Stadt Fürth

Quellenforschung · Fürther Stadtgeschichte bis 1945

Frühe jüdische Apotheken und der Notdienst von 1931

Die Geschichte der Arzneimittelversorgung erzählt von jüdischen Ärztinnen und Ärzten, Familien, Hauseigentum und staatlichen Konzessionen. Quellenkonflikte gehören dabei zur Stadtgeschichte – sie werden nicht verborgen.

Der Forschungsstand v245 vereint 22 neue Quellenbeobachtungen, 17 Personen- und Rollenhinweise und zehn offene Konfliktprüfungen. Die Zahlen bezeichnen keine 22 verschiedenen Apotheken und keine 17 neuen, bereits verifizierten Menschenprofile.

Ausgewählte Geschichten

Mohrenstraße 12: vom Apotheken- zum Handelshaus

In der von Gisela Naomi Blume erarbeiteten Häusergeschichte reicht die Spur eines jüdischen Apothekenhauses bis um 1690 zurück. Vetterplan 1717, Haus- und Familienerben 1723 und 1738, ein möglicher Erbfall Kayla Hirsch 1772 sowie der Verkauf 1797 dokumentieren verschiedene Vorgänge. Die ältere Apothekenüberlieferung nennt allerdings 1790 als Erbjahr.

Zum Gebäudedossier →

Königstraße 38: jüdische Hausgeschichte, später Löwen-Apotheke

Ein älterer jüdischer Wohn- und Kultort mit Mikwe, mehrere jüdische Hausbesitzer und ab 1728 die christliche Löwen-Apotheke gehören zu unterschiedlichen historischen Zeitstufen. Der frühere Betrieb der Familie Löw am Königsplatz war nicht einfach dieselbe Apotheke im selben Haus.

Zum Gebäudedossier →

1931: Apotheken für den Nacht- und Wochenenddienst

Die Kuntermann-Chronik nennt bereits am 16. Januar 1931 die neue Billing-Apotheke im Apothekennotdienst. Schwammbergers späteres Lexikon führt 1932 als Gründungsjahr. Die Jahre bezeichnen möglicherweise unterschiedliche Konzessions-, Betriebs- oder Publikationsvorgänge. Das Original bleibt zu überprüfen.

22 dokumentierte Einzelbeobachtungen

V245-001 · 1690-1700 · Bau und Gewerbe

Frühes Apothekenhaus des Moses Löb

Gisela Naomi Blume datiert den zweigeschossigen als Apotheke errichteten Bau auf 1690-1700 und nennt den Judenleibarzt Moses Löb als Bauherrn.

Weiter zu prüfen: Spätere Hausnummer nur historischer Locator, kein Nachweis eines erhaltenen Baukörpers.

Verknüpfte historische Orte: · medbau-057

Originaler Quellenverweis ↗

V245-002 · 1717 · Kartografie

Dompröpstisches Haus 176 im Vetterplan

Der Vetterplan bezeichnet das Gebäude als neues Haus 176 und als Apotheke des Moyses Löw.

Weiter zu prüfen: Eine Nennung 1717 beweist nicht, dass der in der Forschung um 1701 gestorbene Moses Löb 1717 noch lebte oder selbst tätig war.

Verknüpfte historische Orte: · medbau-057

Originaler Quellenverweis ↗

V245-003 · 1723 · Familien- und Erbrecht

Joseph Engel, Samuel Moses und Hinele

Blume führt einen Rechtsvorgang von 1723 mit Joseph Engel, Samuel Moses und Hinele an. Hinele wird als Tochter eines Moses Arzt und Ehefrau Samuels bezeichnet.

Weiter zu prüfen: Die schwierige überlieferte Rechtsformulierung belegt nicht für alle Genannten die Berufsausübung als Apotheker; Verwandtschaft und Besitzanteile original prüfen.

Verknüpfte historische Orte: · medbau-057

Originaler Quellenverweis ↗

V245-004 · 1738 · Eigentum

Samuel Moses als alleiniger Hausbesitzer

1738 nennt Blume den Apotheker Samuel Moses als alleinigen Besitzer des Hauses.

Weiter zu prüfen: Mit der Nennung als Eigentümer ist kein taggenauer Betreiberwechsel belegt.

Verknüpfte historische Orte: · medbau-057

Originaler Quellenverweis ↗

V245-005 · 1772 · Erbfolge

Kayla/Chaja Hirsch erbt 1772

Die Grundaktenrekonstruktion von Blume nennt Kayla, auch Chaja, Hirsch als 1772 erbberechtigte Tochter Samuel Moses. Ihr Lebensrahmen wird etwa 1740-1788 angegeben.

Weiter zu prüfen: Gesamtmaster v242 und v243 nennen dagegen 1790 als Erbjahr. Die Nennung 1790 passt nicht zum angegebenen Todesjahr 1788; Originalgrundakt statt stiller Korrektur prüfen.

Verknüpfte historische Orte: · medbau-057

Originaler Quellenverweis ↗

V245-006 · 1797 · Eigentumsverkauf

Hirsch Isaak verkauft das Haus

Laut Blume veräußerte Hirsch Isaak, Ehemann der verstorbenen Kayla/Chaja und selbst Apotheker, 1797 das Haus.

Weiter zu prüfen: Die Verkäuferrolle 1797 ist nicht mit der Fortführung des alten Apothekenbetriebs bis 1797 gleichzusetzen.

Verknüpfte historische Orte: · medbau-057

Originaler Quellenverweis ↗

V245-007 · 16.05.1803 · Institutioneller Status

Polizeibericht zur gemeinen Judenschaft

Die Polizeidirektion soll der Ansbacher Medizinaldeputation 1803 berichtet haben, die Mohrenapotheke gehöre der gemeinen Judenschaft.

Weiter zu prüfen: Hier ist die Aussage über die Apotheke von Besitz und Nutzung des einzelnen Hauses Mohrenstraße 12 zu unterscheiden; die genannte Behördenakte fehlt noch.

Verknüpfte historische Orte: · medbau-057

Originaler Quellenverweis ↗

V245-008 · 29.05.1850 · Eigentumswechsel

Joel Goetz erwirbt das Haus

Joel Goetz, in der Quelle als Ausschnittwarenhändler beschrieben, erwarb das Haus für 4.200 Gulden.

Weiter zu prüfen: Hauskauf ist kein Nachweis, dass Goetz Apotheker oder Betreiber der Apotheke war.

Verknüpfte historische Orte: · medbau-057

Originaler Quellenverweis ↗

V245-009 · nach 1863 bis vor 1890 · Familien- und Hausgeschichte

Familie Goetz als Hauseigentümer

Nach Joel Goetz nennt die Forschung seine Witwe Nanny, ihren Sohn Emanuel und schließlich Julius Goetz in der Hausnachfolge.

Weiter zu prüfen: Die genauen Erb- und Übergangsdaten sind nicht alle angegeben. Eigentum, Verwandtschaft und Arzneiberuf getrennt halten.

Verknüpfte historische Orte: · medbau-057

Originaler Quellenverweis ↗

V245-010 · vor 1970 · Baukörper

Altes Apothekenhaus nicht erhalten

Blume berichtet, dass das historische Haus Mohrenstraße 12 vor 1970 abgebrochen wurde.

Weiter zu prüfen: Ein heutiges Gebäude in der Straße darf nicht als ursprünglicher Apothekenbau von 1690-1700 abgebildet werden.

Verknüpfte historische Orte: · medbau-057

Originaler Quellenverweis ↗

V245-011 · um 1620 bis vor 1650 · Bau- und Religionsgeschichte

Früher Wohnbau und Mikwe

Blume nennt einen Bau um 1620, Zerstörung 1634 und anschließenden Wiederaufbau vor 1650 mit Gewölbe und Mikwe.

Weiter zu prüfen: Das spätere Haus Königstraße 36-38 erhielt nach 1791 eine andere bauliche Form; Mikwe-Reste nicht als heutige Apothekennutzung darstellen.

Verknüpfte historische Orte: · medbau-051

Originaler Quellenverweis ↗

V245-012 · vor 1717 bis 1723 · Jüdische Eigentümer

Löw Salomon, Mendel Bendit und Seligmann Benedikt

Als frühe jüdische Hausbesitzer beschreibt Blume Löw Salomon, 1717 den Hospitalverwalter Mendel Bendit und 1723 dessen Bruder Seligmann Benedikt.

Weiter zu prüfen: Hospitalverwalter bedeutet nicht Apotheker; Besitz der Adresse ist von späterer christlicher Löwen-Apotheke getrennt.

Verknüpfte historische Orte: · medbau-051

Originaler Quellenverweis ↗

V245-013 · ab 1728 · Apothekenstandort

Christliche Löwen-Apotheke am vormals jüdischen Hausort

Blume datiert eine christlich geführte Löwen-Apotheke an diesem Ort ab 1728, nachdem frühere Eigentümer jüdisch waren.

Weiter zu prüfen: Keine Ableitung, dass die zuvor von der Löw-Familie geführte Apotheke am Königsplatz physisch hier fortbestand.

Verknüpfte historische Orte: · medbau-051

Originaler Quellenverweis ↗

V245-014 · nach 1791 / 1904 · Baudetails

Heutige Bauform und Chörlein

Blume beschreibt die heutige Form des Hauses 36-38 als nach 1791 geschaffen und die Anfügung eines Chörleins 1904; Mikwe-Reste seien erhalten.

Weiter zu prüfen: Baudaten sind nicht identisch mit Gründungs- oder Besitzerwechseln der Apotheke.

Verknüpfte historische Orte: · medbau-051

Originaler Quellenverweis ↗

V245-015 · 1855 · Bau- und Frauenbiografie

Namentlich offene Apothekerwitwe Fleischmann

Blume nennt die Apothekerwitwe Fleischmann neben Moritz Reichmann bei der Errichtung des Hauses 1855.

Weiter zu prüfen: Vorname, Ehemann, Mit-Eigentumsrolle und mögliche Verbindung zur Familie Fleischauer sind ungeklärt; keine automatische Personenzusammenführung.

Originaler Quellenverweis ↗

V245-016 · 1941-1943 · NS-Vermögensgeschichte

Späterer Eigentumsentzug am Haus

Die Hausrecherche berichtet über Zwangsversteigerungsantrag 1941 und den Erwerb durch das Deutsche Reich am 27.01.1943.

Weiter zu prüfen: Dieser Vorgang darf nicht dem Wirken der Apothekerwitwe von 1855 oder einer Apotheke zugerechnet werden; ausschließlich Haus- und Verfolgungskontext.

Originaler Quellenverweis ↗

V245-017 · 16.01.1931 · Gesundheitsinfrastruktur

Billing-Apotheke im Nacht- und Wochenenddienst

Die von FürthWiki bereitgestellte Kuntermann-Chronik nennt vier Notdienstgruppen und meldet die Zuteilung der neuen Billing-Apotheke zur Gruppe von Stern- und St.-Pauls-Apotheke.

Weiter zu prüfen: Die Pressechronik ist bearbeitet; ein organisierter Dienst ist nicht automatisch der Ersttag der Apothekeneröffnung. Originalzeitung und Dienstplan beschaffen.

Originaler Quellenverweis ↗

V245-018 · 1931 gegen 1932 · Datierungskonflikt

1932 Gründungsangabe vs. 1931 Zeitungsnotiz

Schwammbergers Lexikon nennt 1932 als Gründungsjahr der Billing-Apotheke, während die 1931er Pressechronik die neue Apotheke bereits in einem Dienstplan nennt.

Weiter zu prüfen: Beide Angaben nach Ereignistyp trennen: Konzessionsdatum, Geschäftseröffnung und Dienstplanteilnahme könnten abweichen; bislang keine amtliche Auflösung.

Originaler Quellenverweis ↗

V245-019 · 1807 · Adressbuchbeobachtung

Fünf Apothekenbesitzer im Egerschen Adressbuch

Schwammberger führt für 1807 Witwe Johann Andreas Alt, Jacob Maximilian Andreas Barthel, Conrad Christoph Burger, Christian Georg Kühnlein und Friedrich August Meier als jeweils benannte Apothekenbesitzer auf.

Weiter zu prüfen: Die Liste ist über eine spätere Zusammenfassung überliefert, nicht aus dem Originaladressbuch verifiziert. Nicht als fünf neu gesicherte Personendossiers anlegen.

Originaler Quellenverweis ↗

V245-020 · 1807 · Apothekenname

Vorübergehende Adler-Apotheke

Schwammberger nennt Friedrich August Meier als Besitzer einer später eingegangenen Apotheke zum Adler an der Bäumenstraße 12.

Weiter zu prüfen: Historische Hausnummernkonkordanz, Gründung und Schließung sind offen; keine baulich identifizierte Offizin neu anlegen.

Originaler Quellenverweis ↗

V245-021 · 1807 · Frau in der Apothekengeschichte

Witwe des Johann Andreas Alt ohne eigenen Namen

Im Egerschen Adressbuch ist nach Schwammberger eine namenlos überlieferte Witwe des Johann Andreas Alt als Apothekenbesitzerin aufgeführt; die Offizin trug kein Schild.

Weiter zu prüfen: Weder Vorname noch eigener pharmazeutischer Berufsabschluss ist damit nachgewiesen; nicht mit späteren Frauenprofilen fusionieren.

Originaler Quellenverweis ↗

V245-022 · Anfang 1814 · Stadtstatistik

Fünf Apotheken in Fürth

Schwammbergers Lexikon berichtet für Anfang 1814 fünf Apotheken in der Stadt.

Weiter zu prüfen: Die Zahl gilt für einen Zeitpunkt und ist keine Belegliste, welche Betriebe exakt die fünf waren; Stichtag und Adressbuch vor Ort überprüfen.

Originaler Quellenverweis ↗

Offene Quellenwidersprüche

Kayla/Chaja Hirsch 1772 / 1790

Blume: Erbjahr 1772, Tod ca. 1788; v242/v243: 1790

Quellenkritik und Prüfweg: 1790 ist mit Tod 1788 nicht ohne Erklärung vereinbar. Keine Korrektur alter Rohdaten; Grundakt 394 beschaffen.

Zugeordnete Quelle ↗

1717 lebender oder historischer Namengeber?

Vetterplan 1717: Apothek Moyses Löw; Blume: Moses Löb Tod um 1701

Quellenkritik und Prüfweg: Nennung der alten Apothekenbezeichnung nicht zu Berufsbeleg im Jahr 1717 umformen.

Zugeordnete Quelle ↗

Mohren 1803 gemeine Judenschaft

Medizinalbericht schreibt Apotheke der Judenschaft zu, einzelne Grundstückserwerber genannt

Quellenkritik und Prüfweg: Konzession/Gemeindevermögen/physisches Haus als verschiedene Rechtsträger prüfen.

Zugeordnete Quelle ↗

Mohren 1723 Erb- und Stiefvaterangaben

Sekundärtexte nennen Joseph Engel teils Stiefvater

Quellenkritik und Prüfweg: Originalgrundakt 394 und hebräische Namenformen lesen; kein automatischer Stammbaum.

Zugeordnete Quelle ↗

Mohrenstr. 12 gegen Königstr. 82

Frühes Apothekenhaus vor 1970 abgerissen; K82 moderner Bau 1901

Quellenkritik und Prüfweg: Dauerhafte Institutionsbezeichnung bedeutet kein identisches Gebäude.

Zugeordnete Quelle ↗

Königstr. 38 gegen alte Löw-Apotheke

Blume: jüdische Hausbesitzer vor 1728, christliche Apotheke ab 1728

Quellenkritik und Prüfweg: Kein Identitätsmerge Königsplatz 2 / Königstr. 38.

Zugeordnete Quelle ↗

Apothekerwitwe Fleischmann

1855 neben Moritz Reichmann als Bauperson erwähnt

Quellenkritik und Prüfweg: Vorname, Familie und Anteil ungeprüft; NICHT mit Fleischauer-Konzession verknüpfen.

Zugeordnete Quelle ↗

Billing 1931 / 1932

Notdienst 16.1.1931 vs Lexikon Gründung 1932

Quellenkritik und Prüfweg: Konzession, tatsächliche Eröffnung und Dienstplanzuteilung trennen. Originalpresse prüfen.

Zugeordnete Quelle ↗

Bäumenstr. 12 Adler 1807

Sekundärbeleg ohne Bau- oder Konzessionsdokument

Quellenkritik und Prüfweg: Keine neue Haus-ID oder Pharmaperson allein auf Lexikonangabe stützen.

Zugeordnete Quelle ↗

Neon Rohmaster v226

735 Blätter und 16238 Zeilen gelten als gesicherter RAW-Import

Quellenkritik und Prüfweg: v245 NICHT erneut in RAW Tabellen importieren; nur Forschungsabgleich / Publikationsschicht.

Zugeordnete Quelle ↗