1842 · Wasserstraße 3
Zur Straße →Christoph Stockert bot in der Wassergasse im Denk'schen Haus Speisen an und verwies zugleich auf sein weiter betriebenes Kompassmachergewerbe.
Gewerbe · Häuser · 19. Jahrhundert
Die Geschichte eines Fürther Handwerkers, der vom Kompassmachen allein kaum leben konnte: Christoph Stockert versuchte immer wieder, mit Gastwirtschaften Geld zu verdienen. Die Spuren seiner Familie führen durch zahlreiche Straßen – und zeigen, wie sorgfältig historische Adressen gelesen werden müssen.
Die Untersuchung des Historikers Hans Gaab verbindet Anzeigen des Fürther Tagblatts, ältere Adressbücher und Unterlagen des Stadtarchivs. Stockert erlebte wirtschaftliche Schwierigkeiten; 1854 folgte ein Konkursverfahren. Dass ein Handwerker mehrere Berufe nacheinander oder gleichzeitig ausübte, war im damaligen Fürth keine Seltenheit.
Unter der Adresse Geleitsgasse 11 begegnet auch Marcus Schelter (1835–1871), gelernter Drechsler und späterer Hersteller von Hornbrillen und Lorgnetten. Schelter selbst suchte wegen der schlechten Geschäftslage nach einem weiteren Erwerb. Der Versuch einer Gaststättenkonzession scheiterte. Christoph Stockert betrieb gleichwohl eine Wirtschaft in Schelters Haus; das sind zwei verschiedene Personen und rechtlich unterschiedliche Vorgänge.
Christoph Stockert bot in der Wassergasse im Denk'schen Haus Speisen an und verwies zugleich auf sein weiter betriebenes Kompassmachergewerbe.
Ein neuer Wirtschaftsbetrieb lag in der damaligen Poppengasse bei Nummer 391. Die Forschungsstudie lokalisiert den Standort an der späteren Königstraße 110.
In einer Anzeige warb Christoph Stockert mit Bier und Speisen. Diese Adresse darf nicht mit der späteren Werkstatt von C. Stockert & Sohn in der Alexanderstraße 15/22 verwechselt werden.
Christoph Stockert warb im Haus des Hornbrillenmachers Marcus Schelter für seine Wirtschaft. Schelter wollte selbst ein Gaststättenangebot aufbauen, doch sein Antrag wurde abgelehnt.
Christoph Stockert wohnte laut Anzeige bei dem Lorgnettenfabrikanten Christian Dannhorn. Der Aufenthalt ist belegt, eine dort betriebene Gastwirtschaft nicht.
Im Geisdörferschen Haus betrieb Stockert erneut eine Wirtschaft. Sein Sohn Paul führte sie zeitweise weiter.
Paul Stockert gab zunächst eine Wohnung bei dem Flaschnermeister Kunstmann an. Ab 1874 erscheint er an der Nummer 21. In der Sekundärstudie gibt es für die spätere Nummer 20 jedoch widersprüchliche Angaben.
Aus „Geleitsgasse 11“ wurde nach der dokumentierten Umnummerierung „Geleitsgasse 4“. Für die Bäumenstraße 21 nennt die Studie einerseits die spätere Nummer 20, verwendet an anderer Stelle aber noch für 1921 die Nummer 21. Diese zweite Adresskonkordanz ist deshalb derzeit nicht endgültig geklärt. Zudem sind Christoph, Paul und Johann Thomas Stockert verschiedene historische Personen. Die geteilte Familienbezeichnung ersetzt keine biografische Identitätsprüfung.
Mehr zur Fürther Hausnummernreform 1890Hans Gaab, Kompassmacher in Nürnberg und Fürth im 19. Jahrhundert, besonders Seiten 43–54 mit Verweisen auf Anzeigen des Fürther Tagblatts vom 10. Dezember 1842, 26. August 1845, 19. August und 30. September 1865 sowie 12. Februar 1873 und auf das Fürther Hausnummernverzeichnis von 1867. Die Originalzeitungsseiten wurden für diesen Artikel nicht durchgängig selbst am Scan geprüft; die Orts- und Personenangaben sind als Quellenbefunde dieser Studie gekennzeichnet.
Forschungsstudie im Volltext