Kleeblattmuseum · Fürther jüdische Familiengeschichte
Ella Farntrog, geborene Ehrlich
Eine Mutter in Fürth: ihr Leben ist vor allem durch die überlieferten Wege ihrer Töchter und den Tod im Jahr 1940 greifbar.
Eine bislang wenig erforschte Frau
Ella Ehrlich war mit David Farntrog verheiratet, der in der Fürther Familienüberlieferung als Kaufmann erscheint. Als Kinder des Ehepaars werden Jeannette Ilse (geboren am 1. September 1913), Ruth (geboren am 16. Mai 1919) und Edith Rosalie (geboren am 20. Juni 1922) genannt. Die Zuordnung Ediths ist in anderen Darstellungen widersprüchlich und bedarf eines standesamtlichen Originalnachweises.
Für Ellas eigenes Geburtsdatum, ihre Eltern, ihre Ausbildung und ihre Tätigkeit liegen in den hier zugrunde gelegten Veröffentlichungen noch keine hinreichend geprüften Einzelbelege vor. Die Biografie darf diese Lücken nicht mit allgemeinen Aussagen über jüdisches Frauenleben füllen.
Die Familie in Fürth
Die drei Töchter wuchsen in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen auf. Nach 1933 wurde die jüdische Bevölkerung schrittweise aus dem öffentlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt. Ruth erhielt später eine Ausbildung in der Säuglingspflege in Frankfurt. Jeannette Ilse gelang nach der Familienüberlieferung die Auswanderung in die Vereinigten Staaten. Die Lebenswege der Töchter zeigen, wie weit sich die Familie in den Jahren der Verfolgung auseinanderentwickelte.
Die Frankfurter Kinderhaus-Dokumentation nennt für Ruth nach ihrer Rückkehr 1939 die Adresse Hindenburgstraße 29 in Fürth. Ob Ella dort ebenfalls durchgehend gemeldet war, muss ein zeitgenössischer Familienbogen klären.
Der Tod am 21. Oktober 1940
Die Dokumentation des Frankfurter Kinderhauses berichtet, dass Ella Farntrog am 21. Oktober 1940 in Erlangen starb. Die Todesursache und die Umstände ihres Aufenthalts in Erlangen werden in der hier verwendeten Quelle nicht ausreichend erläutert. Es wäre deshalb unbelegt, aus dem Sterbeort auf einen Krankenhausaufenthalt oder eine bestimmte Erkrankung zu schließen.
Für die weitere Prüfung ist der standesamtliche Sterbeeintrag von Erlangen der wichtigste Ansatzpunkt. Da Sterberegister nach Ablauf von 30 Jahren in die archivische Zuständigkeit übergehen, ist auch die einschlägige Archivüberlieferung zu ermitteln. Eine Originalurkunde wurde bislang nicht eingesehen.
Was nach Ellas Tod geschah
Nach der veröffentlichten Kinderhaus-Dokumentation bemühte sich David Farntrog vergeblich um die Auswanderung mit Ruth und Edith Rosalie. Für März 1942 wird ihre Verschleppung beschrieben; bei Ruth bleibt die Zuordnung zu den bekannten Transportlisten ausdrücklich offen. Ellas Tod 1940 steht damit am Anfang einer nur bruchstückhaft rekonstruierbaren letzten Familienphase.
Die Geschichte ihrer Töchter ist in den Biografien von Jeannette Ilse, Ruth und Edith Rosalie weitergeführt.
Warum Erlangen für die Recherche wichtig ist
Die Angabe „gestorben am 21. Oktober 1940 in Erlangen“ ist ein seltener präziser Anker in Ellas bislang lückenhafter Biografie. Ein standesamtlicher Sterbeeintrag kann neben dem Sterbedatum auch Alter, Geburtsort, Familienstand, letzten Wohnort und die Person enthalten, die den Sterbefall anzeigte. Welche dieser Angaben tatsächlich vorhanden sind, lässt sich erst nach Einsicht sagen.
Der Sterbeort allein belegt weder einen bestimmten Krankenhausaufenthalt noch eine Todesursache. Für die historische Rekonstruktion sollten der Erlanger Sterberegistereintrag, die Fürther Meldeunterlagen und gegebenenfalls zeitgenössische jüdische Gemeindemitteilungen miteinander abgeglichen werden. Ein Eintrag aus dem Jahr 1940 unterliegt nicht mehr der dreißigjährigen personenstandsrechtlichen Fortführungsfrist für Sterberegister; der konkrete Aufbewahrungsort und die Benutzungsbedingungen sind bei den zuständigen Erlanger Stellen zu klären.
Die Familie im Herbst 1940
Als Ella starb, war ihre Tochter Jeannette Ilse nach der Familienüberlieferung bereits auf einem Auswanderungsweg in die Vereinigten Staaten oder hatte diesen erfolgreich abgeschlossen; der genaue Zeitpunkt ist nicht gesichert. Ruth hatte 1938/39 eine Ausbildung in Frankfurt absolviert und war anschließend nach Fürth zurückgekehrt. Für Edith Rosalie fehlen weiterhin verlässliche Angaben zu Ausbildung und Tätigkeit.
Die Ereignisse nach Ellas Tod sind für den Lebensweg des Ehemanns David Farntrog und der Töchter besonders einschneidend. Die Dokumentation des Frankfurter Kinderhauses erwähnt vergebliche Auswanderungsversuche. Ob diese Bemühungen schon vor Ellas Tod begonnen hatten, muss anhand von Auswanderungs- und Finanzakten geprüft werden.
Ein überprüfbarer Forschungsweg
Die nächste Bearbeitungsstufe sollte drei unabhängige Belegketten herstellen: erstens Ellas Sterbeeintrag mit vollständigen Identitätsangaben, zweitens die Fürther Meldekarten zur Familie David Farntrog und drittens die Personenstandsregister der Töchter. Dadurch ließe sich auch der Widerspruch bei Edith Rosalies Elternzuordnung klären. Bis dahin sind die genannten Familienbeziehungen als veröffentlichte Überlieferung zu behandeln, nicht als bereits vollständig archivalisch verifizierte Stammtafel.
Ein konkreter Archivbestand in Erlangen
Das Stadtarchiv Erlangen beschreibt historische Meldeunterlagen aus dem Zeitraum von ungefähr 1880 bis 1984. Sie können unter anderem Wohnanschriften, Familienstand und Daten zu Angehörigen enthalten. Damit ist neben dem Sterberegister von 1940 eine zweite mögliche Originalquelle für Ella Farntrog identifiziert. Ob ein eigener Meldeeintrag zu ihr existiert, wurde noch nicht nachgewiesen.
Das Stadtarchiv hat außerdem historische Erlanger Adressbücher digitalisiert. Ein fehlender Eintrag dort wäre jedoch kein Beweis dafür, dass Ella sich 1940 nicht in Erlangen aufhielt; der Sterbeort muss nicht dem Wohnort entsprechen.
Quellen: Stadtarchiv Erlangen: Familien- und Personenforschung; Stadt Erlangen: digitalisierte Adressbücher.
Quellen und offene Prüfungen
- Frankfurter Kinderhaus: Ruth Farntrog und Familie ↗
- Jüdische Pflegegeschichte: Verbindungen nach Fürth ↗
Offen sind insbesondere Ellas Herkunft, die Fürther Meldeadressen, der Erlanger Sterbeeintrag und die Originalprüfung der Familienzuordnung Edith Rosalies. Historische Fotos werden erst nach Klärung von Motiv, Zuschreibung und Nutzungsrechten eingebunden.