgleich.

Das Dossier dokumentiert den jeweiligen Forschungsstand und kann bei neuen Originalfunden ergänzt oder korrigiert werden.

Quellen und Nachweise

  1. https://www.digitale-sammlungen.de/
  2. https://juedisch-in-fuerth.repositorium.gf-franken.de/files/JiF/Bilder/Orte/Mohrenstrasse.pdf
  3. https://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php/Mohren-Apotheke

Die Nachweise sind Forschungsquellen. Ihre Aufnahme bedeutet keine pauschale Zustimmung zu allen Einzelangaben.

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